Wasserpark-Chef gibt Einblicke So wird Rulantica am Laufen gehalten

Julia Göpfert

Sommer, Sonne, Badespaß: Damit in Rulantica alles klappt, ist es nicht nur entscheidend, was in, sondern auch, was unter der Ruster Badewelt passiert. Wasserpark-Direktor Michael Kreft von Byern nahm unsere Redakteurin mit auf eine Tour durch die Keller.

Rust -  30 Rutschen, drei thematisierte Bereiche und gefühlt unendlich viele Varianten des Maskottchens Snorri machen Rulantica zum Anziehungspunkt. Doch sowohl beim Bau als auch bei der Weiterentwicklung der Ruster Wasserwelt galt ihrem unterirdischen Teil nicht weniger Aufmerksamkeit als ihrem oberirdischen. Denn 40 Prozent des Aufwands, der nötig ist, um den Wasserpark am Laufen zu halten, findet dort statt – völlig unbemerkt von den Gästen. So lagern in den Kellern Rulanticas etwa die Teile des neuen dritten Rutschenturms, der gerade gebaut wird; oder Bojen und Stangen für die Maschine des Wellenbeckens für den großen Fjord vor dem Hotel Koronasar. Vor allem befindet sich dort aber die ganze Technik, die die Wasserwelt am Laufen hält. 25 hochqualifizierte Techniker arbeiten dort. Insgesamt sind 400 Mitarbeiter in drei Schichten in der Wasserwelt angestellt.

Jedes Becken hat seinen eigenen Wasserkreislauf

Rund 1,1 Millionen Kilowattstunden Strom werden jährlich von einer eigenen Photovoltaikanlage für Rulantica produziert. Diese befindet sich direkt vor der Wasserwelt und ist mit 3000 Solarmodulen bestückt. Die Grundlast des von Rulantica benötigten Stroms tragen jedoch die beiden Blockheizkraftwerke neben dem Hauptgebäude. Sie versorgen mit 15,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr nicht nur die Wasserwelt, sondern auch das benachbarte Hotel Kronasar. Bei Verbrauchsspitzen kommt noch ein Gasbrenner dazu. Selbst die Abwärme der dabei so gewonnenen Energie geht nicht verloren: Sie wird dazu benutzt, um das Wasser von Rulantica zu erwärmen.

Rulanticas Unterwelt teilt sich in drei Keller auf: Einer davon gehört dem Wasserspielplatz "Svalgurok" und dem geplanten dritten Rutschenturm. "Als wir vor zwei Jahren den neuen Rutschenturm geplant haben, haben wir den Keller gleich mitgeplant", erläutert Wasserpark-Direktor Kreft von Byern. Generell gelte es bei der Entwicklung der Wasserwelt, strategisch vorzugehen und die Entwicklung für die kommenden zehn Jahre schon im Blick zu behalten. Jedes Becken von Rulantica hat seinen eigenen Kreislauf und wird separat gesteuert, überwacht und gefiltert. Der Prozess und die Überprüfung laufen automatisch, aber auch die Mitarbeiter kontrollieren nochmals regelmäßig, ob alles funktioniert.

Oberrheingraben als Wasserquelle

Ebenfalls Teil der Wasserplanung ist der See zwischen Wasserwelt und Kronasar: Auch er wird regelmäßig gefiltert und umgewälzt. Insgesamt 4,4 Millionen Liter werden für die gesamte Wasserwelt von 200 Pumpen immer in Bewegung gehalten.

Rulantica bezieht sein Wasser direkt aus dem Grundwasser. Dafür befinden sich auf dem Gelände zwei eigene Brunnen. Ihr Brauchwasser landet in den Schwimmbecken Rulanticas. 150 000 Kubikmeter maximal sind erlaubt, verbraucht hat der Wasserpark vergangenes Jahr 100 000 Kubikmeter. Das Trinkwasser, das im Bad aus dem Wasserhahn kommt, bezieht Rulantica vom Wasserverband Südliche Ortenau. Auch von diesem darf Rulantica 150 000 Kubikmeter pro Jahr beziehen, 2021 hat es aber de facto nur gut die Hälfte, 80 000 Kubikmeter, verbraucht. Die Wasserwelt ist an einem für sie günstigem Standort gebaut. Sie und der Wasserverband Südliche Ortenau beziehen ihr Wasser vom Oberrheingraben, "dem größte Grundwasserspeicher Mitteleuropas". Dieser umfasst 80 Milliarden Kubikmeter Wasser, dagegen wirkt sich der Wasserverbrauch von Rulantica selbst in trockenen Jahren kaum aus (wir berichteten).

Verschwenderisch geht man mit dem Wasser in Rulantica aber trotzdem nicht um – im Gegenteil: 80 Prozent des Wassers wird wiederverwendet. "Theoretisch könnte es sogar mehr sein, aber mehr ist gesetzlich nicht erlaubt. 20 Prozent des zugegebenen Wassers muss Frischwasser sein", macht Kreft von Byern deutlich.

Für diese effektive Nutzung des Wassers sorgen sogenannte drucklose Captura-Filter. Sie filtern das Wasser zunächst durch mehrere Schichten Sand und Filterkanäle. Entscheidend ist, dass das dabei übrig gebliebene Schmutzwasser nicht entsorgt, sondern rückgespült wird. Somit werden mit dem Wasser noch die beim Filterprozess verdreckten Filter gereinigt, so dass für diesen Spülgang kein extra Wasser benötigt wird. Dieses Wasser wird dann nochmals durch eine zweite Ultrafiltration geschickt. Und erst das Schmutzwasser, das dann noch übrig bleibt, wird entsorgt. Neben dieser mechanischen Reinigung wird Rulanticas Brauchwasser auch chemisch gereinigt, dabei kommt Chlorgas zum Einsatz. Eine Knappheit fürchtet man nicht: Der 1000-Liter-Tank ist voll, die Versorgung problemlos gesichert, berichtet Kreft von Byern.

Besonders spannend ist der "Vlidstrom", bei dem die Besucher quasi wie auf einem Wildstrom entlanggleiten. Für diese Attraktion sind nicht nur die leistungsstärksten Pumpen im Einsatz, sondern aus ihr wird auch jede Nacht das Wasser abgepumpt. Rund 400 Kubikmeter Wasser kommen über Nacht in einen unterirdischen Tank, wo sie ihre ursprüngliche Temperatur halten. Am nächsten Morgen füllen die Pumpen den 80 Meter langen Kanal dann wieder mit dem Wasser.

Kommt gut an:
Die neueste Attraktion in Rulantica ist der "Tonnevirvel" – und die komme extrem gut an, erklärte Kreft von Byern beim Rundgang. Bei der Attraktion routieren Fahrzeuge auf drei Plattformen und um sich selbst – ähnlich wie bei einer Kaffeetassen-Fahrt. Jede von ihnen ist mit Wasserpistolen ausgestattet, denn das Ziel ist es, die Passagiere auf den anderen runden Booten mit Wasser nass zu spritzen. Auch Zuschauer können von außen auf die Bootsinsassen zielen.

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