Wald und Wasser als Abkühlung Wie Wildtiere bei Hitze cool bleiben

Alessandra Hamsch
Hitze scheint Wildtiere nicht zu stören. Dieses Rotwild verschafft sich eine Abkühlung im Wasserbad. Foto: Vogl

Hohe Temperaturen sind für Wildtiere kein Problem. Wir Menschen könnten deshalb einiges von ihnen lernen, so der Lahrer Wildtierexperte Peter Bux. Denn das Ökosystem-Wald habe einige Tricks zur Abkühlung parat.

Lahr - Peter Bux ist seit 1987 Mitglied in der Jägervereinigung Lahr. Seit über zehn Jahren ist er ehrenamtlich als Wildtierbeauftragter für den Verein tätig. Sein Fachbereich ist Natur- und Lebensraum. Bux gilt bei der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) als geschulte Fachperson. Er hält den Kontakt zum Wildtierbeauftragten im Landkreis sowie zur FVA aufrecht und gibt die Daten der Jäger weiter.

Nachts geht es derzeit im Wald heiß her, denn die Rehe sind noch bis Mitte August in der Paarungszeit. Die Tiere sind jetzt nachts aktiver – und das hat einen Grund: Es ist ihnen am Tag einfach zu heiß. "Menschen wollen bei 40 Grad auch keinen Sex haben", erklärt Wildtierexperte Peter Bux.

Vögel können Hitze gut ab

"Ich habe noch kein Wildtier gesehen, das unter Hitzestress leidet", so Bux. Denn Wildtiere würden mit hohen Temperaturen und Trockenheit gut zurechtkommen. "Sie sind schlauer als wir Menschen. Sie müssen nicht zur Arbeit gehen und legen sich auch nicht in die pralle Sonne", scherzt Bux. Werde es ihnen zu warm, gehen sie in den Schatten oder suchten sich ein Wasserloch zur Abkühlung.

Auch mit dem Gerücht, die Störche und Vögel seien durch die Trockenheit im Bestand gefährdet, kann er aufräumen. "Die Störche werden eher durch die hohe Bestandsdichte gefährdet, als durch die Hitze", erklärt der Experte. Die Eidechsenpopulation gehe zurück, denn die Tiere vermehrten sich nicht so schnell, wie sie gefressen werden, erklärt er. Generell würden Vögel gut mit hohen Temperaturen zurechtkommen, betont Bux: "Wenn sie Wasser brauchen, fliegen sie dort hin, wo es welches gibt".

Trotz der Trockenheit gibt es noch genügend Wasserstellen für die Tiere, sagt Bux. Auch das Nahrungsangebot sei reichlich: Gras, Blätter und auch Brombeeren seien für viele Tiere schmackhaft. Zufüttern brauche man Wildtiere wie Rehe nicht, wenn, dann nur als Ablenkung für die Landwirtschaft, so der Experte. Auch die Hasen würden wissen, wo man gute Kräuter und kühle Stellen im Schatten findet.

Bis zu sechs Grad kühler im Wald

Der Wald kühlt sich selbst ab, erklärt Bux. Neben Schatten spenden die Kronendächer auch Feuchtigkeit und geben diese an die Luft ab. Einerseits werden Morgentau oder Regenwasser direkt auf der Blatt- oder Nadeloberfläche und von der Oberfläche des Waldbodens verdunstet. Andererseits geben Bäume über die Spaltöffnung an Blättern und Nadeln aus dem Waldboden aufgenommenes Wasser wieder ab. Ein Hektar Wald kann an warmen Sommertagen im Durchschnitt bis zu 60 000 Liter Wasser verdampfen und seine Umgebung so auf natürliche Weise kühlen. Im Wald ist es deshalb bis zu sechs Grad kühler. Wenn es allerdings in der Nacht zu warm ist und Wind geht, könne es sein, dass es keinen oder nur sehr wenig Morgentau gibt. Dies sei dann für die Natur nicht so gut. Momentan gebe es auf den Wiesen und im Wald rund um Lahr noch Morgentau, meint Bux.

Es ist sehr wichtig, die Wälder zu schützen. "Die Wälder sollte man stehen lassen, denn ohne sie haben die Wildtiere ein Problem", erklärt er. Der Boden würde auf lange Sicht austrocknen und die Tiere würden auf der Suche nach Nahrung vermehrt in die Städte ziehen. Auch in der Lahrer Kernstadt seien vermehrt Füchse aufgetaucht, stellt er fest. "Je mehr Tiere in die Städte ziehen, desto mehr Viren kommen auch zu uns", sagt Bux. Je mehr Wald es gibt, desto besser.

In der Stadt gibt es Nahrung

Es sei zudem wichtig, die Tiere im Wald in Ruhe zu lassen. Mountainbiker zum Beispiel könnten die Tier-Ruhe stören. Auch dem neusten Trend Geocaching bei Nacht steht Bux kritisch gegenüber.

Der Hauptgrund, warum es die Wildtiere in die Städte zieht, sei, dass es dort zu viel Nahrung gebe und kein Verfolgungsdruck herrscht, wendet Bux ein. Dies könnte noch zum Problem werden. Die Hitzewelle sei daran nicht schuld. Gerade in den Städten sei es durch die Bebauung und dem Zubetonieren von Flächen im Sommer heiß geworden. Dies störe Wildtiere wenig, sie würden einen kühlen Unterschlupf finden. Dem Mensch dagegen mache die Hitze zu schaffen. "Wir sollten die Bäume in den Städten schützen und nicht ihre Wurzeln einbetonieren", fordert Bux. So könne man sich die Natur zunutze machen.

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