Von wegen Verkehrswende? ÖPNV spielt in der Ortenau kaum eine Rolle

Marco Armbruster
Die Ortenauer legen den größten Teil ihrer Wege – insgesamt fast 60 Prozent – mit dem Auto zurück. Das zeigen die Ergebnisse einer Mobilitätsumfrage, an der insgesamt 4189 Haushalte teilnahmen. Unser Foto zeigt die B 3 bei Altdorf. Foto: Ullrich

Ortenauer legen nur vier Prozent ihrer Wege mit dem ÖPNV zurück, so das Ergebnis einer Mobilitätsbefragung von 2021. Für fast 60 Prozent der Strecken nutzen sie ein Auto. Die Daten sollen ins Gesamtverkehrskonzept des Kreises einfließen.

Ortenau - Die Ortenau ist einen Schritt näher am Gesamtverkehrskonzept: Der Ausschuss für Umwelt- und Technik (UTA) wird sich am Donnerstag mit den Ergebnissen einer Umfrage des Fachbüros Inova-Plan aus Karlsruhe in Kooperation mit dem Subunternehmer "T.I.P. Biehl & Partner" aus Trier beschäftigen. Im Rahmen der Mobilitätsbefragung vom 7. Juni bis 23. Juli 2021 wurden repräsentative Basisdaten zur Mobilität im gesamten Ortenaukreis erhoben.

Wie viele Wege legen die Einwohner pro Tag zurück? Wie viele Kilometer täglich? Nutzen sie das Auto, den öffentlichen Nahverkehr oder gehen sie zu Fuß? Das sind Fragen, deren Antworten im nächsten Schritt als Datengrundlage für ein digitales Verkehrsmodell dienen sollen. Mit einer Stichprobengröße von zwei Prozent der Gesamtbevölkerung – insgesamt 4189 Haushalte – werde das "Mobilitätsverhalten" von mehr als 434 000 Einwohnern in 51 Städten und Gemeinden des Ortenaukreises abgebildet, heißt es in der UTA-Vorlage der Kreisverwaltung. Die 9124 erfassten Menschen seien demnach über den gesamten Landkreis und verschiedene Altersklassen verteilt.

Nur vier Prozent der Strecken per ÖPNV

Die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen wenig überraschend: Die ländlich geprägte Ortenau ist ein Autofahrerkreis. Insgesamt 58 Prozent der Befragten legen ihre Wege mit dem Auto zurück, 21 Prozent mit dem Fahrrad, 16 Prozent zu Fuß. Lediglich für vier Prozent der Strecken nutzen sie demnach den öffentlichen Nahverkehr. "Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Städten sowie ländlich geprägten Kreisteilen", so die Kreisverwaltung. In letzteren sei der Anteil des Autos tendenziell höher und die sogenannte aktive Mobilität – also Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad – geringer.

Gegenüber dem Bundesdurchschnitt sind die Ortenauer gar übermotorisiert: Auf 1000 Einwohner kommen 688 Pkw, so das Umfrage-Ergebnis. In ganz Deutschland sind es nur 580 Pkw pro 1000 Einwohner. Im Schnitt besitzt jeder Ortenauer Haushalt 1,7 Autos. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) verfügt über mehr als ein Auto. Dem gegenüber besitzt jeder Haushalt rechnerisch 3,2 Fahrräder oder Pedelecs.

Im Schnitt ist jeder Ortenauer 77 Minuten täglich auf Achse und legt knapp 36 Kilometer zurück. Erfasst wurden dabei Arbeitswege, Einkäufe oder auch nur Spaziergänge. 97 Prozent der Befragten empfanden, dass die nächste Bushaltestelle in einer fußläufig gut erreichbaren Entfernung von ihrem Wohnort liegt, für 90 Prozent von ihnen bedeutet das einen Fußweg von maximal zwölf Minuten.

Zwar sei der Einfluss der Corona-Pandemie durchaus noch zu spüren, so die Kreisverwaltung, "mit der Befragung konnte dennoch eine plausible, statistisch valide Datengrundlage als Basis für das Verkehrsmodell erzeugt werden". Gemeinsam mit Daten zum Verkehrsangebot und Strukturgrößen werde die Verkehrsnachfrage im Kreis berechnet. Nach Fertigstellung des digitalen Verkehrsmodells erhielten der Kreis sowie seine Kommunen die Möglichkeit, Anfragen zu konkreten verkehrsplanerischen Fragestellungen – etwa die Sperrung der B 415 für den Lkw-Verkehr – untersuchen zu lassen, informiert die Verwaltung weiter.

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