Von Amt beschlagnahmt Afrikanische Wildkatze bei Ichenheimer Tierrettern

Olga Merz

Die Ichenheimer Tier- und Rettungsorganisation hat nicht alltägliche Gäste: Ein Serval – eine afrikanische Wildkatze – und zwei Savannah-Katzen sind derzeit auf dem Gelände des Vereins untergebracht. Die Tiere wurden zuvor beschlagnahmt.

Ichenheim - Einen Serval und zwei Savannah-Katzen hat die Ichenheimer Rettungsorganisation seit Mittwoch bei sich. Die Tiere stammen aus einer Beschlagnahmung und sind nun vorerst auf dem Gelände der Tierretter untergebracht. "Ich habe gedacht ich spinne", berichtet Monika Ehrlacher, im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Zusammen mit Karlheinz Meier leitet sie den Verein der Tierretter, zu dem regelmäßig verletzte, kranke, ausgesetzte oder eben beschlagnahmte Tiere gebracht werden. Ein Wildtier dieser Art hätten sie zuvor jedoch noch nie bei sich gehabt.

Der männliche Serval und auch die beiden weiblichen Savannah-Katzen – Mutter und Tochter – seien noch recht jung. "Genau kann ich es aber nicht sagen, mit den Tieren kenne ich mich nicht aus", so Monika Ehrlacher. Der Serval ist eine in Afrika weit verbreitete Wildkatzenart, die dort in der Savanne lebt. Die Savannah-Katze ist eine gezielte Artkreuzung zwischen dem Serval und der Hauskatze. "Unter Tierschutzaspekten wird die Zucht solcher Artkreuzungen kritisch diskutiert", so das Landratsamt.

Die Tiere in Ichenheim sind jetzt in großen Zwingern untergebracht "und da bleiben sie auch erstmal", erklärt Erlacher. Krank oder verletzt seien die Tiere nicht – lediglich ein bisschen mehr Futter hätten sie vertragen können. Auch wenn der Serval noch keinen Angriff versucht hätte, ein "Schmusetier" sei er definitiv nicht. "Er hält in seinem Zwinger Abstand und faucht uns an", berichtet sie. Sollte das Tier länger in Ichenheim bleiben, will sich die Tierretterin darum bemühen, dass es zahmer wird. Jetzt müssten sie jedoch erst abwarten, was weiter mit den drei Neuankömmlingen geschehen soll.

Keine Gefahrtierverordnung in Baden-Württemberg

Was mit den Tieren passiert war, bevor sie beschlagnahmt wurden, darüber kann Ehrlacher nichts sagen. "Da es sich um ein laufendes tierschutzrechtliches Verfahren handelt, können wir keine weiteren Informationen zum Fall mitteilen", so auch Kai Hockenjos, Pressesprecher des Landratsamts auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Haltung der Tiere unterliege keiner Melde- oder Genehmigungspflicht, weshalb das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung auch nicht wisse, ob und wie viele Tiere im Ortenaukreis gehalten werden. Bekannt werden könnten die Haltungen nur nach entsprechender Meldung.

Um die Tiere zu halten, würden jedoch die Anforderungen des Tierschutzgesetzes gelten. "Bei der Haltung des Servals werden diese durch das Säugetiergutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft konkretisiert", erklärt Hockenjos unserer Redaktion. Dieses Gutachten richtet sich an Tierhalter und Aufsichtsbehörden und soll eine Orientierungshilfe für die Auslegung der allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes bieten.

Im Unterschied zu anderen Bundesländern gebe es in Baden-Württemberg keine Gefahrtierverordnung, die die Haltung exotischer oder gefährlicher Tiere einschränken würde, so Hockenjos. Über Zuchten im Inland und Ausland sei die Beschaffung solcher Tiere verhältnismäßig einfach, was der Fall von vor ein paar Jahren mit dem jungen Puma in Lahr (siehe Info) belege.

Lahrer Puma

Anfang 2019 war ein kleiner Puma an einer Leine in der Lahrer Fußgängerzone unterwegs gewesen. Die Tierhilfsorganisation "Vier Pfoten" schilderte den Fall damals wie folgt: Der zu dem Zeitpunkt zwei Monate alte Welpe wurde legal in Tschechien erworben, aber illegal nach Deutschland geschmuggelt. Ohne Haltungsgenehmigung, Einfuhr- und Ausfuhrpapiere und mit vertauschten Impf- und Herkunftsnachweisen war das Männchen bei einem Züchter für 2300 Euro erworben und im Auto nach Lahr gebracht worden. Die Vermieterin des Käufers machte die Behörden schließlich auf den illegalen Untermieter in ihrem Haus aufmerksam. Das Tier kam später in eine Wildtier-Auffangstation.

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