Verkehrte Welt in Seelbach Ferienhof benachteiligt geimpfte Gäste

Jörg Braun und Felix Bender

Seelbach/Offenburg/Freiburg - Corona-Geimpfte werden beim Zimmer-Buchen von einem Seelbacher Ferien-Bauernhof bewusst als Gäste zweiter Klasse behandelt. Nicht-Geimpfte bekommen Unterkünfte bevorzugt. Dies sorgt nicht nur im Tal für viel Wirbel und Schlagzeilen.

Wie, bitte? Im Schuttertal und darüber hinaus wundern sich Bürger und Touristiker über die Wittelbacher Bauernhof-Betreiberin Barbara Willmann. Während ganz Deutschland nach Corona-Impfungen lechzt, um die Pandemie einzudämmen und auch endlich wieder halbwegs unbeschwert Urlaub machen zu können, geht die Ferienhof-Betreiberin eine komplett andere Richtung: Sie lässt am liebsten und bevorzugt ins Haus, wer ausdrücklich nicht geimpft ist.

Im Kontakt mit unserer Zeitung bestätigte Barbara Willmann ihre grundsätzliche Haltung. Sie hat sich zwischenzeitlich eine Anwältin genommen, ist vorsichtig geworden, nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung. Eine Viertelseite war dem Boulevard-Blatt die Seelbacher Nachricht wert. Das verbreitete sich im Tal wie ein Lauffeuer und nährte jede Menge Spekulationen.

Geimpfte Stammgäste müssen auch warten

Unsere Fragen wurden von der Anwältin schriftlich beantwortet. Würden Sie sich als Impfskeptikerin sehen?, wollte unsere Zeitung am Montag von Barbara Willmann wissen. Ihre Antwort: "Nicht im Allgemeinen, nur bezüglich der Covid-19-Impfung, die nicht umsonst nur eine vorläufige Zulassung hat und im Übrigen von Fachleuten sehr kritisch gesehen wird. Ich halte mich da vorsichtshalber zurück." Trifft es zu, dass bei ihr derzeit nur Menschen ohne Impfung ein Quartier bekommen, wie es im "Bild"-Bericht hieß? "Nein", entgegnet die Zimmervermieterin deutlich und erklärt: "Menschen ohne Impfung werden bevorzugt genommen, weil sie überall benachteiligt werden."

Trifft es zu, dass sie Stammgäste ablehnt, die geimpft sind? "Nein, sie müssen sich aber wie die anderen Geimpften hinten anstellen, da ich die Menschen ohne Impfung bevorzuge", erklärt die Seelbacherin. "Ich möchte einen Ausgleich für die unfaire Behandlung der nicht geimpften Menschen bieten."

Die Gäste des Ferienhofs würden sich "selbstverständlich" an die bestehenden Corona-Vorschriften mit Test-, beziehungsweise Genesenen-Nachweis halten, betont sie. Ihre Buchungslage sei "unverändert gut", auch nach den Boulevard-Schlagzeilen. Im Dorf wies ihr Hof-Werbeschild am Montagnachmittag noch freie Zimmer aus.

Den "Bild"-Bericht hat die Vermieterin nach ihren Angaben nicht selbst lanciert, um Aufmerksamkeit zu erhalten, wie im Tal geraunt wurde. Vielmehr sei das Boulevardblatt auf sie zugekommen und habe sich nicht an Absprachen mit den Autoren gehalten, sagt Willmann.

Seelbachs Bürgermeister Thomas Schäfer hatte von diesem sehr speziellen Vorgehen schon gehört, bevor es von "Bild" aufgegriffen wurde, erklärte er im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das Ganze ist bedauerlich und hat mich nicht gefreut. Unsere Touristiker übrigens auch nicht. Juristisch ist es in Ordnung, jeder Vermieter kann sich seine Gäste selbst aussuchen, das ist Privatsache." Mit der Betreiberin sei er in Kontakt, sie habe einen "eigenen Charakter" und das grundsätzlich ja nichts Schlechtes.

Im Landratsamt ruft die Nachricht von den eigenwilligen Regeln der Hof-Betreiberin "doch einiges Kopfschütteln" hervor, wie Sprecher Kai Hockenjos deutlich machte. "Landrat Frank Scherer hat zuletzt immer wieder betont, dass die Menschen achtsam mit den neu gewonnen Freiheiten umgehen müssen, damit wir diese auch behalten können", so Hockenjos. "Das Impfen ist der Schlüssel im Kampf gegen die Pandemie. Deshalb können wir das Vorgehen in Seelbach nicht nachvollziehen." Der Kreisbehörde war der Fall laut ihrem Sprecher bis zu unserer Anfrage am Montag nicht bekannt. Hockenjos stellt klar: "Die Eigentümerin hat sich wie alle touristischen Betriebe an die Corona-Verordnung zu halten." Heißt vor allem: Wenn die Gäste nicht geimpft sind, müssen sie entweder genesen oder getestet sein.

Auch Kritik vom Schwarzwald-Tourismus

Auch die Schwarzwald-Tourismus GmbH mit Sitz in Freiburg gibt Willmann Contra: "Wir haben im Schwarzwald rund 11 000 große und kleine Gastgeber. Da kann es schon vorkommen, dass einzelne versuchen, sich besonders zu profilieren. Ein privater Vermieter darf natürlich selbst bestimmen, wen er beherbergt. Wenn Frau Willmann ihre persönliche Einstellung jedoch auf diese Art Schwarzwaldurlaubern aufzwingen will, ist das unverantwortlich und effekthascherisch. Wir appellieren an alle Gäste und Gastgeber eindringlich, sich an die Gesundheits- und Hygieneregeln zu halten."

Der Lenzlisberg

Der Ferienhof Lenzlisberg liegt in Seelbacher Ortsteil Wittelbach, man erreicht ihn von der Ortsmitte aus. Der Hof wirbt mit familienfreundlichen Ferien auf dem Bauernhof. Sechs Gästezimmer (ab 58 Euro/Nacht) und vier Ferienwohnungen (ab 75 Euro/Nacht) werden dort angeboten. Barbara Willmann betreibt ihn nach eigenen Angaben alleine. Aktiv war sie auch bereits im Seelbacher Kinderferienprogramm, bei dem sie Reit-Termine anbot.

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