Vereinsauflösung Nach 140 Jahren verstummt der MGV Ringsheim

Adelbert Mutz

Der Zahn der Zeit hat den Ringsheimer Männergesangverein eingeholt. Fehlende, junge Mitglieder führen nach einstimmigem Beschluss zur Auflösung des Männerchors. Nach 140-jährigem Bestehen sang der Verein ein aller letztes Lied.

Ringsheim - Der Männergesangverein Ringsheim löste sich bei einer Mitgliederversammlung nach einer 140-jähringen Geschichte auf. Es hatte sich seit einigen Jahren abgezeichnet, denn dem MGV fehle es an jungen Sängern, die für das traditionelle Liedgut des Männerchors schon lange nicht mehr zu begeistern waren. Mit einem letzten Lied über den "Kahlenberg" verstummte der Chor nun für immer. Wehmut und Traurigkeit spiegelten sich auf den Gesichtern der Sänger wider.

Der stellvertretende Vorsitzende Günter Feist begrüßte zuvor die noch verbliebenen Sänger zum letzten formalen Akt. "Die Pflege der Kameradschaft und des Liedes findet nun ein Ende", stellte Feist mit Bedauern fest. Man wolle nicht mehr auf der Bühne stehen, wenn die Besucher lediglich aus Mitleid klatschten. "Es war eine tolle Zeit, die vielen Erinnerungen der vergangenen Jahrzehnte bleiben den 94 Mitgliedern, unter ihnen noch 21 aktive und 73 passive erhalten", sagte Feist.

Auch Bürgermeister Pascal Weber zeigte sich bedrückt: "Traditionen und gemeinsame Freizeitgestaltung fallen weg, das ist auch ein Verlust für die Gemeinde, ein trauriger Tag".

Ein Verein mit langer Geschichte

Am 1. Februar 1882 wurde der MGV Eintracht im ehemaligen Gasthaus Krone mit 20 aktiven Sängern gegründet. Die Satzung wurde streng ausgelegt, es galt als große Ehre nach gründlicher Prüfung Mitglied des Vereins zu werden. Im Jahre 1901 trat der MGV dem Bezirkssängerbund Ettenheim bei. Im Jahr 1908 feierte der Verein sein 25-jähriges Stiftungsfest.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 ebbte die Aktivität ab, die Männer wurden in den Krieg eingezogen. Nach dem Kriegsende nahm der Lehrer Alois Vivell, damals 30 Jahre alt, den Taktstock in die Hand – den heimkehrenden Veteranen wurde ein freudiger Empfang bereitet. Der MGV beteiligte sich wieder in der Gemeinde bei Veranstaltungen, so auch 1929 beim badischen Sängerfest in Freiburg. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges 1939 endete vorerst die aktive Zeit des Chors. Der Verein kam völlig zum Erliegen.

Nach Ende des Krieges rafften sich die sangeslustigen Männer wieder auf und belebten den MGV im damaligen Gasthaus Linde wieder. Im Jahr 1957 wurde das 75-jährige Bestehen wieder mit großem Programm gefeiert und Erich Person übernahm für lange Zeit den Vorsitz. Hans Brambach war damals Dirigent.

In den Folgejahren gehörten die jeweiligen Konzerte des MGV zu den Höhepunkten in der Gemeinde. Ein großes Ereignis war das 100-jährige Bestehen, das drei Tage lang, vom 19. bis 21 Juni 1982, mit einem vollen Festprogramm, und vielen Gastchören gefeiert wurde.

Seit 1978 findet das Ringsheimer Wein- und Gassenfest statt. Lange Jahre beteiligte sich der MGV, bis vor einigen Jahren eine Bewirtung mangels Sänger nicht mehr möglich war. Von ehemals 45 jungen aktiven Sängern wurden es von Jahr zu Jahr immer weniger. Mit dem sogenannten "s’Chörle", einem kleinen gemischten Chor, versuchte der MGV noch einmal zu alter Stärke zu gelangen. Über einige Jahre mit Erfolg, wie es in den Konzerten wahrzunehmen war. Doch letztlich forderte das Alter seinen Tribut, auch das Chörle konnte letztlich den MGV nicht retten.

Das wird aus dem Vereinsvermögen

Die Mitgliedsbeiträge wurden bereits seit zwei Jahren nicht mehr eingezogen. Das vorhandene Barvermögen geht an die Gemeinde über. Bürgermeister Pascal Weber hatte vor dem endgültigen Auflösungsbeschluss noch die spontane Anregung in eine Sängerbank zu investieren, was dann einheitlich in letzter Minute beschlossen wurde.

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