Thomas Seitz AfD-Politiker spricht über Corona-Erkrankung und mehr

Herbert Schabel
Thomas Seitz hat Platz neun auf der AfD-Landesliste – damit steht sein Wiedereinzug in den Bundestag auf der Kippe. Foto: Schabel

Thomas Seitz (AfD) hat harte Monate hinter sich, auf eine lebensbedrohliche Corona-Erkrankung folgte der Verlust der Beamtenrechte nach einem jahrelangen Rechtsstreit. Nun peilt er die Wiederwahl in den Bundestag an – doch das wird eng.

Lahr - Beim Redaktionsgespräch wirkt der AfD-Abgeordnete gut erholt, doch er spüre Corona-Langzeitfolgen, räumt er ein: Er werde schnell müde, bei Fraktionssitzungen bis tief in die Nacht gehe ihm noch die Kraft aus.

Seitz spricht offen über seine Erkrankung, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Fast vier Wochen wurde er um den Jahreswechsel auf der Corona-Isolierstation und der Intensivstation des Lahrer Klinikums behandelt, eine Zeit, an die er nur wenige Erinnerungen hat – meist lag er im Koma. Er ist sich sicher, dass er sich in einem vollen Nahverkehrszug im Ruhrgebiet mit Covid-19 angesteckt hatte, "obwohl ich eine Maske trug", wie er hinzufügt.

Ist er "weicher" geworden?

Hat der AfD-Mann sich durch die Krankheit verändert, ist er "weicher" geworden? Nun, im Gespräch ist davon nichts zu spüren. Der 53-Jährige sagt wie eh und je Dinge, mit denen er sich nicht gerade für den diplomatischen Dienst qualifiziert. Man habe in Deutschland ein "Unrechtsregime", dem er nicht dienen wolle, betont er etwa.

Markige Äußerungen tätigte er auch im Bundestag. Dass Seitz SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei einer Rede als "Corona-Zombie" bezeichnete, brachte ihm etwa einen Ordnungsruf ein. Wie viele Ordnungsrufe – ein Mittel der Sitzungsleitung, renitente Mitglieder zu verwarnen – waren es insgesamt bei ihm? "Ich habe sie nicht gezählt, aber es dürften so um die fünf gewesen sein."

Eine Rüge von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble handelte Seitz sich im Juni 2018 ein, als er seine Redezeit zu einer unabgesprochenen Schweigeminute für die von einem Asylbewerber vergewaltigte und getötete Mainzer Schülerin Susanna nutzte. Als es beim LZ-Gespräch um seine Zeit im Bundestag geht, ist Seitz diese Aktion, die ihm bundesweit Schlagzeilen einbrachte, besonders wichtig. Sie sei der Beleg, dass man auch in der Opposition etwas bewirken kann. Gewaltopfer von Flüchtlingen erhielten in Deutschland "kein Gesicht", meint er, deshalb habe er an die Schülerin erinnern und zugleich den Abgeordneten der Altparteien einen Spiegel vorhalten wollen – "weil sie die illegale Migration ab 2015 nicht verhindert haben."

Er ist gegen Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

Ist er dafür, jetzt Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen? "Nein, denn diese legen ihre archaischen Vorstellungen nicht ab, nur weil sie den Kontinent wechseln." Flüchtlinge seien für zahlreiche Gewaltdelikte verantwortlich. Sollte man dann für Afghanen, die der Bundeswehr geholfen haben, eine Ausnahme machen? "Diesen Leuten sollten wir helfen, aber heimatnah, nicht in Deutschland."

Mal angenommen, er wäre nicht an Corona erkrankt, würde er sich dann impfen lassen? "Nein", sagt Seitz. Die Impfstoffe seien zu schnell zugelassen, mögliche Langzeitnebenwirkungen nicht erforscht worden. In die Bundesregierung und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe er "alles Vertrauen verloren". Die Pharmaindustrie habe zu viel Einfluss, "von irgendwoher müssen die Millionen für Spahns Villa ja kommen", sagt er.

Seitz äußert sich generell kritisch zu den Covid-19-Maßnahmen der Regierung. Er sei "unverändert der Auffassung, dass bislang keine pandemische Lage vorliegt", ließ er sogar in der Mitteilung verlauten, in der er im Januar Stellung zu seiner Corona-Erkrankung nahm. Hat ihn die Lebensgefahr, in der er sich befand, nicht zum Umdenken gebracht? "Mit meinem Übergewicht und Bluthochdruck gehöre ich eben zur Risikogruppe", erwidert er im LZ-Gespräch und legt eine Hand auf seinen Bauch.

Weshalb soll man ihn wählen? "Weil ich persönlich integer bin, ich habe zum Beispiel keine Nebeneinkünfte. Ich tue nicht das, was mir nutzt, sondern das, was Deutschland nutzt", sagt er.

Netzartige Schutzmaske

Im November trug Seitz bei einer Rede im Bundestag eine netzartige Schutzmaske. Nachdem Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ihn darauf angesprochen und ihm eine FFP2-Maske gereicht hatte, lehnte er diese mit der Begründung ab, sie sei kontaminiert, da Roth sie in der Hand gehalten habe. Aktionen wie diese und Äußerungen auf seiner Facebook-Seite, in denen er etwa Flüchtlinge als "Migrassoren" bezeichnete, eine Wortschöpfung aus Migrant und Messer, haben ihm den Ruf eines Provokateurs und eines politischen Rechtsaußen eingebracht. Der 53-Jährige zahlt dafür durchaus einen Preis, nicht nur durch den Verlust der Beamtenrechte, die ihm das Dienstgericht für Richter wegen "rassistischer Gesinnung" und Verletzung der Neutralitätspflicht im Juni aberkannt hat. Es komme auch vor, dass er auf offener Straße angepöbelt und als "Faschist" beschimpft werde, sagt er bei der LZ. Nach Bekanntwerden seiner Erkrankung gab’s außerdem hämische Kommentare auf seiner Facebookseite, "mir ist gewünscht worden, ich möge an Corona verrecken".

Seitz war Staatsanwalt und hatte als Beamter eine gesicherte Zukunft vor sich, ehe er über seine umstrittenen Äußerungen stolperte. Jetzt ist ihm die Rückkehr in den Staatsdienst versperrt und die Beamtenpension gestrichen, während sein Wiedereinzug in den Bundestag mit Platz neun auf der AfD-Landesliste keineswegs sicher ist. War es das alles wert? "Ich bereue nichts", betont Seitz. Politik sei nie sein Traumberuf gewesen, "aber ein notwendiges Übel angesichts der herrschenden Verhältnisse."

Info: Zur Person

Thomas Seitz ist in Lahr aufgewachsen, hat auf dem Scheffel-Gymnasium Abitur gemacht. Von 2008 bis zu seiner Wahl in den Bundestag im Oktober 2017 arbeitete er in Freiburg als Staatsanwalt im Bereich Verkehrsrecht. Seitz lebt in Kappel-Grafenhausen und ist in zweiter Ehe verheiratet. Er ist Vater von zwei Kindern aus erster Ehe.