Testzentrum geschlossen Skandal in der Ortenau: Negative Ergebnisse zu früh verschickt

Erst das Ergebnis, dann der Test: In einem Corona-Schnelltestzentrum in der nördlichen Ortenau soll es zu "schwerwiegenden Mängeln" gekommen sein – es wurde am Montag auf Behördenanweisung geschlossen. Foto: Hofmann

Ortenau - Ein Ortenauer Schnelltestzentrum muss schließen – wegen mutmaßlicher Mauscheleien zwischen Betreiber und Getesteten. Immerhin: Laut Offenburger Staatsanwaltschaft ist es der bislang einzig bekannte Fall, bei dem es Unregelmäßigkeiten gegeben hat.

Nach Angaben des Landratsamts werden ortenauweit aktuell an mehr als 150 Standorten kostenlose Bürgertests angeboten. An mindestens einem ist es wohl nicht immer mit rechten Dingen zugegangen. Die Kreisbehörde bestätigte auf Nachfrage, dass ein Testzentrum in der nördlichen Ortenau am Montag eine Schließungsverfügung erhalten hat.

Zu den Hintergründen hielt man sich in Offenburg bedeckt. Amtssprecher Kai Hockenjos erklärte lediglich, es seien "schwerwiegende Mängel" festgestellt worden. Nach Recherchen unserer Zeitung sollen in mehreren Fällen negative Testergebnisse ausgestellt worden sein, bevor überhaupt getestet wurde. Teils hätten Getestete das Zertifikat mit dem negativen Befund schon am Vorabend per E-Mail zugesandt bekommen. Der betroffene Betreiber unterhält laut Hockenjos "bundesweit Testzentren, aber nur eines in der Ortenau". Das ist jetzt dicht.

Die wiedergewonnenen Freiheiten für Genesene, Geimpfte – und Getestete lassen Testzentren wie Pilze aus dem Boden schießen. Einige Betreiber wittern mit den schnellen Tests offenbar das schnelle Geld. In den vergangenen Tagen waren in ganz Deutschland mehrere Verdachtsfälle bekannt geworden, in denen Testzentren mit falschen Zahlen operiert haben könnten – sprich: Sie haben mehr Tests abgerechnet als tatsächlich vorgenommen.

Wer ein Testzentrum eröffnen will, muss dies beim Gesundheitsamt anmelden. In der Ortenau gibt es nach dessen Angaben – Stand 28. Mai – 152 Testzen­tren. Das macht bei 51 Städten und Gemeinden im Schnitt fast drei pro Ort, wobei beispielsweise Lahr allein 25 hat. 33 Zentren in der Region werden laut Gesundheitsamt von den Kommunen selbst betrieben, 119 privat. Darunter sind Apotheken und Arztpraxen, aber auch viele medizinische Laien, die sich per kurzer Online-Schulung zum Corona-Tester haben ausbilden lassen.

Pro Test 18 Euro pauschal vom Staat

Pro Test gab es für die Betreiber bislang pauschal 18 Euro vom Staat, zwölf Euro für die Dienstleistung, den Rest für das Testmaterial. Dafür musste lediglich die Zahl der Tests mitgeteilt werden, keine weiteren Nachweise, etwa zum Kauf von Schnelltests. Um Schwindel künftig zumindest zu erschweren, sollen die Kontrollen nun verschärft werden. Darauf verständigten sich Bund und Länder am Montag.

Die gute Nachricht: Im Zuständigkeitsbereich der Offenburger Staatsanwaltschaft gibt es aktuell keine Hinweise oder gar Ermittlungen zu möglichen Betrugsfällen, wie Behördensprecher Kai Stoffregen gegenüber unserer Zeitung erklärt: "Uns ist in dieser Hinsicht nichts bekannt." Seit ihrer Einführung im März dieses Jahres wurden nach Angaben des Gesundheitsamts in allen Ortenauer Zen­tren zusammen 280 012 kostenlose Bürgerschnelltests gemacht. Davon seien 623 positiv ausgefallen, 498 in privaten und 125 in kommunalen Testzentren.

Um zu gewährleisten, dass beim Testen alles sauber abläuft, schickt das Gesundheitsamt regelmäßig Kontrolleure in die Testzentren, wegen ihrer großen Zahl allerdings nur "anlassbezogen" und in der Regel auch nur nach Vorankündigung, wie Sprecher Hockenjos erklärt. "Dabei werden die Abläufe, Hygienepläne und das allgemeine Vorgehen beobachtet und geprüft." Drei Mitarbeiter sind für die Kontrollen abgestellt.

Auch ob ein Testzentrum überhaupt eröffnet wird, entscheidet die Behörde. Laut Hockenjos "musste bisher ein Antrag auf Eröffnung eines Bürgertestzentrums abgelehnt werden, nachdem hier bereits die räumlichen und hygienischen Voraussetzungen sowie die Infrastruktur nicht gegeben waren".

So erkennt man seriöse Anbieter

Um zu erkennen, ob eine Teststelle seriös und damit sicher ist, sollte man auf folgende Aspekte achten:

Terminvergabe: Können Tests online gebucht werden? Gibt es Verhaltenshinweise auf der Homepage zu Spontan-Besuchen?

Hygiene: Wie sieht es in den Räumen aus, sind sie sauber? Tragen die Mitarbeiter Schutzkleidung?

Ablauf: Ist vor Ort alles gut geregelt, haben die Mitarbeiter alles unter Kontrolle, oder herrscht Durcheinander?

Material: Welche Testkits werden verwendet, professionelle oder unsicherere Laientests?

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