Test kosten jetzt Geld Nachfrage in Lahr bricht ein

Die Teststation auf dem Rathausplatz hat genug Wattestäbchen vorrätig, doch jetzt bleiben die Kunden weg. Foto: Schubert (Archiv)

Seit Montag müssen die meisten Menschen für Corona-Tests bezahlen. Daraufhin ist die Nachfrage in Lahr zurückgegangen.

Lahr - Bisher waren die sogenannten Bürgertests kostenlos, seit Montag müssen die meisten Menschen dafür bezahlen. Daraufhin ist die Nachfrage in Lahr zurückgegangen. Sich mal eben vor einem Konzert oder vor dem Besuch einer Gaststätte kostenlos testen lassen, weil man nicht geimpft ist, war in den vergangenen Monaten noch ganz normal. Doch für die meisten geht das jetzt nicht mehr ohne den Griff ins Portemonnaie. Bereits in den vergangenen Wochen hatten sich nur noch selten Schlangen vor den Teststationen gebildet; am Montag waren nun aber so wenige Menschen wie noch nie dazu bereit, sich auf das Coronavirus checken lassen. Die LZ-Redaktion hat sich umgehört.

 Das sagen die Betreiber von Testzentren

Die Brüder Orhan, Selo und Kerim Özmat, alles Gastronomen, haben im März ihr erstes gemeinsames Testzentrum eröffnet, auf dem Parkplatz des Offenburger Obi-Markts. Danach kamen weitere 22 hinzu, unter anderem in Stuttgart und Freiburg. Die Özmats haben auch drei Teststellen in Lahr betrieben, von denen sie die am Hirschplatz allerdings am Montag dichtmachten. Auch ihr Drive-In-Testzentrum in Rust haben sie am Montag geschlossen – eine direkte Reaktion auf die drastisch gesunkene Kundenfrequenz, seit die Bürger für die Tests zahlen müssen. Gegenüber sonstigen Montagen sei die Nachfrage um 90 Prozent zurückgegangen, teilte Orhan Özmat im Gespräch mit unserer Zeitung mit. Man werde nun in den nächsten beiden Wochen die Entwicklung beobachten und dann wohl weitere Stellen schließen müssen. Zurzeit betreiben die Özmats noch 15 Teststationen, in denen sie 150 Menschen beschäftigen.

Der Aufwand sei gestiegen, seit die Bürger die Tests bezahlen müssen. Man habe zum Beispiel EC-Kartenlesegeräte anschaffen müssen, auch die Buchhaltung sei aufwendiger, so Orhan Özmat, der generell nichts von der neuen Regelung hält. Sie führe dazu, dass die Menschen sich seltener auf Corona testen lassen, warnt er. Man habe auch bereits die Erfahrung gemacht, dass die eigenen Testnachweise gefälscht werden – "mit Tipp-Ex wurde das Datum geändert" – und deshalb Anzeige erstattet. In den Stationen der Özmats, unter anderem am Arena-Park und bei Obi in Lahr, kostet ein Antigen-Schnelltest 15 Euro.

Beim Testzentrum auf dem Lahrer Rathausplatz können Kunden einen Termin für einen kostenpflichtigen Test ausschließlich online buchen, erklärt Marvin Gür, Leiter des der Teststation. Bezahlen könne man nur mit Kreditkarte oder über Paypal. Beim Preis für die Tests orientiere man sich an der Konkurrenz: "Es kann sein, dass wir den nochmal nachjustieren müssen." Ein Antigen-Schnelltest kostet bei Gür aktuell 14 Euro. Bei den PCR-Tests gebe es zwei unterschiedliche Kategorien. Je nachdem, wie schnell der Kunde das Testergebnis braucht, zahle man entweder 64 oder 79 Euro. Doch wie sich die Kundenzahlen entwickeln, da die Tests nun kostenpflichtig sind, bleibe abzuwarten. In den vergangenen Wochen habe er in seinen drei Testzentren jedenfalls einen Rückgang der Nachfrage feststellen müssen. Trotzdem rechnet Gür damit, dass er sein Testzentrum in Lahr noch mindestens bis Dezember offenhalten wird. Denn rentabel sei das Geschäft mit den Tests weiterhin, zumal in seinen Zentren vor allem PCR-Tests gekauft werden.

 Das sagt das Personal der Testzentren

Immer mehr neugierige Passanten kommen vorbei, um sich nach den Preisen zu erkundigen, sagt Mitarbeiterin Michelina Antonacci vom Testzentrum vor der Arena.  Nicht bei allen Kunden sei die Nachricht angekommen, dass die Tests kostenpflichtig sind. Es werde deutlich mehr diskutiert, so Antonacci. Dennoch würden sich die meisten Kunden einsichtig zeigen.  Unter der Woche lassen sich bis zu 150 Menschen in ihrem Zentrum testen – bisher. "Am Wochenende ist der Andrang mit rund 360 Leuten  deutlich höher", bemerkt die Mitarbeiterin. Dennoch sieht sie die neue Regelung kritisch: "Was man nicht bedenkt, ist, dass sich nicht alle einen  Test leisten können." Schade sei auch, dass auf Getestete oft mit dem Finger gezeigt werde. Dabei könnten auch Geimpfte das Virus verbreiten, sagt sie. 

 Das sagen die Kunden

Die Stimmung ist deutlich angespannt. Ein Mann huscht bei der Arena zum Testfenster und ist froh, anschließend möglichst ungesehen wieder verschwinden zu können. Eine Mutter und ihre Tochter zeigen sich erleichtert, dass ihr Testergebnis negativ ist. Viele Kunden befürchten jedoch, von anderen Menschen verurteilt zu werden, und möchten sich nicht zu der neuen Regelung äußern. Auch fotografieren lassen will sich hier niemand.

Das sagen die Apotheken

Die Zentral Apotheke in der Arena ist gut besucht. Doch Kunden, die sich auf das Virus testen lassen wollen, gibt es beim Besuch unserer Redaktion keine. Dass die Impfquote gestiegen ist, sei spürbar, so die Apothekerin Selina Nuss: "Als es kostenfrei war, war deutlich mehr los." 15 Euro kosten die Schnelltests seit Montag in ihrer Apotheke: "Wir akzeptieren alle Zahlungsmethoden, außer PayPal."

In der Apotheke am Storchenturm kosten die Schnelltests 17,95 Euro. "Die meisten wissen, dass es nun Geld kostet, und sind bereit zu zahlen", sagt Mitarbeiterin Elfi Zimmermann. Eine Kundin habe sich am Montag testen lassen wollen. Allerdings habe sie nicht über das benötigte Zertifikat verfügt, das ihr Zugang zu einem kostenfreien Schnelltest verschafft hätte (siehe Info). Da die Kundin nicht bereit war, für einen Schnelltest zu zahlen, verließ sie die Apotheke, ohne sich testen zu lassen.

Für die Mitarbeiter der Apotheke bedeuten die Tests mehr Aufwand, erklärt Zimmermann. Nichtsdestotrotz  wolle man den Service auch weiterhin anbieten.

Hintergrund:

Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, erhalten weiter Gratistests. Ebenso Kinder, die das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder erst in den letzten drei Monaten vor dem Test zwölf geworden sind. Denn für sie gibt es noch keinen Impfstoff. Kostenlos bleibt es unter anderem auch für Menschen, die zum Beenden einer Quarantäne wegen einer Corona-Infektion einen Test brauchen. Um auch weiterhin kostenlose Tests zu bekommen, muss man bei der Teststelle einen amtlichen Ausweis mit Foto vorlegen. Extra Nachweise wie ein ärztliches Zeugnis sind nötig, wenn man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann. Weitere Infos zu den Personengruppen, die weiter Gratistests erhalten, findet man auf der Homepage der Landesregierung.

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