Stromkosten-Explosion Für viele Lahrer ist die Lage brenzlig

Felix Bender
Kann ich mir Strom und Heizung noch leisten? Diese Frage stellen sich auch in Lahr immer mehr Menschen. Foto: Jochen Lübke

Die Energiekosten explodieren, die Leidtragenden sind Menschen, die ohnehin schon am Existenzminimum leben. Bei der Caritas in Lahr nimmt das Thema schon jetzt großen Raum ein, die Diakonie rechnet künftig mit erhöhtem Beratungsbedarf.

Genaue Zahlen hat die Caritas nicht, "aber wir stellen fest, dass die Sorgen und Ängste zunehmen, sowohl qualitativ als auch quantitativ", sagt Vorstandsmitglied Katharina Beck. Der katholische Sozialverband bietet Hilfe in allen Lebensbereichen, von der Schwangerschaftsberatung bis zur Pflegebedürftigkeit, seit Ende vergangenen Jahres dominiert dabei eine Frage: Kann ich mir Strom und Heizung noch leisten? "Wir haben schon Anfang 2021 darauf hingewiesen, dass die Belastung durch Corona größer wird, das hat sich jetzt bewahrheitet."

Die Energiepreise sind in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. "Was für Normalverdiener ärgerlich ist, kann Menschen mit niedrigem Einkommen existenziell in die Bredouille bringen. Es trifft sie hart und mitunter auch schnell", so Beck. Aufgrund der Kündigungswelle von Billigstromanbietern rutschten zuletzt viele Kunden in die deutlich teurere Grundversorgung, allein beim Lahrer E-Werk sind es Tausende (wir berichteten).

Beim evangelischen Pendant der Caritas, der Diakonie, ist das Thema der steigenden Strom- und Heizkosten bislang "nur vereinzelt" aufgeploppt, wie Thomas Martin von der Lahrer Sozialberatung berichtet. Das dürfte sich aber noch ändern: "Zum Jahresende kommt in der Regel die Mitteilung über die Erhöhung. Was dieser Brief bedeutet, wird vielen erst klar, wenn sie später die Abrechnung erhalten."

"Das Geld für die Nachzahlungen fehlt oft an anderer Stelle, was dort dann zu Mahnungen und entsprechenden Gebühren führt. Aus diesem Teufelskreis kommt man nur schwer wieder raus", beschreibt Katharina Beck das Dilemma. Die Caritas suche mit den Betroffenen nach individuellen Lösungen aus der finanziellen Misere. "Wir schauen nach Einsparpotenzial und prüfen Ansprüche auf staatliche Leistungen wie etwa Wohngeld." In besonderen Härtefällen könne der Wohlfahrtsverband mithilfe von Stiftungen Lücken schließen, das funktioniere aber freilich nur ausnahmsweise und nie auf Dauer.

Konkrete Forderungen an die Politik formuliert Beck nicht, sie wünscht sich aber, "dass die Voraussetzungen für ein würdevolles Leben gewahrt bleiben". Mit Blick auf das fragwürdige Vorgehen von Energiediscountern, die die Stromlieferung von heute auf morgen einstellten, sagt die Caritas-Geschäftsführerin: "Da muss künftig sicher genauer hingeschaut werden." Thomas Martin bezweifelt, dass die tausendfachen Kündigungen rechtmäßig waren. "Was das dem einzelnen Verbraucher aber bringt, wird sich zeigen."

 Info: Kontakt

Caritas Lahr: Bismarckstraße 82, Telefon 07821/­9 06 60, E-Mail: info@caritaslahr.de 

Diakonie Lahr: Doler Platz 7, Telefon 07821/9 23 76 30, E-Mail: lahr@diakonie-ortenau.de

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