Straßburg "Wie in einem Apokalypse-Film"

Käse-Experte Yves Jourquin musste in der Krise Einbußen von bis zu 60 Prozent hinnehmen. Foto: Schubert Foto: Lahrer Zeitung

Straßburg. "Am Anfang war es angenehm, Straßburg einmal leer zu sehen, auf dem Platz der Republik in der Neustadt waren sogar einige Eichhörnchen unterwegs. Aber schon nach drei Tagen war die Situation sehr belastend. Die Stadt ähnelte einer Geisterstadt und es waren nur Tauben in den Straßen unterwegs, ganz wie in einem Apokalypse-Film", erzählt Yves Jourquin, der nach acht Wochen wirtschaftlicher Flaute für seine Käseboutique "La Cloche à Fromage" angespannt wirkt.

Während der zweimonatigen Ausgangssperre, in der Jourquins Kundschaft nur unter sehr strengen Bedingungen das Haus verlassen durfte, war der Unternehmer dazu gezwungen, die Öffnungszeiten seiner Boutique anzupassen und Kurzarbeit für seine Mitarbeiter zu beantragen. "Von der französischen Regierung mag man halten, was man wolle, in dieser Krise hat sie sehr schnell reagiert", berichtet Jourquin, der seinen gezwirbelten Oberlippenbart ab Dienstbeginn nun immer unter einer Maske verschwinden lassen muss.

Umsatz bricht um 60 Prozent ein

Trotz der Bemühung durch regelmäßige Facebook-Posts weiterhin mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und durch einen Käse-Lieferdienst das Geschäft aufrechtzuerhalten, sei die Nachfrage in seiner Boutique eingebrochen und Jourquin dazu gezwungen gewesen, eine Mitarbeiterin zu entlassen. "Während des Shutdowns haben wir 60 Prozent weniger Umsatz gemacht als in normalen Zeiten – eine Katastrophe", berichtet Jourquin aufgewühlt.

"Familienfeste wie Ostern sind extrem wichtig für unseren Frühjahrs-Umsatz. Diese Feiertage konnten wir dieses Jahr nicht mitnehmen", bedauert er. Seit der Lockerungen am 11. Mai sei der Umsatz wieder leicht gestiegen, trotzdem liegen die finanziellen Einbußen damit noch immer zwischen 30 und 40 Prozent.

Ein Ende der roten Zahlen scheint noch nicht erkennbar, denn mit den aktuellen sommerlichen Temperaturen beginne, so Jourquin, die Saison der roten Früchte. "Wenn Himbeeren, Erdbeeren und Kirschen reif sind, kaufen unsere Kunden weniger Käse. Deswegen ist das Geschäft mit Touristen in den Sommermonaten Juli und August eines unserer Hauptstandbeine."

Ob die Grenzöffnung am 15. Juni das Geschäft wieder ankurbelt? Jourquin zeigt sich skeptisch, denn in Frankreich war das Elsass neben der Region Paris das Gebiet, das mit am stärksten von der Epidemie betroffen war: "Wir befinden uns zwar auf dem Weg der Genesung, doch die Leute sind verunsichert." Jourquin möchte keine vorschnellen Schlüsse ziehen, doch dass Touristen zurückhaltender sein könnten diesen Sommer eine Reise ins Elsass zu unternehmen, wäre für den Straßburger Käsehändler ein klarer Grund zur Beunruhigung.

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