Straßburg Viele Gläubige trauen sich noch nicht zurück

Nur rund 400 Menschen kamen an Pfingsten zu den fünf Messen im Straßburger Münster. Foto: Silvant Foto: Lahrer Zeitung

Viele Wochen konnte die Gemeinde des Straßburger Münsters wegen Corona keinen Gottesdienst feiern. Seit Pfingsten dürfen die Gläubigen nun aber auch in Frankreich wieder zusammenkommen – jedoch nur unter hohen Sicherheitsauflagen.

Straßburg. "Angst führt uns nirgendwo hin, Angst macht uns nur zerbrechlich. Von ihr sollte man sich niemals besiegen lassen. Das ist es, was ich aus der letzten Zeit gelernt habe", berichtet Michel Wackenheim, der seit 2009 Erzpriester der Gemeinde des Straßburger Münsters ist.

 "Vor der Wiederaufnahme unserer Gottesdienste hatte ich also keine Angst. Im Gegenteil, ich habe mich sehr gefreut, die Gemeinde wieder versammelt zu sehen", erklärt Wackenheim, der es sich auf einem rotgepolsterten Stuhl mit goldenen Ornamenten in der Sakristei des Münsters bequem gemacht hat. Die große Wanduhr im Raum schlägt zwölf Mal, ihr Echo hallt von den steinernen Wänden wider.

Am Pfingstwochenende hat die Gemeinde des Straßburger Münsters das erste Mal seit Beginn der Ausgangssperre am 17. März gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Maximal 150 Gläubige pro Gottesdienst dürfen sich seither in sicherem Abstand zueinander auf den markierten Sitzen der Kirchenbänke im Mittelschiff des Münsters zusammenfinden. Masken sind Pflicht, die Hände werden am Eingang desinfiziert. Drei Bodyguards stehen dort bereit und überwachen mit Argusaugen die Einhaltung der Hygieneregeln.

"Zwar konnte ich anfänglich nicht richtig erkennen, wer von unseren Gemeindemitgliedern anwesend war, da alle Masken trugen", erzählt der Erzpriester, "aber es tat gut zur Normalität zurückzufinden, sein Amt wieder zu bekleiden und das Messgewand und die Stola überzustreifen."

Statt der Gesangblätter, die gewöhnlich zu Beginn des Gottesdienstes ausgeteilt werden, erhalten die Kirchengänger nun ein Blatt mit der Auflistung aller zu befolgenden Hygieneregeln. Singen darf die Kirchengemeinde während der Messe nicht, auch kein Chor darf geladen werden. Während der Pfingstfeierlichkeiten im Münster habe es dann aber doch eine Möglichkeit gegeben, die Gottesdienste gesanglich zu gestalten, berichtet der 75-jährige Priester begeistert: "Fünf Sänger der Gregorianik-Schola des Straßburger Münsters haben – natürlich unter penibler Wahrung des Sicherheitsabstands – gregorianische Gesänge vorgetragen. Sehr schön war das."

Obwohl der Verbot von gemeinsamen Gottesdiensten aufgehoben wurde, blieb das imposante Gotteshaus in den letzten Wochen ungewohnt leer. Zu den fünf Messen, die die Gemeinde am Pfingstwochenende feierte, seien nur 400 Gläubige erschienen, "vermutlich aus Angst, die eigene Gesundheit in Gefahr zu bringen", erklärt Wackenheim.

Das Straßburger Münster mit seiner astronomischen Uhr könne man seit dem 2. Juni wieder besichtigen, berichtet der Erzpriester. "Führungen finden aber vorerst noch nicht statt, erst müssen wieder ausreichend Touristen in die Stadt kommen, damit sich Führungen auch wirklich lohnen", erläutert der Priester und fährt fort, "planen kann man derzeit nichts, was nächsten Sonntag oder am Sonntag in zwei Wochen sein wird, das weiß keiner".

In Städten war der Titel eines Erzpriesters früher für einen Pfarrer einer großen Pfarrkirche und mit besonderen Vor- oder Ehrenrechten verbunden. Heute handelt es sich in der katholischen Kirche nur noch um einen Ehrentitel. In romanischen Ländern werden aber immer noch Vorsteher eines Dekanats als Erzpriester bezeichnet.

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