Straßburg Straßburgs Bürger atmen auf

Straßburg - Der Schusswechsel des Straßburg-Attentäter mit der Polizei hielt am Donnerstagabend nochmals die ganze Stadt in Atem. Am Tag danach herrschte bei den Bürgern spürbare Erleichterung. Dennoch sind viele Straßburger verunsichert.

Innerhalb kürzester Zeit brach am Donnerstagabend in Straßburgs Stadtteil Neudorf die Hölle los. Dort war der mutmaßliche Attentäter entdeckt und von der Polizei getötet worden. Dutzende schwerbewaffnete Polizisten sperrten die Straßen rund um den kleinen Bahnhof Krimeri/Meinau. Mit Polizeiwagen und -bussen wurde die Sicht auf den Toten am Boden verdeckt.

Ähnlich schnell wie die Polizei, fanden sich die Kamera-Teams ein. Christophe Castaner, Innenminister Frankreichs, rauschte mit seinem Gefolge an Schaulustigen und Pressevertretern vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen. Augenzeugen berichteten, dass Anwohner den Polizeikräften zugejubelt hatten.

Am Morgen danach ist die Situation in der Stadt deutlich ruhiger. "Alle atmen auf", berichtet eine Anwohnerin aus einem Straßburger Vorort im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihre Gefühle seien sehr gemischt: die Trauer ist noch da, sie sei aber zunehmend erleichtert. "Die Menschen bewegen sich noch sehr vorsichtig in der Öffentlichkeit", stellt die Elsässerin mit Blick auf die öffentlichen Plätze fest. Am Freitagmorgen sei sie auf dem Markt gewesen. "Da hat noch jeder über den Attentäter gesprochen", berichtet sie.

Neben Erleichterung und Trauer mische sich auch Wut in die Empfindungen der Bürger, berichtet die Straßburgerin: Wut auf den Täter, aber auch Wut auf Menschen, die zufällig die gleiche Abstammung wie er hätten. Mancher Kommentar, der ihr zu Ohren kam, sei sehr radikal gewesen, erzählt die Frau bekümmert. Das Verhalten der Menschen mache jedenfalls deutlich: "Wir sind immer noch verunsichert".

Am Freitagmorgen prägt der übliche Lieferverkehr das Bild in der Altstadt. Und doch: "Es fühlt sich merkwürdig an, durch die Innenstadt zu laufen", sagt Romain Silvant. Er arbeitet für den deutsch-französischen Fernsehsender Arte und wohnt nur wenige hundert Meter von den Tatorten in der Innenstadt entfernt. "Es sind immer noch viele Sicherheitskräfte unterwegs", berichtet der 30-Jährige. Der Besuch des Innenminister sei der Grund für die weiterhin hohe Polizeipräsenz, vermutet er.

Auch unter seinen Kollegen seien die aktuellen Ereignisse immer wieder Thema. "Wir sind jetzt alle deutlich entspannter", sagt Silvant. Es sei schwer zu sagen, wie es auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt nun weitergehe. "Viele Einheimische werden am Wochenende aus Solidarität hingehen", spekuliert der Franzose. Manche Touristen würden ihre Reise vielleicht absagen.

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