Straßburg Nord-Elsass ist wieder "rote Zone"

Präfektin Josiane Chevalier erlegte den Straßburgern bereits Ende August eine generelle Maskenpflicht in der Öffentlichkeit auf – diese hat der französische Staatsrat nun bekräftigt. Foto: Silvant

Straßburg - Das Nord-Elsass gilt in Frankreich seit Sonntag wieder als "rote Zone", so sehr sind die Infektionszahlen gestiegen. Welche Konsequenzen das für die Region haben wird, ist noch offen. Für Besucher aus der Ortenau bleibt vorerst alles wie gehabt.

Straßburg fast im Normalzustand 

Gäste sitzen dicht an dicht vor den Restaurants, zwischen den Häuserfassaden strömen Passanten hindurch, auf den Straßen parken Autos in zweiter Reihe – Straßburg zeigt sich am Freitagabend fast schon im Normalzustand. Abgesehen vielleicht von den Mund-Nase-Schutzmasken, die die meisten Menschen auf der Straße tragen.

Wer die Stadt am Wochenende erlebt hat, kommt kaum auf den Gedanken, dass das Elsass erneut auf eine Katastrophe zusteuern könnte. Dabei spitzt sich die Lage wieder zu: Bereits Ende August hatte die Präfektin des Department Bas-Rhin, Josiane Chevalier, eine generelle Maskenpflicht für Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern verhängt.

Der Grund waren die in die Höhe schnellenden Infektionszahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz hatte sich in den zurückliegenden Wochen mehrfach verdoppelt. Am Freitag waren im Unter-Elsass wegen Corona 88 Personen im Krankenhaus zur Behandlung, sieben davon auf der Intensivstation, so die aktuellsten Zahlen.

Das bedeutet die Einstufung zur roten Zone 

Am Sonntag dann die Hochstufung des Department Bas-Rhin: Per Dekret des französischen Premierministers Jean Castex gilt das nördliche Elsass nun wieder als eine "rote Zone", berichten französische Medien.

Zur Erklärung: Um zur roten Zone hochgestuft zu werden, muss die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 50 überschreiten. Der Parameter gibt an, wie viele Menschen sich – bezogen auf 100.000 Einwohner – innerhalb von sieben Tagen neu mit dem Corona-Virus infiziert haben.

Zum Vergleich: Zuletzt betrug die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag im Ortenaukreis sieben Neu-Infektionen pro 100 000 Einwohner. Überschreiten Landkreise in Deutschland die Grenze von 50, müssen diese ähnlich wie in Frankreich "ein konsequentes Beschränkungskonzept umsetzen".

Beschränkungskonzept noch nicht geklärt 

Wie dieses im Elsaß genau aussehen soll, ist jedoch noch nicht geklärt. Zunächst erhält die Präfektin als höchste Vertreterin des Zentralsstaats im Department weitreichendere Befugnisse. So kann Chevalier nun Versammlungen mit strengeren Auflagen versehen oder verbieten sowie das Recht zum Reisen einschränken, berichtet der französische Sender France 3 am Sonntag auf seiner Webseite. Wie Chevalier die neuen Kompetenzen nutzt, werden die kommenden Tage zeigen.

Neben dem elsässischen Department Bas-Rhin mit Straßburg wurden am Sonntag sechs weitere zur "roten Zone" hochgestuft; damit stieg die Anzahl auf insgesamt 28. Deutsche Behörden blicken bereits seit Wochen mit Sorge ins Nachbarland. So gehören etwa neben einigen Überseegebieten die Regionen Ile-de-France – also rund um Paris – und Provence-Alpes-Côte d’Azur in Süd-Frankreich laut dem Robert-Koch-Institut bereits zu den Risikogebieten.

Für den Reiseverkehr zwischen Deutschland und Frankreich hat die Einstufung der französischen Regierung wohl zunächst keine Konsequenzen. Das Landratsamt habe nicht vor, seine Empfehlungen diesbezüglich anzupassen, erklärt eine Sprecherin am Montagnachmittag auf Nachfrage unserer Zeitung. Falls das Robert-Koch-Institut das Departement Bas-Rhin jedoch als Risikogebiet einstufe, müsse man etwa für die Pendler von beiden Rheinseiten eine neue Lösung finden.

Straßburg will Bürger für Situation sensibilisieren

Zumindest der Streit um die generelle Maskenpflicht hat sich wohl vorläufig erledigt: Das Straßburger Verwaltungsgericht hatte in der vergangenen Woche Einschränkungen an der generellen Maskenpflicht gefordert. Der französische Staatsrat hat nun entsprechende Masken-Vorschriften in den Großstädten Lyon und Straßburg weitgehend bestätigt.

Die Pariser Institution, die die Regierung bei der Vorbereitung von Gesetzesvorhaben berät und gleichzeitig oberstes Verwaltungsgericht ist, entschied in der Nacht zum Montag in einem Eilverfahren: Die Maskenpflicht könne in einer Kommune eingeführt werden, falls es dort mehrere Zonen mit einem deutlichen Ansteckungsrisiko gebe.

Kampagne für die Bevölkerung gestartet 

Straßburgs Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian meldete sich am Montag zu Wort: "Mit der Präsidentin der Eurometropole verfolge ich die Entwicklung der Epidemie in unseren Gebieten genau", erklärte sie. Gemeinsam mit der regionalen Gesundheitsbehörde habe die Stadt am Montag eine Kampagne gestartet, um die Straßburger auf die bestehenden Hygieneregeln und Testmöglichkeiten aufmerksam zu machen, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung.

Bezüglich der herrschenden Maskenpflicht in Städten hat sich Straßburgs OB Jeanne Barseghian mit ihren Kollegen aus den betroffenen Kommunen abgestimmt, heißt es in einer Mitteilung. Sie bitte Präfektin Chevalier nun, für Aktivitäten im Freien von der Anwendung der Maskenpflicht abzusehen.

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