Straßburg Museen dürfen seit Samstag wieder öffnen

Museumsdirektorin Estelle Pietrzyk durfte ab Samstag wieder Besucher empfangen. Foto: Schubert Foto: Lahrer Zeitung

Straßburg. Ein unscheinbares Haus, umwuchert von Schilf, mit einem Hühnergehege vor der Tür und einem Trampelpfad, der sich Richtung Horizont schlängelt – eine Szene, wie man sie vermutlich auf dem Land wiederfinden würde. Das Mamcs, das Straßburger Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, postete dieses Ölgemälde von Félix Vallotton Mitte April, vier Wochen nach Beginn der französischen Ausgangssperre, auf seiner Facebook-Seite. Kommentarlos, nur mit dem Hashtag #DuWirstZuhauseBleiben.

Zwar ist die Reichweite des Mamcs-Accounts nicht gerade groß, nur dreimal geteilt wurde dieser Post, doch scheint hinter diesen regelmäßigen Facebook-Beiträgen eine präzise kuratorische Planung zu stehen. "Bilder zu einem gewissen Zeitpunkt für Social Media auszuwählen, ihnen eine Bildunterschrift zuzuordnen und somit eine Geschichte zu erzählen, gehört für uns zur kuratorischen Arbeit des Museums mit dazu", erzählt Estelle Pietrzyk, Direktorin des Museums.

Kultur spielt auch in der Pandemie große Rolle

Kunstmediation in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf Facebook und Instagram, hat das Mamcs während der Pandemie, aber auch schon davor, betrieben. Im Video-Format Tête-à-Tête gibt Pietrzyk, abwechselnd mit ihren Kolleginnen, zwei- bis dreiminütige Erklärungen zu Kunstwerken. Zum Beispiel zur Plastik Der Denker, eines der Hauptwerke des Künstlers Auguste Rodin. "Unsere Videos können natürlich die sinnliche Erfahrung der Kunst nicht ersetzen. Wenn man im Museum neben Rodins Denker steht, fühlt man etwas. Das Raumvolumen der Plastik und ihr Material haben eine Ausstrahlung. Kunst ist nicht abstrakt und auch nicht virtuell", so Pietrzyk, die sogleich fortfährt, "ich weiß nicht, ob wir uns dessen bewusst waren, welch wichtige Rolle Kultur in dieser einzigartigen Situation der Pandemie gespielt hat. Wie hätte die Menschheit diese Zeit ohne Filme, Bücher und Musik nur durchgestanden?"

Die Rolle von Museen sieht Pietrzyk darin, zu zeigen, wie Künstler und ihre Werke die Gesellschaft begleiten. "Künstler sitzen nicht in ihrem Elfenbeinturm. Ich bin mir sicher, dass die Pandemie eine inspirierende Zeit für sie war und man wird sehen, welche Kunstwerke aus dieser Periode hervorgehen werden."

Nun freut sich Pietrzyk erstmal die Besucher des Mamcs wieder in Person und nicht nur über das Internet für die Welt der Kunst begeistern zu dürfen. Offiziell durften französische Museen ihre Tore bereits am 2. Juni für Besucher öffnen. Das Mamcs hingegen, sowie alle anderen Straßburger Museen, haben sich auf eine Wiedereröffnung ab dem 13. Juni verständigt. 150 Besucher werden sich gleichzeitig im Museum aufhalten dürfen, Masken sind Pflicht und müssen von den Besuchern selbst mitgebracht werden. Zugänglich sei die ganze Sammlung des Museums­ – von Rodin, über Picasso und Kandinsky bis hin zu Hans Arp. Einen Kontrapunkt setze eine Fotoausstellung zu indischer zeitgenössischer Kunst, Delhi Motion. "Das Museum war zwar geschlossen, aber während all dieser Zeit haben wir uns auf die Wiedereröffnung konzentriert", lächelt Pietrzyk.

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