Straßburg Leben unter strikter Ausgangssperre

Straßburg - Die Beine vertreten? Nicht ohne Ausgangsformular, nicht länger als eine Stunde und nicht weiter als einen Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt. Ein Einblick in das Leben unter den Maßnahmen des Gesundheitsnotstands in Straßburg.

Formulare geben dem Alltag den Takt vor

Seitdem Ende Oktober durch eine erneute frankreichweite Ausgangssperre  auch die Bürgersteige in Straßburg hochgeklappt wurden, gehören Ausgangsformulare  wieder zum Alltag unserer Landesnachbarn.

Jeder Schritt vor die Haustür muss durch anlassspezifische Formulare gerechtfertigt werden. Diese können "sehr schnell und innerhalb weniger Sekunden" in der zentralisierten  Corona-Tracking-App "TousAntiCovid" erstellt werden, so die Boulevard- und Pendlerzeitung "20 minutes".

Der Alltagsrhythmus der Franzosen wird vor allem durch drei  Formulare vorgegeben: Ein allgemeines, ein berufliches sowie ein Formular für die  Begleitung der eignen Kinder zur Schule.

 Als legitime Anlässe für das Verlassen der eigenen vier Wände listet das französische Innenministerium im allgemeinen Ausgangsformular folgende Punkte auf: "Einkaufen, dringende familiäre Gründe, Arzttermine, sportliche Aktivität" oder Gassigehen.

Aber Achtung, nicht länger als eine Stunde und nicht weiter als in einer Entfernung von einem Kilometer vom eigenen Wohnort – "aus Vogelperspektive berechnet", wie die französische Regierung zu verstehen gibt.

Maske überall in der Öffentlichkeit tragen 

Laut Präfektur ist jeder Fußgänger ab elf Jahren verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit zu tragen. Dies gelte im ganzen Departement des Bas-Rhin in einem Radius von 50 Metern um Orte mit hohem Menschenaufkommen (Schulen, Supermärkte, Krankenhäuser).

Ausgenommen seien der Straßburger Rheinhafen sowie  Parks und Wälder, die anders als im Frühjahr weiterhin zugänglich sind. Seit dem 2. November müssen auch Grundschüler ab sechs Jahren einen Mund-Nase-Schutz in der Schule tragen, informiert die Tageszeitung "L’Alsace" aus Mulhouse.

Nach zwei Wochen Herbstferien war der Unterrichtsstart, der mitten in der Ausgangssperre angesetzt war, von Turbulenzen geprägt. Bei steigenden Infektionszahlen – in der ersten Novemberwoche lag der Inzidenzwert bei 603,8 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner – galt die Sorge nicht nur der Umsetzung der, so berichten es Lehrer und Gewerkschaften, meist unzulänglichen Hygienekonzepte in überfüllten Schulklassen, informiert "L’Alsace".

Auch der Umgang mit dem terroristischen Attentat auf einen Lehrer, Samuel Paty, der am Tag vor Beginn der Herbstferien in einem Gymnasium im Nordwesten von Paris enthauptet worden war, bereitete Kopfzerbrechen.

Diese Aspekte führten zu Lehrerstreiks auch an Schulen im Bas-Rhin. In Straßburg blieben am Dienstag dieser Woche ganze Schulen geschlossen.

Jenen Angestellten, die im Frühjahr mit Partner und Nachwuchs im Kleinkindalter zuhause im Home-Office arbeiten mussten, berichten die Zeitung "Dernières Nouvelles d’Alsace" (DNA), bieten nun einige Straßburger Hotels, eine Lösung an. Angeschlagen durch die Krise, versuchen Hotels wie „Le Grillon“ und das „Boma“, sich „neu zu erfinden“, so die Lokalzeitung weiter.

20 Euro pro Person koste ein Zimmer pro halben Tag im "Grillon", 40 Euro für einen ganzen. Im "Boma" sind die Preise mit 60 Euro pro Arbeitstag wesentlich höher. 

Momentan stünden nur einige wenige Zimmer für Home-Office-Anfragen zur Verfügung, je nach Nachfrage könne jedoch aufgestockt werden.

Klinik nimmt Patienten aus anderen Städten auf

Im Gegensatz zum Frühjahr, als die Krankenhäuser im der Region Grand Est stark überlastet waren und 300 Corona-Patienten in andere französische Regionen und nach Deutschland verlegt wurden, konnte das Straßburger Universitätsklinikum (HUS) nun Patienten aus anderen Regionen Frankreichs aufnehmen.

Das berichten die "DNA". Aus Lyon seien letzte Woche zwei zu beatmende Covid-Patienten mit dem Flugzeug nach Straßburg gebracht worden. Auch aus Clermont-Ferrand seien zwei Patienten eingeflogen worden. Vergangenen Freitag wurden 186 Corona-Erkrankte im HUS behandlet. 30 von ihnen auf der Intensivstation, so die "DNA".

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