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Straßburg In Frankreich sieht man rechte Soldaten als "deutsches Problem"

Als Teil der deutsch-französischen Brigade hat das deutsche Jägerbataillon 291 seinen Stützpunkt im elsässischen Illkirch-Graffenstaden südlich von Straßburg. Foto: Schauer

Illkirch-Graffenstaden. In der Tram der Linie A und der Linie E im französischen Illkirch dreht an der Haltestelle "Leclerc" niemand den Kopf. Niemand schaut rüber zu den Kasernen des "Quartier Leclerc": Die Garnison befindet sich nunmal dort – so war es vor der Affäre um den deutschen Soldaten Franco A., der jetzt verdächtigt wird, ein rechtsextremer Terrorist zu sein, so ist es auch danach.

 

Dort sind französische Soldaten seit 1966 zu Hause. Und dass seit 2010 auch das deutsche Jägerbataillon 291 als Teil der Deutsch-Französischen Brigade seinen Dienst tut, ist allgemein keine besondere Aufmerksamkeit wert. Wenn mal ein deutscher Soldat mit dem Bleu-Blanc-Rouge und Schwarz-Rot-Gold als Abzeichen am Barett in die Tram steigt, wird das, wenn überhaupt, mit "C’est l‘Europe", das ist Europa, kommentiert.

Dass etwas Besonderes geschehen ist im "Quartier Leclerc", hat man wohl wahrgenommen. Alle französischen Medien berichteten darüber. Aber es wurde immer als Grund zur Sorge nur in Deutschland betrachtet. Es gab keine Polemik und es wurde stets mit Bezug auf die Fakten dargestellt, die aus der deutschen Presse zitiert wurden.

Der Besuch von Ministerin von der Leyen in der Garnison war in der Presse auch nur am Rande ein Thema der Nachrichten eines Tages. Es ist "un probèeme allemand", ein deutsches Problem. So nüchtern wurde auch von der zweiten Verhaftung in Kehl berichtet. In der nationalen Presse liest sich aber seit einigen Tagen auch ein Satz wie, "die Affäre wird für die deutsche Verteidigungsministerin mehr und mehr peinlich".

Die etwa 600 deutschen Soldaten im "Quartier Leclerc" in Illkirch-Graffenstaden sind den Franzosen dagegen nicht peinlich. Das Gegenteil ist der Fall: "Die deutschen Soldaten sind als Teil der Bürgerschaft präsent und integriert. Sie tun Dienst in unserer Kaserne, sie wohnen in unseren Häusern, ihre Kinder gehen in unsere Schulen, sie sind Mitglieder in unseren Vereinen", beschreibt Huguette Heckel den Alltag. Sie ist beigeordnete Bürgermeisterin in der 27000-Seelen-Gemeinde Illkirch-Graffenstaden. "Die Deutschen sind uns ein Symbol der deutsch-französischen Freundschaft", sagt sie. Heckel ist vom französischen Minister für Verteidigung zur "Korrespondentin Verteidigung" ernannt worden. "Unsere Kriegsveteranen waren 2010 besonders engagiert dafür , dass das Jägerbataillon 291 ins Quartier Illkirch kam." Am 8. Mai und 11. November stünden die ehemaligen Gegner im Gedenken an vergangenes Leid freundschaftlich verbunden vor den Denkmälern.

"Nein, hier in Illkirch hat die unselige Geschichte keine Chance, alte oder neue Feindschaften zu schüren", versichert Heckel. Die Affäre Franco A. sorgt in Frankreich dieser Tage eben nicht für große Schlagzeilen. Sie ist Teil des Alltags deutsch-französischer Freundschaft.

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