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Straßburg Frischer Wind zieht in alte Gemäuer

Eine Immobilienfirma sollte die ehemalige Tabakmanufaktur nicht bekommen. Deshalb hat die Stadt Straßburg den Gebäudekomplex mit einer Nutzfläche von 21 500 Quadratmetern selbst gekauft – und will ihn ab Herbst 2018 umbauen. Foto: Schauer Foto: Lahrer Zeitung

In die ehemalige Straßburger Tabakmanufaktur soll wieder Leben einziehen. Neben einem Institut der Uni, einer Jugendherberge und Restaurants sollen Räume für die Kunstakademie, für Existenzgründer und Vereine Platz in dem Kulturdenkmal finden.

 

Straßburg. "Es hieß, eine Immobilienfirma wolle kaufen und schicke Wohnungen daraus machen. Da war klar, unseren ›Düwack‹ müssen wir für uns behalten", erinnert sich Straßburgs Oberbürgermeister Roland Ries an den Ursprung dessen, was er ein "urbanes Abenteuer" nennt. Nun hat er vorgestellt, was aus der einstigen Tabakmanufaktur werden soll.

Den Straßburgern liegt das Gebäude aus dem Jahr 1852 am Herzen

Im September 2015 hatte die Stadt über die SERS (kommunale Agentur für urbane Entwicklung) die seit 2010 leer stehende "Manufacture des tabacs" erworben. Für 9,5 Millionen Euro wechselte das Gebäude den Besitzer, zuletzt gehörte es dem englischen Unternehmen Imperial Tobacco.

Das Gebäude bietet eine Nutzfläche von 21 500 Qua­dratmetern und steht auf einem anderthalb Hektar großen Gelände an der Rue de la Krutenau. Die Tabakmanufaktur war 1852 eingeweiht worden. Seit Juli 2008 werden dort aber keine Zigarren mehr gerollt. Für die Straßburger ist das leere Ensemble dennoch mehr als nur ein banales Industrieerbe. In der Elsassme­tropole scheint es kaum jemanden zu geben, der nicht zumindest ein Familienmitglied hatte, das dort zur Arbeit ging.

So ist der "Düwack", wie die Straßburger die Manufaktur nennen, für sie eine Art kollektives Erbe. In den vergangenen fünf Jahren war das Areal nur an Tagen des offenen Denkmals oder Architekturtagen für einen kleinen Rundgang geöffnet. Die Straßburger kamen immer in Scharen, die Bindung zum "Düwack" ist tief verwurzelt.

"Die Manufaktur muss ein lebendiger und offener Ort sein. Also wird der ›Düwack‹ anders als wir ihn seit jeher kennen", betont Ries. Wissenschaft und Kunst, Jugendkultur und Existenzgründer, alle sollen dort eine Heimat finden. Im Herbst 2018 soll der Umbau des Gebäudekomplexes – der seit 2016 unter Denkmalschutz steht – beginnen. Im Sommer 2020 soll der "Düwack" dann im neuen Gewand und mit neuen Mietern wieder eröffnet werden.

INFO

Das ist geplant

Die Uni hat eine Fläche von 10 000 Quadratmetern gekauft, damit sich die Geowissenschaftler dort einrichten können – 200 Forscher und 1000 Studenten werden erwartet. Nebenan soll sich auf 3500 Quadratmetern ein Teil der Kunstakademie niederlassen. Und 1900 Quadratmeter sind für Gründerinitiativen und Start-Ups reserviert. Auch eine Jugendherberge der "neuesten Generation" ist auf 3000 Quadratmetern geplant – mit 266 Betten zu kleinen Preisen. Auf insgesamt 5000 Quadratmetern soll es ums leibliche Wohl gehen: Der Einzug eines Bio-Ladens, zweier Restaurants – für Veganer und mit traditioneller Küche – sowie einer Brasserie stehen schon fest. Auch Raum für Vereine ist angedacht, um bürgerlicher Initiative und Sozialem eine Heimat zu bieten.

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