Straßburg "Es muss Aufklärungsarbeit geleistet werden"

Vor der Bewerbung um einen Job oder eine Ausbildung in Baden gibt es viele Fragen zu beantworten. Foto: Schauer Foto: Lahrer Zeitung

Straßburg (thi). Im Elsass liegt die Arbeitslosenquote bei rund zehn Prozent, in der Ortenau lag sie im Dezember bei 2,9 Prozent. Rund 500 Stellen seien in Kehl und 3500 in der Ortenau offen, gibt die Arbeitsagentur an. Das französische Arbeitsamt "Pôle Emploi", die Handwerkskammer Freiburg und ein Dutzend andere Ämter und Initiativen aus Straßburg haben deshalb kürzlich über die Möglichkeiten der Arbeitssuche in Deutschland informiert.

Doch trotz der Zahlen: Der naheliegende Schritt, auf der anderen Seite des Rheins zu arbeiten oder eine Ausbildung zu machen, wird nicht allzu oft unternommen. "Das ist im Elsass kein Reflex", weiß Anne François von "Pôle Emploi". Viele könnten kein Deutsch oder zu wenig – das sei der wichtigste Grund, dass das Interesse an Arbeit in Baden gering sei. "Und es wird spekuliert, die Arbeitswelt da drüben sei nicht wie zu Hause in Frankreich", so François. Auch gebe es Zweifel an der sozialen Absicherung und hinsichtlich des Arbeitsrechts. Oft seien es nur Vermutungen, die es verhinderten, über den Rhein zu schauen, erklärt François. Sich als französische Arbeitskraft auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu bewerben, "fällt denen, die im Elsass Arbeit suchen, keineswegs spontan ein". Da müsse von Grund auf Aufklärungsarbeit geleistet werden, betont François.

Gerade viele Jugendliche könnten sich nicht vorstellen, in Baden eine Lehre zu machen. "Sie wissen nicht, was eine Lehre in Deutschland ausmacht und dass sich Deutsch am Ausbildungsplatz fast wie nebenbei lernt", fasst Christine Fermin von der Handelskammer Freiburg ein Problem zusammen. Die Leiterin des Projekts "Ausbildungsbotschafter" war mit Pierre Kurtz aus dem elsässischen Benfeld gekommen. Dieser stellte sich und die Ausbildung bei den Badischen Stahlwerken in Kehl bei drei Vorträgen je drei Dutzend Arbeitssuchenden vor. "Klingt gut", "ich werde mich informieren", "mal sehen", meinten die meisten danach.

Aber dennoch: Die Stühle an den zwölf Tischen, an denen individuell informiert wurde, blieben selten unbesetzt. Auch wenn nur 125 Arbeitssuchende einen Fragebogen ausgefüllt hätten, seien doch viel mehr gekommen, teilten die Verantwortlichen im Anschluss an den Infotag auf Nachfrage mit. "Es war ein guter Tag", urteilte Nelly Keuerleber vom kommunalen "Maison de l’Emploi" (Haus der Arbeit). "Am 28. Januar gibt es die nächste Veranstaltung", ergänzte sie.

Und um die Sprachbarriere abzubauen und die Nachfrage zu steigern, bietet "Pôle Emploi" seit diesem Jahr auch Deutschkurse für Anfänger ohne Vorkenntnisse an. Davor waren gute Grundkenntnisse nötig.

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