Straßburg Notre-Dame: "Es ist eine Tragödie"

Menschen aus der Ortenau und dem Elsass schildern Ihre Eindrücke zum Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Foto: Camus

Straßburg/Ortenau - Für einen Abend lang hielt Frankreich den Atem an: Am Montag stand die Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris in Flammen. Beidseits des Rheins saßen Franzosen und Deutsche gebannt vor den Bildschirmen, einige schildern nun ihre Eindrücke.

Erst kurz vor Mitternacht kam die Entwarnung durch die Pariser Feuerwehr: der Brand war unter Kontrolle, die Mauern Notre-Dames würden vorerst halten. Damit endete für viele Franzosen auch im Elsass das bange Hoffen und machte der Erleichterung Platzt.

Erzbischof von Straßburg trauert um Kathedrale:  Luc Ravel, Hausherr des ebenfalls der Jungfrau Maria geweihten Straßburger Münsters, zeigt sich solidarisch: "Die Kirche im Elsass durchlebt diesen Moment in Einheit mit ihrer Schwesterkirche in Paris", so der Erzbischof gegenüber der französischen Zeitung "Dernières Nouvelles d’Alsace" (DNA). "Ich weine jetzt mit Paris, mit Frankreich und der ganzen Welt", so Erzbischof Ravel am Dienstag.    Roland Ries, Oberbürgermeister von Straßburg, bietet Hilfe an: Der Präsident des Eurodistrikts Straßburg-Ortenau, Roland Ries, nutzte Twitter um, seine Emotionen auszudrücken: "Ich bin bestürzt und zutiefst betrübt über das schreckliche Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris." Seine Solidarität gelte der Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, aber auch allen Bürgern von Paris in diesem für ihre Stadt besonders schwierigen Moment, schrieb Ries. Er bot das Wissen und die Erfahrung aus der Restaurierung des Straßburger Münsters als Hilfe für den Wiederaufbau des Dachstuhls der Pariser Kathedrale an.

Straßburger verfolgt Berichterstattung gebannt: "Ich war ganz erschrocken, als ich auf dem Heimweg von der Arbeit vom Brand gehört habe", erzählt der Straßburger Romain Silvant im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sei daraufhin bis nach Mitternacht vor dem Fernseher gesessen und habe ungläubig den Löscharbeiten der Pariser Feuerwehr zugesehen. Die "Île de la Cité", also die Stadt-Insel in der Seine, sei immerhin das Zentrum Frankreichs, "Kilometer Null", von dem das französische Straßennetz sich ausdehne, so der Paris-Kenner.

Elsässerin ist skeptisch: "Meine Mutter hat mich angerufen und mir gesagt, ich soll schnell den Fernseher einschalten", erinnert sich Carolin Hauser aus Plobsheim. Sie sei auch online gegangen und habe die Reaktionen in den sozialen Medien durchstöbert. Am Dienstag sei der Brand Gesprächsstoff in ihrem Bekanntenkreis gewesen: "Viele Gespräche drehten sich darum, wieso die Feuerwehr so lange gebraucht hatte, den Brand zu Löschen", berichtet Hauser.

Deutsch-Französin  sieht Reaktionen kritisch: "Mein Mann kam am Montagabend ganz aufgeregt zu mir und meinte es sei etwas schreckliches passiert: die Kathedrale Notre-Dame stehe in Flammen", berichtet die Deutsch-Französin Dorothée Haffner im Gespräch mit unser Zeitung. Ihre Reaktion sei jedoch verhalten ausgefallen. Immerhin: "Niemand kam bei dem Brand ums Leben", betont die Wahl-Straßburgerin. Die echte Katastrophe sei, wie sich die Medien auf den Brand gestürzt hätten. "Auf einmal soll Geld nach Paris fließen, um die Kathedrale wieder aufzubauen", so die 33-Jährige Journalistin weiter. "Die Straßen von Paris sind voller Obdachloser", die hätten das Geld nötiger. Sie verstehe jedoch, dass es sich bei Notre-Dame um ein starkes Symbol handele. "Aber jetzt ist auch gut", so Haffner abschließend.

Auch im deutschen Teil des Eurodistrikts Straßburg-Ortenau waren die Ereignisse in Frankreich Anlass zur Anteilnahme:

Landrat schwer bestürzt: Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises und Vizepräsident des Eurodistrikts, zeigt sich tief betroffen über den Brand der Pariser Kathedrale: "Die brennende Notre-Dame ließ mir Tränen in die Augen kommen; es ist eine Tragödie", so Scherer auf Nachfrage unserer Zeitung.

Europa-Park-Chef zeigt Anteilnahme: "Notre-Dame ist nicht nur ein Symbol von Frankreich, sondern von ganz Europa", schreibt Europa-Park-Geschäftsführer Michael Mack, angesichts der "schrecklichen Bilder" der brennenden Kathedrale Notre-Dame, auf Twitter. "Solidarität mit den Parisern", schreibt er weiter und erntet einen Sturm von Dankesantworten französischer Nutzer. Manch einer erinnerte sich in diesem Zusammenhang auch an den großen Brand im Europa-Park, vor etwas mehr als einem Jahr.

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