Straßburg Die Gastronomen hoffen

Jérôme Lenhardt, Inhaber des Restaurants "La Maison des Tanneurs", setzt für den Start nach der Krise auf Klassiker der elsässischen Küche. Foto: Schubert Foto: Lahrer Zeitung

Straßburg. "Tausende Euro an extra Kosten hat die Inaktivität meines Restaurants seit der Schließung der Gastronomiebetriebe am 14. März verursacht. Das übernimmt weder der Staat noch die Versicherung, die Pandemie-Fälle nicht deckt", berichtet Jérôme Lenhardt, der in der Küche seiner "Winstub" steht und aufgewühlt wirkt.

Vor zwei Jahren hat er das familiengeführte Restaurant "La Maison des Tanneurs" im Straßburger Gerberviertel von seiner Großmutter übernommen. "Unsere Gerätschaften, die Kühlschränke und Öfen können drei bis vier Wochen Stillstand im Jahr aushalten, das reicht gerade so für unsere Winterpause. Zweieinhalb Monate, wie jetzt während der Ausgangssperre, haben sie nicht überlebt", erklärt der Gastronom, dem zwischen den Lockerungsankündigungen des französischen Premierministers und der Wiedereröffnung des Restaurants am 4. Juni nur wenige Tage blieben, um sein elsässisches Restaurant wieder auf Vordermann zu bringen.

"In unserem lauschigen Innenhof, der direkt am Wasser liegt, haben die Tauben die Herrschaft übernommen, da muss klar Schiff gemacht, unsere zwei Gasträume müssen gereinigt und mit roten Geranien aufgehübscht werden", sagt Lenhardt und deutet in den hellen Saal mit Blick auf die Kanal-Schleuse. In dem Raum, dessen Fußbodendielen beim Begehen gemütlich knarren, hat die Ausgangssperre staubige Spuren hinterlassen.

Die Region Grand-Est, zu der auch das Elsass gehört, leuchtete, aufgrund seiner hohen Viruszirkulation und überdurchschnittlicher Krankenhauseinweisungen, länger als andere Regionen Frankreichs in scharlachrot auf der Corona-Landkarte der französischen Regierung auf. Vor etwas mehr als einer Woche ist die Region, nicht wie erwartet erst auf Orange, sondern ad hoc auf Grün gesprungen.

"Ein Schock, aber im positiven Sinne", erzählt Lenhardt, mit leicht gerunzelter Stirn, denn für die Wiederöffnung gibt es viel zu bedenken: "Wir brauchen einen Covid-19-Beauftragten in unserem Team, das ist so vorgeschrieben." Diese Person wird die Verantwortung für die strikten Hygiene-Auflagen übernehmen und ein Reinigungsprotokoll führen.

"Auf Plexiglas-Vorrichtungen um die Tische wollen wir aber verzichten, die Gäste sollen sich schließlich wohl fühlen und Lust haben, wiederzukommen. Die Tische werden wir mindestens zwei Meter voneinander entfernt im Raum platzieren, jedem Gast werden zur Begrüßung die Hände desinfiziert, wir werden wegwerfbare Menükarten drucken und im Haus wird es festgelegte Laufrichtungen für Gäste und Mitarbeiter geben", so Lenhardt.

Handschuhe, Masken und Visiere gehören von nun an zur Arbeitsausrüstung seiner Mitarbeiter. "Ob das Geschäft wieder anläuft, hängt ganz von der Nachfrage unserer Gäste ab und von der Unbeschwertheit, mit der sie sich zurück in die Gässchen der Petite France zurückwagen", sagt Lenhardt nachdenklich.

"Aber auch die Lieferkette unserer lokalen Lieferanten muss gewährleistet sein. Ihr Angebot ist derzeit sehr reduziert, dementsprechend wird unsere Karte erstmal vor allem unsere Klassiker beinhalten", deutet der Restaurant-Besitzer an, "unter anderem werden das Fischsauerkraut, Weinbergschnecken elsässischer Art und Zwiebelkuchen sein."

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