Straßburg Das Fahrrad-Geschäft boomt

Fahrradhändler Naddaf Kambiz kann sich dank der neuen Prämie vor Kunden kaum retten. Foto: Schubert Foto: Lahrer Zeitung

Straßburg. "Das Telefon klingelt unaufhörlich, seit die Regierung die Fahrradprämie Coup de Pouce Vélo auf den Weg gebracht hat", sagt Naddaf Kambiz, der mit seinem Geschäftspartner Fazeli Fariar seit zehn Jahren das Fahrradgeschäft Tendance Cycles in Straßburg nahe der Universität führt.

Raus aus Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln und rauf auf’s Fahrrad. Das scheint die Devise der französischen Regierung seit der Corona-Lockerungen am 11. Mai zu sein. 20 Millionen Euro wollte sich der französische Staat erst die Fahrradprämie kosten lassen, bis Elisabeth Borne, Frankreichs Umweltministerin, die Verdreifachung des Budgets auf 60 Millionen Euro ankündigte.

Ob für eine Fahrradreparatur oder einen Kurs an einer Fahrradschule, die Prämie in Höhe von 50 Euro pro Rad soll die Bürger dazu anregen sich im Alltag vermehrt in den Sattel zu schwingen. Ein Plan, der aufzugehen scheint, denn Kambiz und sein Team opfern Mittagspause und freie Tage, um der Nachfrage ihrer Kunden gerecht zu werden.

Stadt baut ihr Radnetz weiter aus

"Eine Woche vor den offiziellen Lockerungen haben wir unser Geschäft wieder eröffnet und seither versinken wir in Aufträgen", berichtet Kambiz, der die Ladentür seines Geschäfts nicht aus den Augen verliert. Vor der Tür, die mit einem Fahrradgurt versperrt ist, um den Kundenandrang zu regulieren, stehen fünf Kunden, die ungeduldig von einem Fuß auf den anderen treten. In der gleichen Zeit versucht Fariar, Kambizs Geschäftspartner, das Telefon zum Schweigen zu bringen, indem er geduldig die Fragen der Kunden beantwortet. 1,2 Millionen Räder sollen durch die Prämie in Stand gesetzt werden. Distanz kann auf dem Rad besser eingehalten werden als in Bus oder Tram.

"Die Prämie gibt uns das Gefühl, in den Plänen der Regierung endlich Berücksichtigung zu finden, auch die Stadt möchte nun die Fahrradwege ausbauen", fährt Kambiz fort. Zu diesem Thema erfährt man auf dem Facebook-Account des Straßburger Beauftragten für alternative Mobilität, Jean-Baptiste Gernet, dass das Fahrradnetz der Stadt seit Beginn der Lockerungs-Maßnahmen eine Auslastung von 130 Prozent erfährt. Aus diesem Grund sollen Straßburgs Fahrradwege vorläufig um 2,2 Kilometer erweitert werden.

Tatsächlich wurde an der Kreuzung zwischen der Straßburger Musikhochschule und dem Parc de l’Étoile, ein Knotenpunkt des Straßburger Fahrradverkehrs, eine Autospur entfernt, um im Gegenzug den Fahrradweg zu erweitern. Dazu kommt das Versprechen des Präsidenten der Eurometropole Straßburg, Robert Herrmann, 1,5 Millionen Euro für den Ausbau des Straßburger Fahrradverkehrs einzusetzen.

Auch wenn noch nicht feststeht, in welche Projekte das Budget fließt und Fahrradverbände eine stärkere Reaktion der Stadt erwartet hatten, wecken diese neuen Entwicklungen bei Naddaf Kambiz Hoffnungen: "Vielleicht sensibilisiert die Prämie die Bürger dafür, dass das Rad das Fort-bewegungsmittel der Zukunft ist und dass es kein Auto von einem Gewicht von zwei Tonnen braucht, um eine Person von 70 Kilogramm von Punkt A nach Punkt B zu bringen."

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