Straßburg "Christkindelsmärik" ohne Verkaufsstände

So weihnachtlich, wie auf diesem Foto, wird es dieses Jahr wohl nicht auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt werden. Foto: M. Murat

Straßburg - Ein Weihnachtsmarkt ohne Stände, so lautet die Entscheidung der Stadt Straßburg. Was sich nach einer tristen Adventszeit für Fans des Straßburger Marktes anhört, ist frappierend für die Standbesitzer, bei denen es nun ums Überleben geht.

Betreiber von Verkaufsständen haben seit Monaten keine Einnahmen mehr

Für viele Betreiber eines Verkaufstandes war der letzte finanziellen Hoffnungsschimmer des Jahres der Straßburger Weihnachtsmarkt. "Ich bin schockiert und traumatisiert von der Ankündigung der Stadt, einen Weihnachtsmarkt ohne Stände abzuhalten", entfährt es Franck Hoffmann, der dieses Jahr aufgrund abgesagter Messen und Jahrmärkte so gut wie keine Einnahmen hatte.

Bereits vor fünf Generationen begann seine Familie mit dem Betrieb eines Standes für Weihnachtsdekoration auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt.

"Seit Monaten arbeiten wir Standbetreiber mit dem Rathaus zusammen, um den Weihnachtsmarkt unter Coronavorschriften zu erhalten. Alles war fertig geplant. Wie sich jetzt herausstellt: verlorene Zeit!", so Hofmann, dessen ganze Familie durch die Entscheidung der Stadt in den finanziellen Ruin getrieben werde. "Was soll ich machen?", sagt er. Der Weihnachtsmarkt war meine letzte Chance, um finanziellen Aufwind zu bekommen, ich habe seit Monaten keine Einnahmen mehr."

Angesichts der hohen Infektionszahlen im Elsass, scheinen die monatelangen Absprachen zwischen Stadt, Präfektur und dem Regionalen Gesundheitsamt bezüglich der 2020er-Ausgabe des Straßburger Weihnachtsmarktes vergeblich gewesen zu sein. Geplant war, dass der Markt am 28. November unter strengen Hygienemaßnahmen seine Tore für Besucher öffnet.

Aber ein Markt ohne Stände, was soll das überhaupt sein? Das fragt sich auch Hoffmann und brüskiert sich. "Die von der Stadt handeln wie Außerirdische."

Stadt Straßburg will sich noch zwei Wochen Zeit nehmen

Auf Nachfrage der Lahrer Zeitung bei der Stadt Straßburg, ob die Ankündigung, einen Weihnachtsmarkt ohne Stände durchführen zu wollen, eine indirekte Absage des Marktes sei, erhielt unsere Redaktion bis Redaktionsschluss keine Antwort. Dafür ist auf der Website des französischen Radiosenders "France Bleu Alsace" zu erfahren, dass zwar keine Stände, aber Animationen im Stadtgebiet stattfinden sollen.

Für genauere Überlegungen wolle sich die Stadt Straßburg noch zwei Wochen Zeit nehmen. Außerdem soll auch der traditionellen Weihnachtsbaum auf dem Kleber Platz weihnachtlich erstrahlen und es soll weihnachtliche Illuminationen in der Innenstadt geben.

Unter diesen Umständen, findet Standbesitzer Hoffmann, sei die Veranstaltung "kein richtiger Weihnachtsmarkt": "Wenn man einen Weihnachtsmarkt besucht, möchte man Geschenke einkaufen, Glühwein trinken und Lebkuchen essen, das wird es dieses Jahr nicht geben."

Bisher habe die Stadt sich darum bemüht, den Weihnachtsmarkt aufrecht zu erhalten. "Jetzt wollen wir uns dafür einsetzen, dass wenigstens einige weihnachtliche Symbole beibehalten werden", berichtet Guillaume Libsig, Weihnachtsmarkt-Beauftragter der Stadt Straßburg gegenüber "France Bleu Alsace".

Hoffmann reicht das nicht. Seit Beginn der Pandemie habe er drei Mal 1500 Euro Unterstützung vom französischen Staat erhalten. Die Gewerkschaft für Standbetreiber habe nur eine repräsentative Funktion und "kaum Einfluss", wie Hoffmann erklärt. Wenn es um finanzielle Aspekte gehe, könne sie ihm nicht unter die Arme greifen.

Wie es für ihn und seine Familie weitergehen soll, weiß er noch nicht, immerhin macht der Weihnachtsmarkt den größten Teil seines jährlichen Einkommens aus, so der 49-Jährige: "Die Hoffnung, dass die Stadt ihre Entscheidung noch einmal überdenkt, schrumpft von Minute zu Minute".

Covid im Elsass

Eine weitere Nachricht erreicht die französische Grenzregion. Ab Freitag um Mitternacht soll es eine nächtliche Ausgangssperre von jeweils 21 Uhr bis 6 Uhr morgens geben. Diese gelte für die kommenden sechs Wochen, verkündete Frankreichs Premier Minister, Jean Castex, in einer Konferenz am späten Donnerstagnachmittag.

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