Straßburg Ab September kann man mit "le Stück" zahlen

Lahrer Zeitung
Der Wechselkurs von "le Stück" zum Euro wird nicht eins zu eins betragen. Um finanziell Schwächere zu unterstützen, so die Macher. Foto: Schauer Foto: Lahrer Zeitung

Elsassmetropole erlaubt alternative Währung zum Euro / Mehr als 25 000 Euro Zuschuss

Straßburg (thi). In wenigen Wochen, Ende September, ist es so weit: Dann knistern in Straßburg nicht mehr nur die Euro-Scheine in den Geldbeuteln der Menschen, sondern auch das Lokalgeld "le Stück". Die zusätzliche Währung wird es nur in Scheinen geben. Entstanden ist die Idee im Netzwerk "Colibris" und beim Verein "Éco-Quartier" im Sommer vor drei Jahren.

Die Lokalwährung soll mit viel alternativem Handeln zu Konsum, Umwelt, sozialer Wirtschaft und Solidarität verbunden sein. "Das ist kein Monopoly-Geld", betont Serge Ascencio, einer der Mitentwickler. "Das ist Dynamik und vor allem ein Mehrwert für alle." Denn: Die Ideengeber hätten nicht nur an die Verbraucher und den lokalen Handel gedacht. Es ginge ihnen auch darum, Menschen, die weniger Geld in ihrem Portemonnaie haben, zu unterstützen. Der Wechselkurs Euro zu "le Stück" betrage nämlich nicht immer eins zu eins. Die Ideen sprudeln bei den Machern munter weiter – das Projekt könne folglich noch weiterentwickelt werden. In Frankreich sind rund 60 lokale Währungen mit rund 550 000 Nutzern im Umlauf. Im Elsass gibt es bisher nur den "Radis" (Radieschen), der seit Sommer 2013 in Ungersheim genutzt wird. Und auch in Straßburg denkt man erst einmal lokal.

"Le Stück", so die Idee, könnte sich auch auf der anderen Seite des Rheins ausbreiten: "Wir haben dem Geld den Namen ›le Stück‹ gegeben, weil darin auch etwas deutsch-französisches liegt. Das wäre dann die erste lokale Währung, die über die Grenze geht. Mal sehen", sagt Cécile Favé. Sie betreute beim Verein "le Stück" die Machbarkeitsstudie und organisiert jetzt den Weg des "Gelds mit besonderer Ethik" in die Geldbeutel und Kassen.

Das Potenzial des "Stücks" wurde auch von anderen erkannt. Der Sozialfonds der Europäischen Union hat die Machbarkeitsstudie mit 17 000 Euro unterstützt, die Region Elsass und die Stadt Straßburg haben je 2000 Euro beigesteuert. In der vergangenen Woche hat der Stadtrat noch mal nachgelegt und den Verein einstimmig mit 25 000 Euro subventioniert. Die Stadt will es möglich machen, dass auch in kommunalen Einrichtungen mit "le Stück" bezahlt werden kann. Wenn es Ende September los geht, werden wohl mindestens 150 Menschen und 80 Firmen aus Handel und Gewerbe mitmachen, schätzt Favé. Ganz zeitgemäß gebe es "le Stück" auch digital. "Wir arbeiten daran und sehen den Start für 2016 vor", betont Favé.

Weitere Informationen: www.lestuck.eu