Steinach Rathaus: Eingang muss neu geplant werden

Der neue Sitzungssaal im Steinacher Rathaus nimmt Gestalt an. Architekt Thomas Kopf freut sich auf einen Raum mit "interessanter Perspektive". Foto: Kopf Architekten

Steinach - Bei der laufenden Sanierung des Steinacher Rathauses hat das Landesamt für Denkmalpflege der Verwaltung und den Planern einen Stock zwischen die Beine geworfen. So drückte es Bürgermeister Nicolai Bischler aus.

Denn was Thomas Kopf vom Büro Kopf Architekten am Montagabend in der Gemeinderatssitzung berichtete, war wenig erfreulich. Erst am Morgen war ein Schreiben des Landesamts für Denkmalpflege eingegangen, das dem geplanten Haupteingang mit repräsentativer Treppe und zwei bodentiefen Fenstern (wir berichteten) eine Absage erteilt. "Jetzt sind wir wieder bei Null", befand Kopf.

Auf Anfrage des Schwabo konkretisierte die Pressestelle des zuständigen Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart die Begründung: Die Änderung der Eingangssituation stelle "eine erhebliche Beeinträchtigung des Erscheinungsbilds des Kulturdenkmals dar, da sie dessen ursprüngliche Aussage über die Simultannutzung als Schul- und Rathaus durch die Schaffung von fünf nahezu gleichwertigen, bodentiefen Öffnungen auf der Südseite stark verunklärt." Die vonseiten der Behörde genehmigte ursprüngliche Planung mit zentralem Haupteingang und nicht bodentiefen Fenstern dagegen stelle "die Nutzungen von 1903 und 2018 gleichwertig nebeneinander und zeugt damit von einem klaren Bekenntnis der Gemeinde zu ihrem historischen Erbe."

Kopf erklärte zudem, trotz erster Kontaktaufnahmen im Jahr 2015 habe es erst vor kurzem eine Ortsbegehung gegeben. Querstellen könnte die Gemeinde sich, indem sie den Bescheid ablehnt. Das folgende Verfahren würde die Sanierung jedoch zwei bis drei Jahre in die Länge ziehen. Günter Schmidt (FW) befand frustriert, dass dies allein aufgrund des Zeitrahmens nicht in Frage käme.

Für einen "riesigen Hals" sorgte die Neuigkeit bei Josef Meßmer (CDU). Dass das Denkmalamt erst jetzt aktiv werde und der Gemeinde nach ihren Beschlüssen wegen zweier Fenster Schwierigkeiten mache, verstehe er nicht. Kopf pflichtete ihm bei: "Die zeitliche Abfolge ist unterirdisch." Er nahm den Sachbearbeiter jedoch auch in Schutz. Dieser sei kompetent und freundlich. Allerdings hätte Kopf sich eher gefreut, wenn die Vorschläge seitens des Denkmalamts bereits vor zwei Jahren vorgetragen worden wären, sagte er.

Wie die zeitliche Verzögerung zustande gekommen ist, kann sich das Denkmalamt derweil nicht erklären. Auf die Anfrage des Schwabo antwortete die Behörde: "Erste Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege zur Sanierung und Umnutzung des Gebäudes fanden im Juli 2015 statt, die tatsächliche Antragstellung erfolgte jedoch erst im November 2017. Wie es zu dieser Verzögerung kam, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Bearbeitung der konkreten Anfragen erfolgte in unserem Hause jeweils zeitnah." So sei der Wunsch des Gemeinderats nach dem Eingang mit bodentiefen Fenstern in der im Dezember 2017 genehmigten Planung nicht aufgetaucht. "Die aktuelle Anfrage zur Änderungsplanung wurde innerhalb einer Woche mit der Fachgebietsleitung am Dienstsitz Freiburg besprochen und fachlich begründet beantwortet."

Behörde stellt sich "nicht gegen die Meinung" des Gemeinderats

Das Denkmalamt erklärt überdies, dass es nicht aktiv "gegen die Meinung" des Gemeinderats stelle: "Vielmehr hat es die Maßnahme gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Hinblick auf das Denkmalschutzgesetz denkmalfachlich und denkmalrechtlich zu bewerten, dass es hier gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann, liegt in der Natur der Sache."

Abgesehen von dem Rückschlag am Eingang verläuft die Sanierung des Rathauses weiterhin positiv. Architekt Thomas Kopf berichtete, bei den Dachsparren habe es keine Überraschungen gegeben. Sie seien ihrem Alter entsprechend in gutem Zustand, einige wenige hätten ausgetauscht werden müssen. Auch der Sitzungssaal nimmt so langsam Gestalt an: "Perspektivisch wird das ein richtig interessanter Raum", erklärte er begeistert.