Steinach Landfrauen diskutieren Mikroplastik

Die Vorsitzende der Welschensteinacher Landfrauen Vroni Moog (Dritte von rechts) sorgte mit ihrem Team für einen reibungslosen Ablauf. Björn Krugielka (von links), Monika Schnaitter, Helga Wössner, Andreas Fath und Günter Thiem diskutierten über Möglichkeiten und Grenzen der Plastikvermeidung. Foto: Kleinberger Foto: Schwarzwälder Bote

Plastik hat im Mittelpunkt des Bezirkslandfrauentags in Welschensteinach gestanden. Nach einem Vortrag von Andreas Fath diskutierten Experten, wie der Stoff vermieden werden kann.

Welschensteinach. In bester Regie durch den Welschen­steinacher Landfrauenverein und erstmals mit einem Kreativmarkt verbunden, versammelten die Mitglieder des Bezirksvereins Haslach sich am Donnerstagnachmittag in der Allmendhalle. Neben Grußworten von Bürgermeister Nicolai Bischler, der neuen Koordinatiorin des Bezirks Haslach Martina Webering und Luzia Bollack-Beuschlein vom Ernährungszentrum kam auch Monika Schnaitter vom Verband zu Wort.

Pessimistischer Ausblick auf Hofnachfolge

Sie berichtete, dass nach aktuellen Umfragen und Studien "nicht nur Begeisterung" unter den Frauen in der Landwirtschaft herrsche: Siebentagewochen, zusätzliche Belastung durch Erwerbsarbeit neben dem Hof, neue Gesetze, zunehmende Bürokratie und Sorgen um Hofnachfolge machen den Frauen zu schaffen, brachte sie die Situation auf den Punkt. Sie warb bei den Anwesenden darum, sich bei den Kommunalwahlen am 26. Mai einzubringen und "eine gute Wahl" zu treffen – auch für mehr Frauen in der Politik.

BLHV-Kreisvorsitzender Ulrich Müller dankte für die Einladung: "Miteinander reden ist besser, als nur übereinander zu reden." Die Landfrauen würden für den Ländlichen Raum eine Vorbildfunktion übernehmen. Die hiesige Landschaft sei das gemeinsame Werk der Landwirte und Landfrauen. Sie müsse erhalten bleiben, auch wenn die aktuellen Entwicklungen – Wolf, Forstreform, FFH-Mähwiesen, Düngeverordnung –­"nicht auszuhalten" seien. Gemeinsam sei es aber zu schaffen, dass die Situation sich verbessere, war er sich sicher.

Der Chemieprofessor Andreas Fath referierte anschließend über die Ergebnisse einer Aktion, mit der er inzwischen internationale Bekanntheit erlangt hat: Er durchschwamm den Rhein von der Quelle bis zur Mündung und sammelte dabei Proben, die zeigten, wie sehr und womit der Fluss belastet ist (siehe Infokasten).

Insbesondere Mikroplastik machte er am Donnerstag zum Thema, verdeutlichte aber auch, dass er Kunststoff nicht per se verteufele. So lange dieser in seiner Verwertungskette verbliebe, sei er ein toller Stoff, meinte Fath. Problematisch werde es aber, wenn Plastik in die Umwelt gerate und damit ins Wasser und am Ende wieder in der Nahrungskette.

In einer anschließenden Podiumsdikussion, die Schnaitter moderierte, wurden verschiedene Aspekte der Plastikvermeidung angesprochen. Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner erklärte aus Sicht der Kommunen, wie die Müllsituation auf Wanderwegen ist und wo eine Verwaltung Plastik sparen kann. Günter Thiem, Betreiber des Welschensteinacher Dorfladens, und Björn Krugielka, der mit einigen Mitstreitern den dahinter stehenden Verein gegründet hat, sprachen aus der eher geschäftlichen Perspektive. Thiem erklärte, welchen Einflüssen von Außen Supermärkte unterliegen. Als "Idealist", der sich an das Dorfladenprojekt gewagt hat, wisse er, dass Veränderung einen langen Atem brauche. Plastik im Warenverkauf sei seiner Ansicht nach völlig unnötig. "Kunden bestimmen Nachfrage und Angebot. Sie müssen sich nur zusammentun und danach leben", war er sich sicher.

Als "Plastik-Experte" stand auch Fath noch Rede und Antwort –­ auch bei der anschließenden Diskussion mit den Landfrauen, die sich entwickelte.

Von der Quelle bis zur Mündung hat Andreas Fath den Rhein durchschwommen. Auf seiner 1231 Kilometer langen Reise, die er 2014 unternahm, hat er auf die Verschmutzung des Gewässers aufmerksam gemacht: Durch die Aktion an sich, aber auch, indem der Chemieprofessor und sein Team währenddessen Proben entnommen und analysiert haben. Die Ergebnisse stellt Fath im Kontext seines "Reiseberichts" bei Vorträgen vor, die unter anderem für Wasser- und Umweltverschmutzung sensibilisieren.

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