Pläne für zweite Ortsmitte Jahrhundertprojekt bewegt Steinach

Historische Mauern beschäftigten die Teilnehmer der Bürgersammlung. Foto: Störr

Steinach - Steinach hat über das Landessanierungsprogramm die einmalige Chance, eine zweite Ortsmitte zwischen Rathaus, Schule und einer neu zu bauenden Mehrzweckhalle zu schaffen. Während der Bürgerversammlung wurden die Pläne vorgestellt.

Erstmals wurde eine Bürgerversammlung live ins Internet übertragen, informierte Bürgermeister Nicolai Bischler zu Beginn.

Die Prokuristin der Kommunalkonzept BW, Sybille Hurter, stellte den Stand im Landessanierungsprogramm sowie die Fördermittel vor. Seit 2014 werden im Sanierungsgebiet Ortsmitte Maßnahmen umgesetzt, seit 2018 werden regelmäßig Aufstockungen des Förderrahmens beantragt. "Wir sind derzeit mit 6,3 Millionen Euro bei einem guten Stand, das Land gibt 3,8 Millionen dazu", bilanzierte Hurter: "Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht". Bis jetzt seien 4,3 Millionen Euro abgerufen worden, der Rest sei mit Projekten belegt. 98 Prozent flossen in investive Maßnahmen: "Das zeigt: es wird nicht nur geschwätzt, sondern auch etwas bewegt".

Die Hauptstraße soll neu gestaltet werden

Die kommende Neugestaltung der Hauptstraße zwischen der Badener Straße und der Brauerei Meller stellte Harald Steiner vom Ingenieurbüro Zink als Projekt zur Aufwertung des Ortskerns, Verkehrsberuhigung und Erhöhung der Attraktivität der Nebenflächen vor. Zwischen Badener Straße und Adlerplatz wird die Fahrbahn 6,50 Meter breit, mit Mittelinsel als Querungshilfe und barrierefreier Bushaltestelle.

Im Verbindungsbereich zwischen Adlerplatz und Einfahrt zum Sportplatz gebe es wenig Spielraum. Deshalb komme der Mittelinsel beim Pfarrgarten die Rolle zu, die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf den Innerortsbereich zu lenken und den Verkehr abzubremsen. "Die Mauer vom Pfarrgarten wird in Abstimmung mit dem Denkmalamt um 2,80 Meter nach hinten versetzt", erklärte Steiner. "Die Kosten werden bei 1,1 Millionen Euro liegen."

Gleichzeitig werde das Land die Asphaltdecke in der Ortsdurchfahrt erneuern. Einen weiteren Eingriff in die Mauer könnte es in der Georg-Schwendemann-Straße geben. Der Bereich solle als En-tree zum Rathaus und den anderen öffentlichen Gebäuden dienen. Zunächst wären Parkplätze entlang der Mauer geplant, die ebenfalls nach hinten versetzt werden müsste. Bischler informierte in Sachen Pfarrhaus über laufende Gespräche mit dem Stiftungsrat zum Kauf des Gebäudes und dem möglichen Erwerb des Bodens in Erbpacht.

Handlungsbedarf beider Turn- und Festhalle

Die Probleme mit der Turn- und Festhalle sind bekannt, gerade vor dem Hintergrund der sanitären Anlagen bestehe dringender Handlungsbedarf. "Wir sind erst bei der Machbarkeitsstudie", schickte Bischler voraus. "Diese weist eine neue Mehrzweckhalle als beste Lösung aus." Die flexible Nutzung für den Sport, die Kultur, den Schulsport und Gemeindeveranstaltungen bei gleichzeitiger Nutzung sei dank der Größe gegeben. Eine Konzert-Bestuhlung für bis zu 700 Personen sei möglich.

Die Sanierung im Bestand bringe wenig Gewinn, aber hohe Kosten und keine Zuschüsse. Ein Neubau auf der grünen Wiese bringe hohe Grunderwerbs- und Baukosten, zusätzliche Flächenversiegelungen und mit Zuschüssen werde es schwierig. Damit sei die Alte Post der ideale Standort, um innerörtliche Flächen zu beleben. Während des Baus könnte die bestehende Halle genutzt werden und zu den geschätzten Kosten von 4,9 Millionen Euro könnten Gelder aus dem Landessanierungsprogramm, der Sportstättenförderung sowie dem Ausgleichsstock beantragt werden.

Die Halle ist nicht im LSP enthalten, könnte jedoch als zentrales Element der "Neugestaltung Rathausumfeld" aufgenommen werden. Rektorat und Sekretariat der Schule müssten abgebrochen und am jetzigen Hallen-Standort neu aufgebaut werden. Im Gesamten könnte am Ende eine zweite Ortsmitte mit Wohlfühlatmosphäre entstehen. "Die Umsetzung der neuen Ortsmitte ist für Steinach eine einmalige Chance, das Herz der Gemeinde kann sich neu entwickeln. Es ist ein Jahrhundertprojekt", warb Bischler. Hurter verwies auf die Flexibilität des LSP: "Es ist ein unschätzbarer finanzieller Vorteil für die Gemeinde." Zunächst müsse jedoch die Erweiterung des Sanierungsgebiets in diesem Bereich beantragt und der Aufstockungs-Antrag bis Anfang November vorbereitet werden. Der Bewilligungszeitraum könnte dann bis 2025 verlängert werden.

Letzte größere Grünfläche im Ort

Alexandra Stöhr verwies auf das Alter des Pfarrhauses und der Mauer. "Es wäre schade, wenn man die letzte größere Grünfläche im Ort auf der einen Seite eingedellt und auf der anderen Seite etwas wegnimmt." Parkplätze seien nicht zeitgemäß, die Starkregenfälle der vergangenen Woche hätten gezeigt, dass man sich Gedanken um jede versiegelte Fläche machen müsste. Für Barbara Offenburger stellte die Frage nach der Förderung bei Hallen-Sanierung am jetzigen Standort. Sybille Hurter erklärte, dass ohne einen wesentlichen Mehrwert zu schaffen eine Aufnahme ins LSP nicht genehmigt werde. Klaus Ketterer wollte wissen, ob es Überlegungen zur Erweiterung der bestehenden Halle gebe, um die Alte Post ihrer ursprünglich geplanten Nutzung als Senioren- und Sozialwohnungen zuzuführen. "Der blumerante Platz kann ja trotzdem entstehen", befand er. Bischler erklärte, dass eine Sanierung am Standort nicht sinnvoll wäre.

Ruth Heizmann fragte, wo die Konzert-, Wettkampf- oder Veranstaltungsbesucher parken sollten. Die Situation mache ihr im gesamten Dorf Sorgen. Doch da beruhigte Bischler: "Wir werden nur bei herausragenden Ereignissen 700 Besucher haben." Viele kämen auch zu Fuß oder mit dem Rad und 700 Parkplätze werde man sowieso nicht anbieten können.

Am Ende trat Gemeinderätin Christine Haas-Matt ans Mikrofon: "Man muss manchmal Kompromisse eingehen. Es wird nicht alles verpflastert, da machen wir uns viele Gedanken. Es gibt immer viele Meinungen, aber irgendwann muss man sich entscheiden." Die Verkehrsinseln würden insektenfreundlich bepflanz und die begrünte Dachfläche der Halle würde Wasser aufnehmen.

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