Steinach "Es geht hier um Leib und Leben"

Steinachs Bürgermeister Nicolai Bischler (von links) und der Zweckverbandsvorsitzende Philipp Saar nahmen den Förderbescheid für das Steinacher Rückhaltebecken von Umweltminister Franz Unsterstelle und dem Ersten Landesbeamten Nikolaus Stoermer entgegen. Foto: Kleinberger Foto: Schwarzwälder Bote

Steinach. Ein großes Puzzlestück im Netz des Hochwasserschutzes der Raumschaft Haslach kann endlich gebaut werden: Am Donnerstagmittag hat Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) persönlich den Förderbescheid des Landes für den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens in Steinach übergeben.

Zu der Feierstunde in der Welschensteinacher Allmendhalle erschienen neben den Bürgermeistern der Raumschaft – Nicolai Bischler (Steinach), Philipp Saar (Haslach), Helga Wössner (Mühlenbach), Martin Aßmuth (Hofstetten) und Thomas Schneider (Fischerbach) –­ auch die beiden Landtagsabgeordneten Sandra Boser (Grüne) und Marion Gentges (CDU) sowie den Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (CDU).

Zunächst begrüßte Saar in seiner Funktion als Vorsitzender des "Zweckverbands Hochwasserschutz Raumschaft Haslach" die Anwesenden. Er erinnerte an zahlreiche Hochwasserereignisse in Steinach, die im Jahr 2011 in der Gründung des Zweckverbands gemündet waren. Eine Untersuchung habe seinerzeit gezeigt, dass lokale Hochwasserschutzmaßnahmen bei weitem nicht ausreichten – ein Rückhaltebecken musste her.

Der Zweckverband hat seit seiner Gründung bereits zahlreiche Maßnahmen realisiert, bisher wurden rund 13,1 Millionen Euro investiert. Das Land fördert diese Maßnahmen zu 70 Prozent. Saar dankte für diese Zuschüsse ebenso wie dafür, "dass wir in Steinach mit dem Bau loslegen können".

Maßnahmen verschlucken hohe Beträge – Geld ist aber gut angelegt

Der Erste Landesbeamte des Ortenaukreises Nikolaus Stoermer befand, nach den zahlreichen großen Hochwasserereignissen "ziehen die Menschen hier die Köpfe ein, wenn es ausgiebig regnet". Der Antrag für das Becken mit 120 000 Kubikmetern Volumen sei im Jahr 2016 eingegangen. Wie alle Redner dankte er insbesondere den Grundstückseignern, die ihr Gelände zur Verfügung gestellt haben. "Sie nehmen selbst Nachteile in Kauf, um der Allgemeinheit etwas zu geben." Und befand: "Hochwasserschutz ist teuer. Noch teurer sind aber die Schäden, die ein Hochwasser verursacht."

Wie teuer der Schutz ist, wurde in Unterstellers Rede deutlich. Er übergab nämlich einen Förderbescheid in Höhe von 4,2 Millionen Euro seitens des Landes. Hochwasserschutz sei teuer, aber jeder Euro sei gut angelegt.

Untersteller dankte zudem für das Engagement im Zweckverband: Interkommunale Zusammenarbeit in Bereichen wie diesem sei absolut sinnvoll. "Da wurde mit viel Weitsicht gehandelt."

Der Minister erzählte überdies, dass er in den 60er- und 70er-Jahren oft mit seinen Eltern den Vollmerhof in Welschensteinach besucht habe. Sein Vater hatte dort als Erntehelfer gearbeitet.

Das Rückhaltebecken soll statistisch gesehen vor einem 50-jährlichen Hochwasser schützen. Joachim Corbe vom Planungsbüro "Wald und Corbe" erklärte, das sei bei Kurzregenereignissen machbar, aber bei länger anhaltenden Regenereignissen schütze es in jedem Fall vor einem 30-jährlichen Hochwasser. Klar müsse aber auch sein: "Einen absoluten Hochwasserschutz wird es nicht geben."

Der Weg bis zum positiven Bescheid für das Rückhaltebecken sei lang und oft nicht einfach gewesen, "er hat uns alle gefordert". Umso mehr freue er sich auf eine weiterhin positive Zusammenarbeit bei der Umsetzung.

Bürgermeister Bischler betonte, der Hochwasserschutz sei das beherrschende Thema der Gemeinde. "Es geht hier um Leib und Leben." Er dankte für die Förderung, denn die Gemeinde hätte den Betrag von insgesamt 6,1 Millionen Euro für die Maßnahme nicht allein aufbringen können. Ein besonderer Dank gelte auch den Vätern des Zweckverbands, den Bürgermeistern a.D. Heinz Winkler, Henry Heller und Frank Edelmann. "Wir profitieren von ihrer Weitsicht."

Der Baustart ist auf das Spätjahr 2018 gelegt. An der Realisierung der Maßnahme hängt auch die Frage, wie es mit dem Hochwasserschutz in Welschensteinach weitergeht.