Steigende Preise überall Bäckereien machen sich große Sorgen

Von Christine Störr, Aline Fischer und Christina Kornfeld
Ingrid und Armin Schmieder von der Hofstetter Bäckerei Kaltenbach leiden wie viele ihrer Kollegen im Kinzigtal unter den gestiegenen Preisen – von den Rohstoffen bis hin zur Energie. Foto: Störr

Die Energiekosten steigen und nicht nur das: Rohstoffe und Personalkosten bereiten den Bäckern im Kinzigtal ebenfalls Probleme. Viele berichten von Rekordanstiegen in kurzer Zeit und fürchten, dass es noch schlimmer kommt.

Mittleres Kinzigtal. Explodierende Preise für Mehl, Fett und Butter: Die Bäckereien im Kinzigtal, die teilweise schon lange Traditionsbetriebe sind, fürchten um ihre Existenz. Der Schwarzwälder Bote hat sich die aktuelle Lage der Betriebe angehört.n Hofstetten: In der Hofstetter Bäckerei Kaltenbach sagen Ingrid und Armin Schmieder ganz klar: "Die Preiserhöhung bei den Lieferanten kann nicht 1:1 an den Verbraucher weitergegeben werden."

Während Ingrid Schmieder von einer 15-prozentigen Preiserhöhung bei den Bäckerei-Artikeln und dem Lebensmittel-Bedarf fürs Dorfcafé spricht, steht Armin Schmieder beim Mehl sogar einer 30-prozentigen Erhöhung zum 1. Mai gegenüber. Begründet werde diese mit gestiegenen Beschaffungs-, Transport- und Lagerkosten.

"Aber die Versorgung ist gesichert, es gibt genug Getreide auf dem Markt", gibt Schmieder die Aussage seines Lieferanten weiter. Nachdem es sich beim Brot um ein Grundnahrungsmittel und damit einen existenziellen Bedarf handle, müssten Preiserhöhungen gegenüber den Verbrauchern äußerst sensibel abgewogen und kalkuliert werden. "Wir versuchen, das aktuelle Preischaos für unsere Kunden eine Zeit lang zu kompensieren und gute Lösungen zu finden", betont Armin Schmieder und hofft, dass sich das Preisniveau im Gesamten wieder stabilisiert.Gutach: Karl-Heinz Wöhrle, Inhaber des Dorfbeck, hat so etwas seit seiner Betriebsübernahme vor 26 Jahren noch nicht erlebt: "Wir kämpfen an allen Fronten". Das Bäckerhandwerk sei energielastig, egal ob zur Wärme- oder Kälteerzeugung. Die Backöfen werden beim Dorfbeck mit Öl geheizt, gekühlt wird mit Strom und es gibt einen mit Gas aus Flaschen betriebenen Herd zum Aufschlagen von Füllmasse oder Brandteig. Der Ölpreis wurde seit Mitte Februar um 40 Prozent erhöht, der Preis für die Gasflaschen habe sich verdoppelt. Er sei "gottfroh über den Wegfall der EEG-Umlage", sonst wäre es "ganz hart". Die drei Fahrzeuge des Unternehmens fahren wie bisher.

Die Probleme setzten sich bei den Rohstoffen fort: Der Butterpreis explodiere, sagt Wöhrle, zuletzt um 30 bis 35 Prozent. Der Preis für Mehl sei seit dem Herbst extrem gestiegen. Den richtigen Preissprung erwartet der Bäckermeister aber erst im Herbst, mit der neuen Ernte, er rechnet mit einer Steigerung um 50 Prozent. Sonnenblumenöl sei im Preis um 70 Prozent gestiegen, wenn es denn überhaupt zu bekommen sei. So sei er gezwungen, auf andere Pflanzenfette umzusteigen. Insgesamt schätzt er, dass die in seiner Backstube benötigten Rohstoffe um 50 Prozent teurer geworden sind und dass die Entwicklung noch weiter in diese Richtung geht.

"Da kommt was auf uns zu, was wir nicht abschätzen können", ist sich der Bäckermeister sicher. "Betriebe, die nicht ganz so gesund sind, bei denen die Banken vielleicht im Nacken sitzen, haben es sehr schwer", spricht Wöhrle für andere mittelständische Unternehmen im Nahrungsmittelbereich.

Zu den steigenden Kosten im Bereich Energie und Rohstoffe komme der angehobene Mindestlohn hinzu. Das habe eine Spirale in Gang gesetzt: "Die anderen wollen jetzt natürlich auch mehr". Müsste gar eine Maschine ersetzt werden, sei mit einer Kostensteigerung von 30 bis 40 Prozent zu rechnen. "Wir haben auf die Preise aufgeschlagen, aber das fängt es noch lange nicht auf. Das kann man nicht an die Kunden weitergeben, die Betriebe mussten und müssen viel selber schlucken."

Wöhrle kauft, wenn es irgendwie möglich ist, die benötigten Zutaten für seine Backwaren regional, die Milch beispielsweise in Gutach. "Auch das Kirschwasser muss von hier sein", betont er. Und er appelliert an die Verbraucher, ebenfalls regional einzukaufen, bei Landwirten, die ihre Produkte selbst vermarkten. Denn diese würden von den gestiegenen Rohstoffpreisen nicht profitieren.

 Wolfach: "Seit einem halben Jahr gehen die Preise stetig nach oben, für Mehl seit Anfang April zum Beispiel um 40 Prozent. Ich muss nun pro Kilogramm nun 70 Cent mehr zahlen", berichtet auch Bäcker Martin Leist aus Wolfach. Und die nächste Steigerung sei von seinen Lieferanten bereits angekündigt worden. Er habe ebenfalls die Preise für die Kunden schon erhöhen müssen, doch die gesamten Mehrkosten kann er nicht an die Verbraucher weitergeben. "Die haben ja auch selbst nicht mehr Geld", sagt der Bäcker. Die aktuelle Lage sei ein Rekord an Erhöhungen in kurzer Zeit. "Die Lohnkosten steigen ebenfalls. Hefe, Fett und Butter sind auch 20 Prozent teurer geworden, das Heizöl kostet mich nun 1,66 Euro pro Liter statt wie früher 70 Cent", so Leist. Das sei ein Fass ohne Boden und Leist fürchtet, dass all diese Preissteigerungen noch nicht die Spitze des Eisbergs sind.

Ukraine-Krieg als Ursache

Die Ukraine und auch Russland sind für Deutschland wichtige Lieferanten für Sonnenblumenöl und Getreide. Unbestellte Felder in der Ukraine, die Sanktionen gegen Russland, unterbrochene Transportwege und Männer, die für ihr Land kämpfen müssen, sorgen für Exportstopps und Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Rohstoffen, die zum Beispiel Bäcker für ihr Handwerk benötigen.