Spenden weiter erwünscht "Lahr hilft" fährt 101 Mal in die Ukraine

Herbert Schabel
Gabi Rauch und Nicolai Hoch beladen den Transporter, der am Donnerstag aus Lahr in die Ukraine fährt. Foto: Schabel

Bereits unmittelbar nach Kriegsbeginn am 24. Februar hat in Lahr die private humanitäre Hilfe für die Leidtragenden in der Ukraine begonnen. Diese Woche startet nun bereits der 102. Transport mit Lebensmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln.

Lahr - Dienstagvormittag in der Breisgaustraße 37: Gabi Rauch sortiert Kartons mit Kinderschuhen, Kleidung, Spielsachen und vor allem Feuchttüchern – die brauchen die Menschen in der Ukraine, um sich zu waschen, da die Wasserversorgung im Kriegsgebiet zusammengebrochen ist, wie Rauch erklärt. Die gebürtige Lahrerin organisiert das Lager des Vereins "Gemeinsam Europa", der aus der Initiative "Lahr hilft" hervorgegangen ist. Dafür stellt die Firma Vermundo bei sich kostenlos Lagerfläche zur Verfügung.

Im Hof steht ein Transporter – eine Spende für den Verein von einem Gönner, der ungenannt bleiben will. Der Wagen startet am morgigen Donnerstag vollbeladen in die Ukraine. Es wird der 102. Hilfstransport sein, der von Lahr aus losfährt, wie Nicolai Hoch im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. Der Student der Medienkulturwissenschaft aus Mietersheim hatte mit Pirmin Styrnol, Jan Alvarez und Mike Gruenwald die Initiative "Lahr hilft" ins Leben gerufen, da er den Opfern des Krieges "konkret helfen" wollte, wie er sagt.

Die Hilfsbereitschaft der Lahrer war überwältigend, es gingen Tonnen von Sachspenden ein. Hoch schätzt, dass in den vergangenen fünf Monaten insgesamt rund 300 Tonnen an Hilfsgütern von freiwilligen Fahrern aus Lahr in die Ukraine gebracht worden sind. Inzwischen seien die Sachspenden weniger geworden – einfach auch deshalb, da viele Menschen ihre Schränke leergeräumt und nun keine überschüssige Kleidung mehr abzugeben hätten.

Doch die Lahrer helfen weiter, wie Hoch betont – nun aber eher mit Geldspenden, die mindestens genauso willkommen seien. Bieten sie dem Verein doch die Möglichkeit, gezielt jene Güter einzukaufen, die in der Ukraine gerade am Dringendsten gebraucht werden. Etwa Medikamente oder die Feuchttücher zum Waschen. Man habe gute Kontakte in Kiew, Lviv, Cherson, Charkiw sowie in vielen weiteren ukrainischen Städten und erfahre so sofort, was vor Ort benötigt wird, so Hoch.

Ukrainische Soldaten sagen Danke

Dass die Hilfe ankommt, zeigen Fotos, die an der Wand des Lagers in der Breisgaustraße hängen – darauf sind Ukrainer mit strahlenden Mienen beim Auspacken der Pakete aus Lahr zu sehen. Man habe auch Videobotschaften von ukrainischen Soldaten erhalten, die sich bedanken, sagt Hoch, der im Vorstand von "Gemeinsam Europa" ist. Dieses Engagement sei ein Teil seines Lebens geworden. Er werde so lange weitermachen, wie die Hilfe gebraucht wird, sagt er.

Der Verein unterstützt aber nicht nur die Menschen im Kriegsgebiet, sondern auch Ukrainer, die nach Lahr ge- kommen sind. Man habe schon viele Wohnungen oder Gastfamilien für sie organisieren können, freut sich Hoch. Außerdem gibt Jan Alvarez Flüchtlingen aus der Ukraine regelmäßig Deutschunterricht – in einem Raum, den ebenfalls die Firma Vermundo zur Verfügung stellt.

Sachspenden können von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr in der Breisgaustraße 37 (direkt neben der Unterführung zum LGS-Gelände) abgegeben werden. Benötigt werden neben Medizin und Verbandsmaterial auch Dieselgeneratoren (5-7 kw), haltbare Lebensmittel, Babynahrung, Kleidung, Trekking-Schuhe, Schlafsäcke und Isomatten. Der Verein bittet um die Anlieferung in vorsortierten Kartons, um die Helfer zu entlasten.

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