Spargelsaison 2022 Gedrückte Stimmung bei Ortenauer Erzeugern

Marco Armbruster
Hinter den Erzeugern liegt eine herausfordernde Spargelsaison: Günstige Ware aus dem Ausland und eine gesunkene Nachfrage machten ihnen zu schaffen. Viele blicken zudem mit Sorge auf den im kommenden Jahr steigenden Mindestlohn. Foto: Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer

Die Ortenauer Erzeuger blicken auf eine herausfordernde Spargelsaison zurück: Niedrige Preise und wenig Nachfrage machten ihnen  zu schaffen. Offenbar schauten die meisten Kunden aufgrund der aktuellen Teuerung deutlich mehr aufs Geld. Die Ortenauer Erzeuger blicken auf eine herausfordernde Spargelsaison zurück: Niedrige Preise und wenig Nachfrage machten ihnen zu schaffen. Offenbar schauten die meisten Kunden aufgrund der aktuellen Teuerung deutlich mehr aufs Geld.

Ortenau -  "Trotz guter Wetterbedingungen, ausreichend Erntehelfern und besten Spargelqualitäten kam es bereits zu Beginn der Saison durch die verhaltende Nachfrage zu stark fallenden Preisen, die sich bis zum Saisonende hin kaum erholen konnten", lautet das Fazit des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE)  mit Sitz in Bruchsal zur Saison 2022. Gerade im Handel und Großhandel seien die Erzeugerpreise größtenteils und über viele Wochen kaum oder nicht auskömmlich gewesen. Nur in der Gastronomie und in der Direktvermarktung konnten die Betriebe zufriedenstellende Preise erzielen. Traditionell endet die Spargelsaison in Deutschland am Johannistag, 24. Juni.

"Nach den beiden Corona-Jahren, in denen gesundes Gemüse wie Spargel sehr nachgefragt war und die Direktvermarktung einen Auftrieb erlebte, war dieses Jahr von einer schwachen Nachfrage nach Spargel geprägt", konstatiert VSSE-Vorstandssprecher Simon Schumacher. Noch dazu sorgten gute Witterung und günstiges Stangengemüse aus dem Ausland gleich zu Beginn der Saison für eine Spargelschwemme auf dem deutschen Markt – ein Preisverfall war die Konsequenz. Dieser habe den Anbauern gerade in Kombination mit den  extrem gestiegenen Produktionskosten   zugesetzt, so Schumacher.

Wirtschaftliche Unsicherheit hält Kunden zurück

Spargelexperte Michael Koch von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft sieht die aktuelle Teuerung als Ursache für die verhaltene Nachfrage: "Die wirtschaftliche Unsicherheit der Verbraucher war der Hauptgrund für den schwierigen Verlauf der Spargelsaison: Weniger Verbraucher haben seltener und weniger Spargel gekauft."

Das haben auch die Ortenauer Spargelbauern spüren müssen.  "Es lief so einigermaßen", erklärt  etwa Harald Heitz vom Spargel- und Erdbeerhof Hügel und Heitz in Neuried im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass die Kunden weniger Spargel gekauft haben, sei deutlich zu spüren gewesen. "Jeder hat halt weniger Geld in der Tasche", so  Heitz. 

Steigende Produktionskosten machten auch dem Stockerhof in Neuried zu schaffen, berichtet dessen Chefin Carmen Maier. Der Ertrag sei gut gewesen dieses Jahr, doch die  höheren Kosten habe man nicht an die Kunden weiterreichen können. Die Folien zum Abdecken der Spargeldämme seien  etwa  50 bis 60 Prozent teurer geworden, so Maier, der Marktpreis für den Spargel bewegte sich aber größtenteils auf Vorjahresniveau oder sogar darunter. An und für sich habe der Verkauf bis auf eine Durststrecke von etwa zehn Tagen allerdings reibungslos funktioniert.

Mindestlohn beschäftigt Spargelbauern

"Die Spargelpreise standen lange unter Druck", bestätigt Experte Koch. "Erst zu und nach Pfingsten hat sich die Situation etwas entspannt. Dann war Spargel gesucht und die Preise haben langsam wieder angezogen", resümiert er. "Gegen Ende der Spargelsaison kehrte wieder mehr Normalität beim Einkaufsverhalten ein. Doch das konnte die Saison nicht mehr retten, da nicht mehr große Mengen zur Verfügung standen", berichtet Anbauberater Ludger Aldenhoff vom VSSE.   Mit Blick auf die kommende Saison fordere der VSSE dringend eine Entlastung der Betriebe durch geringere Bürokratie und das Einfrieren des Mindestlohns auf zwölf Euro, "um die inländische Produktion zu sichern", so Verbandssprecher Schumacher. Auch Harald Heitz blickt mit Sorge auf die ab Oktober greifende Mindestlohnerhöhung. Helfer habe er problemlos gefunden,  allerdings setzten seinem Betrieb neben den gestiegenen Material- und Energiekosten sowie niedriger Preise eben auch verstärkt die Personalkosten zu. "Und nächstes Jahr wird es mit zwölf  Euro Mindestlohn nicht besser", konstatiert Heitz.

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