Selbstversuch ohne Plastik Plastikverzicht ist gar nicht so einfach

Von Aline Fischer

Deutschland ist im Europa-Vergleich Meister im Wegwerfen. Jährlich landen mehr als sechs Millionen Tonnen Kunststoffabfälle auf Mülldeponien. Aber ist es möglich, im Kinzigtal komplett auf den Stoff zu verzichten?

Hausach/Mittleres Kinzigtal. In Plastik verpackte Lebensmittel, Plastikflaschen, Handyhüllen, Wattestäbchen und vieles mehr – die Produktion des Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten Stoffs hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Den Großteil des Plastikmülls machen dabei laut Statistischem Bundesamt Einwegverpackungen aus.

Problematisch ist dabei, dass die Zersetzung je nach Art des Kunststoffs hunderte Jahre dauern kann. Biologisch abbaubar sind Plastikabfälle grundsätzlich nicht. Nur eine geringe Prozentzahl des Plastikmülls wird überhaupt recycelt. Ist es möglich, im Alltag komplett oder zumindest größtenteils auf diesen problematischen Stoff zu verzichten, um dem Problem der immer größeren Vermüllung und in die Weltmeere gelangenden Plastikmüll entgegenzutreten? Wir haben den Test gemacht.

 Toilettenpapierkauf ist schwierig: Als ich für den Wocheneinkauf im Supermarkt war, ging es am Eingang in der großen Obst- und Gemüseabteilung noch recht gut ohne Plastik. Die Champignons in der Papiertüte, die Heidelbeeren in der Pappschale und alles andere einfach lose – störend sind hier nur die Kleber, die man nach jedem Wiegen auf Apfel, Zwiebel und Co. kleben muss. Auch der Joghurt, die Milch und die Sahne sind in Glasflaschen von Erzeugern aus dem Ländle erhältlich.

Die Mascarpone fürs Tiramisu hat aber leider wieder eine Plastikverpackung, ebenso wie die Löffelbiskuits. Bei spezielleren Wünschen wird es also schwierig, diese schnell im Supermarkt zu besorgen und gleichzeitig auf Plastik zu verzichten. Entweder müsste man hier seine Gewohnheiten umstellen oder alle Zutaten selbst herstellen.

Völlig unmöglich scheint der Plastikverzicht beim Kauf eines Alltagsgegenstands: dem Toilettenpapier. Alle Rollen sind hier in einer Plastikverpackung zu kaufen – ich entscheide mich zumindest für die Recycling-Variante.

Mit eigener Tupperdose auf dem Markt: Komplett ohne Plastik geht es im Supermarkt also schon mal nicht, eine sehr gute Alternative sind dafür aber die Wochenmärkte im Kinzigtal (siehe Info). Diese bieten gleich mehrere Vorteile: Die Produkte sind von lokalen Erzeugern hergestellt, die sie selbst anbieten. Am Haslacher Marktstand mit Antipasti werden die Oliven, Tomaten und der eingelegte Schafskäse aus Holztrögen heraus verkauft. Die Verpackung ist allerdings wieder aus Maisstärke, laut Herstellerangaben kompostierbar, aber auch dieser Stoff dauert lange bei der Zersetzung.

Deshalb bringe ich inzwischen meine eigenen Tupperdosen mit auf den Markt, um zumindest das Einwegplastik komplett zu vermeiden. Auch beim Restaurantbesuch zum Mitnehmen der Reste klappt das gut. In beiden Situationen braucht es aber eine recht gute Planung, wie viel Platz man benötigt. Bei einigen Haushaltswarenläden gibt es auch Metalldosen für den Transport von Essen, so kann komplett auf Plastik-Tupperdosen verzichtet werden. Feste Seife statt Plastiktuben: Auch in der Drogerie beim Kauf von Kosmetika gestaltet sich der Plastikverzicht erst einmal schwierig. Zahnbürsten werden mit Holzgriff angeboten, Zahnpasta aber gibt es – wenn auch im Papier verpackt – nur in Plastiktuben. Für die tägliche Körperpflege verwende ich schon länger feste Seife und festes Shampoo, so fällt lediglich die kleine Papierverpackung als Müll an. Bei Cremes achte ich darauf, Glastigel zu kaufen, um zumindest hier Plastik zu reduzieren.

Der komplette Plastikverzicht ist also sehr schwierig, wenn man schnell spezielle Dinge einkaufen möchte oder nicht alles selbst herstellen kann. Mit guter Planung kann im Alltag aber zumindest einiges an Verpackungsmüll reduziert werden.

Wochenmärkte im Kinzigtal

Die Wochenmärkte im Kinzigtal sind eine gute Möglichkeit, mit selbst mitgebrachten Gefäßen Plastikmüll zu vermeiden. Die Wochenmärkte in Wolfach und Haslach finden jeden Mittwoch und Samstag von 8 bis 12 Uhr statt. Der Hausacher Wochenmarkt ist immer Mittwoch und Samstag von 7 bis 12 Uhr auf dem Klosterplatz.

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