Seelbach Wildschweine im Visier

Mit dem Herbst beginnt die Hauptjagdsaison. Auch die Jäger rund um Seelbach gehen dann wieder verstärkt der Pflege des Lebensraums Wald nach. Insbesondere die Wildschweine werden sie dabei ins Visier nehmen: Die Population ist viel zu groß.

 

Schuttertal. Wer als Spaziergänger durch den Wald geht, nimmt die Massen an Schwarzwild nicht wahr. Doch auch im Unterholz des Waldes im Schuttertal vermehren sich die Wildschweine enorm: "Man rechnet mit einer Zunahme von 300 Prozent pro Jahr", sagt Kreisjägermeister Wolfgang Lauer, der als Vorsitzender der Jägervereinigung Lahr, die auch für die Gemeinden im Schuttertal zuständig ist. Er schätzt, dass jährlich 150 bis 200 Stück in diesem Gebiet abgeschossen werden.

Die Tiere werden auch von Martina Müllerleile geschossen. Sie jagd auf einem Grundstück von knapp 300 Hektar bei Seelbach. Dass sich die Wildschweine so stark vermehren, ist eine Beobachtung, die auch sie gemacht hat. Den Grund dafür sieht sie in den steigenden Temperaturen. Wegen der milden Winter überleben viele Jungtiere und gleichzeitig bieten die Pflanzen viel Nahrung.

Wie Lauer erklärt, sei der Herbst die ideale Zeit, "um den Überhang abzuschöpfen". In dieser Zeit sind die landwirtschaftlich genutzten Felder abgeerntet. Daher reduziere sich der Lebensraum ausschließlich auf bewaldete Gebiete. Außerdem seien im Herbst die Jungtiere im jagdfähigen Alter. Diese Verkleinerung der Wildschwein-Populatopm sei auch notwendig: Gibt es zu viele Wildschweine, würde es nicht nur noch mehr Schäden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen geben, auch Krankheiten kämen häufiger vor.

Gesunde Tiere können zu Wildbret weiterverarbeitet werden. Lauer: "Manche Menschen haben ganz krude Vorstellungen darüber, wie Bret schmeckt, wenn sie es noch nicht probiert haben." Die Jäger müssten den Leuten klarmachen: "Biologischer geht’s nicht", zumal die geschossenen Tiere keinen Schlachtstress haben. "Es gibt nichts Besseres als Wildbret", sagt Lauer. Die Ausstellung "Zauber der Wildbahn" auf der Landesgartenschau in Lahr soll ein Bewusstsein für diese Form des Fleisches schaffen.

Ethisch und qualitativ sei das Wildbret zwar das beste Fleisch, aber der Preis sei spottbillig. Man rechne bei Schwarzwild mit gerade einmal vier Euro pro Kilogramm und um die 35 Euro fürs Zerlegen des Tieres. Verkauft werde das Wild meist gerade einmal zum Selbstkostenpreis.

Alle Eigentümer von Grundstücken, auf denen Jagd ausgeübt werden kann, sind in den Jagdgenossenschaften Seelbach, Wittelbach und Schönberg zusammengeschlossen. Laut Auskunft der Verwaltung der Gemeinde Seelbach sind es aktuell elf Pächter, die den Wald zur Jagd nutzen. Weiterhin sind auf dem gleichen Gebiet weitere sechs Personen, die so viel Wald besitzen, dass sie einen eigenen Jagdbezirk haben. Ein solcher Bezirk muss eine Fläche von mindestens 75 Hektar umfassen.

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