Seelbach Theater: Zorro – vom Säufer zum Helden

Seelbach - Fechtszenen, Tanzeinlagen und Liebesschwüre – all das und noch mehr hat die ­Premiere von "Zorro" im ausverkauften Klostergarten geboten. Das Ensemble, Darsteller aus dem Schuttertal und Schauspieler aus Wien, überzeugte auf ganzer Linie.

 

Fröhliches Treiben vor der Cantina und fetzige Flamencos: Das ist der bunte und lebendige Auftakt von "Zorro". Aber: "Die guten Zeiten sind vorbei." Man kann das Unheil ahnen. Regisseurin Katja Thost-Hauser, die auf der Bühne die Rolle der Isabella de la Rente spielt, dreht die Geschichte um. Zorro? "Seine glanzvollen Zeiten sind vorbei, der kann sich kaum auf den Beinen halten." Die "Gringos", Rudi Larsen (Sergante Gonzales), Frank Schwörer (Pedro) und Friedrich Grud (Antonio) lachen laut los: Von dem Degen schwingenden Helden mit Umgang und Maske sei nichts übrig geblieben.

Weiteres Unheil kündigt sich an, als der neue Gouverneur Jose Darió Argüello (Christian Peter Hauser) als Tyrann wiederkehrt: Steuern eintreiben und eine Mauer an der mexikanischen Grenze errichten –­ das sind seine Vorhaben –­ das Endziel lautet "Kaiser von Amerika". Die einzige Hoffnung der Bewohner von San Juan Capistrano und der Indianer vom Stamm der "Acjachemen" wäre also Zorro (Thomas Koziol).

Etwa 30 Darsteller aus dem Schuttertal haben in einigen Hauptrollen sowie als Indianer und Mexikaner mitgewirkt. Ein Badener war auch darunter: Trudbert Schleckle, ausgewanderter Buchhalter aus dem Großherzogtum Baden. Siegfried Wacker war in dieser Rolle weder gut noch böse, sondern einfach umwerfend komisch. Gisela Griesbaum überzeugte in der Rolle der "Weißen Eule", an der sich das finale Gefecht entzündete.

Wie bereits berichtet, sind auch etliche sehr junge Darsteller Jahr dabei. Der Gesangauftritt der Schwestern Naemi und Lia Franke zu "Amazing Grace" war hinreißend. Ein besonderes Lob gebührt der gesamten Choreografie: Sowohl die Tänze der Indianer als auch die der Mexikanerinnen überzeugten.

Gernot Kogler aus Wien als Wirt der Cantina bestach durch seinen Gesang. Bemerkenswert waren die "Gringos", die mit ihren Slapstick-Einlagen für Auflockerung sorgten. "Zorro" Koziol überzeugte auf "Tornado", einem bühnenerfahrenen Friesenhengst, sowie in den Gefechtsszenen. Sogar die recht abrupte Wandlung vom Säufer zum Helden gelang ihm. Bruno Thost, der die Idee der Freilichtspiele vor jetzt 15 Jahren hatte, war gewohnt souverän in seiner Rolle als Padre.

Regie und Ensemble ist das Kunststück gelungen, diese Inszenierung anders als gewohnt aufzubauen. Es fehlt der Held, fast bis zur Hälfte des ersten Teils. Als Zorro endlich auftritt, ist er ein armseliger Säufer. Genau aus diesem Stoff ergab sich eine etwas andere Perspektive einer eigentlich fast schon abgedroschen Handlung. Zwischen Gut und Böse gab es gelungene Komik zur Abwechslung. Dafür gab es bei der ausverkauften Premiere am Ende stehenden Applaus und auch einige Male Szenenapplaus.

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