Seelbach Sperrung sorgt für Frust bei Firmen

Die sechstägige Sperrung des Schönbergs sorgt nicht nur bei den unzähligen Pendlern, sondern auch bei ansässigen Firmen für Frust. Foto: Kiryakova

Seelbach - Die vielen Baustellen im Schuttertal sorgen nicht nur für Staus, sondern auch für Unmut. Nun ist kommende Woche die B 415 auch noch für sechs Tage komplett gesperrt. Dies sorgt für allen bei ansässigen Betrieben für großen Frust.

Für Autofahrer im Schuttertal gilt zurzeit vor allem eines: Gelduld mitbringen. Seit Monaten ist die B 415 in Reichenbach für den LKW-Verkehr gesperrt. Eine Baustelle im Ortsteil Schuttertal hat vor Kurzem ebenfalls für Behinderungen gesorgt und nun ist auch noch der Weg von Lahr und Seelbach ins Kinzigtal von Montag, 11. November, bis Samstag, 16. November, nicht befahrbar. Dabei wird diese Strecke gerade von vielen Pendlern befahren. Zahlen für 2019 gebe es noch nicht. Im Jahr 2017 aber wurden im Laufe eines Tages 6098 Autofahrer auf dem Schönberg gezählt, teilte das Regierungspräsidium Freiburg auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Das sorgt nicht nur bei Pendlern und Anwohnern für Frust: Einige der Firmeninhaber in der Gemeinde Seelbach haben sich deswegen nun an die Presse gewandt: Ralf Wurth (Julabo), Markus Himmelsbach (IPC-Computer) und Karin Friesen (Breckle) erklärten, was sie – und andere Firmen in der Gemeinde – an der Sperrung der Schönbergstrecke besonders frustriert.

"Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt", äußert sich Wurth zur Informationspolitik von Gemeinde und Landratsamt. "Ich möchte nicht die Maßnahmen in Zweifel ziehen", sind sich alle drei geschlossen einig, fügen aber an, "die Absprache mit uns fehlte." Die Baustelle in Reichenbach, die noch bis Sommer 2020 für Beeinträchtigungen sorgen wird, hat die Firmen bereits getroffen. IPC-Computer, die viele Express-Pakete versenden, haben auf die Sperre in Reichenbach reagiert und setzen seitdem Sprinter ein, die die Umleitung in Reichenbach passieren können. Dies würde aber nur bedingt helfen, sagt Himmelsbach. Da die Fahrzeuge weniger laden können, müssten mehr Autos fahren.

Für die Firmen Breckle und Julabo sieht die Situation ähnlich aus. Es gebe wirtschaftliche Nachteile, bestätigen Friesen und Wurth. Umgekehrt hätten die Zulieferer Schwierigkeiten, die Termine einzuhalten. Die Lieferkette wäre klar beeinträchtigt. Ärgerlich sei dazu die neue Sperre über den Schönberg, die nun komme. Der November, das sind sich alle drei einig, wäre der umsatzstärkste Monat des Jahres. Da wolle man keine unzufriedenen Kunden haben.

Insgesamt sind etwa 900 Mitarbeiter aller Seelbacher Firmen zusätzlich betroffen. Sie fahren aus dem Kinzigtal über den Schönberg in das Schuttertal zur Arbeit. Jetzt wäre der Umweg über den vorderen Geisberg oberhalb Schweighausen unvermeidlich – oder ein Umweg durch Lahr und Reichenbach. Das würde etwa eine Stunde zusätzlich Zeit kosten. Für LKWs bliebe ebenfalls nur der Geisberg oder der kurvenreiche Streitberg zwischen Dörlinbach und Ettenheimmünster.

 Ärgerlich sei, betonten alle, dass man vonseiten der Gemeinde erst etwa zehn Tage vor der Sperrung des Schönbergs informiert wurde. Vonseiten des Landratsamts sei nichts geschehen, klagen die Firmeninhaber.

Auch auf der anderen Seite des Schönbergs wird sich über die Sperrung geärgert. Besonders gebeutelt ist die Firma Kies Uhl aus Hausach. "Wir sind regelrecht eingekesselt von Sperrungen: Die Gutacher Ortsdurchfahrt war lange gesperrt, jetzt ist es die in Mühlenbach, der Tunnel in Hausach ist nur halbseitig befahrbar und jetzt noch der Schönberg", klagt Chefdisponent Rares Schuster. Die Umwege für die Lastwagen seien enorm. Hinzu kommt das Nadelöhr Haslach, durch das sich mangels Umfahrung der gesamte Verkehr quetscht. Dort verlören die Lastwagen viel Zeit. "Das schlägt sich alles natürlich auch finanziell nieder", so Rares.

Besser sieht es hingegen bei der Spedition Kern aus. Die Schönberg-Sperrung bringe für die Spedition aus Steinach keine neuen Probleme mit sich. Denn die Fahrer müssen derzeit sowieso ausweichen. "Mit dem LKW dürfen wir schon länger nicht mehr über den Berg. Deshalb fahren wir Umwege", erklärt der Leiter der Disposition, Michael Schlöpke. Nur sehr wenige Mitarbeiter würden mit dem Auto liefern, weshalb die Komplettsperrung betrieblich keine großen Konsequenzen nach sich zieht.

Arbeiten können nicht aufgeschoben werden

Laut der Pressemitteilung des Landratsamts sind Arbeiten an der Strecke unumgänglich. Die Trockenjahre 2018 und 2019 hätten an den Bäumen so viele Schäden verursacht, dass die Sperrung und Arbeiten am Waldrand unerlässlich seien Warum aber nun jetzt? Bereits 2018 sei klar gewesen, dass solche Maßnahmen notwendig werden, heißt es aus der Pressestelle des Landratamts. Das Ausmaß der Baumbeschädigungen und die Dringlichkeit seien nach dem Trockenjahr 2019 dann erst richtig deutlich gewesen, weshalb die Maßnahme nun nicht mehr aufgeschoben werden könne.

Die SWEG muss mit keinen Einschränkungen im Busverkehr rechnen. Der Linienverkehr wäre nicht von der Sperrung am Schönberg betroffen, Christoph Meichsner von der SWEG. Und auch bei den Freizeitbussen, die über den Schönberg fahren, hat die SWEG noch einmal Glück gehabt: Der letzte Freizeitbus in diesem Jahr fährt am 10. November.

  • Bewertung
    2