Seelbach Seniorinnen-WG zieht positive Bilanz

Annika Schubert

Im Sommer ist sie eingeweiht worden – die Seniorenresidenz Pfarrscheune in Schuttertal. Im Vergleich zu anderen Pflegeeinrichtungen wartet sie mit einem etwas anderen Konzept auf. Die Vorsitzende der Bürgergemeinschaft zieht Bilanz.

Schuttertal. Etwas mehr als vier Monate ist es nun her, dass in der Pfarrscheune in Schuttertal die ersten Bewohnerinnen eingezogen sind. "Wir sind aktuell eine reine Frauen-WG", erklärt Ursula Gruninger im Gespräch mit der LZ. Sie ist die Vorsitzende der Bürgergemeinschaft "Soziales Miteinander Schuttertal". Zehn Seniorinnen im Alter von 75 bis 96 Jahren mit unterschiedlichen Pflegestufen leben in der großflächigen Wohnung im ersten Stock der Pfarrscheune. Zwei Zimmer seien aktuell noch frei, so Gruninger (siehe Info).

Auch im Alter eingebettet in die Dorfgemeinschaft

Die Bürgermeinschaft hat das Wohnprojekt mit auf den Weg gebracht. Die Bilanz nach den ersten Monaten des Zusammenlebens und Arbeitens sei "sehr gut", erklärt Gruninger. Sie glaube, dass das Zusammenwohnen auch den Bewohnerinnen gut gefalle. Am Morgen des Besuchs unserer Redaktion ist sportliche Aktivierung mit einem Fallschirm-Schwungtuch und Tennisbällen in der geräumigen Wohn-Ess-Küche der "Seniorinnen-WG" angesagt. Man möchte den Bewohnerinnen immer wieder Highlights anbieten – vom gemeinsamen Kirchgang über Spiele bis hin zu im Haus veranstalteten Konzerten, so Gruninger. "Die Seniorinnen dürfen dann immer selbst entscheiden, ob sie mit dabei sein wollen." Selbständigkeit fördern und bewahren und das eingebettet in die Dorfgemeinschaft, das sei den Initiatoren des Projektes sehr wichtig.

Im Zentrum des Wohnprojekts stehe das Thema "selbstbestimmtes Wohnen im Alter". "Es ist politisch so gewollt, dass die Menschen im eigenen Dorf alt werden können", sagt Gruninger. Schon im Jahr 2013 habe sich die Gemeinde Schuttertal diesbezüglich auf den Weg gemacht, einen Arbeitskreis gegründet, das Konzept für das Wohnprojekt in der Pfarrscheune entworfen. Dazu gehörte auch die Ausbildung von 16 Alltagsbegleiterinnen, die alle in Teilzeit für die Betreuung, sofern diese von den Seniorinnen gewünscht ist, aufkommen. Die Betreuerinnen kämen fast alle aus den drei Ortsteilen der Gemeinde Schuttertal, so Gruninger. Gerade für die Bewohnerinnen sei es schön, über die Alltagsbegleiterinnen, einen Anknüpfungspunkt an das gewohnte dörfliche Leben zu haben. Denn sieben der zehn Seniorinnen stammen ursprünglich auch aus Schuttertal.

Angehörige und Bewohnerinnen entscheiden mit 

Für Familien und auch für die Seniorinnen selbst sei der Schritt, sich für eine Betreuung außerhalb des eigenen Zuhauses zu entscheiden, kein einfacher, erklärt Gruninger. "Viele Familien schieben diese Frage lange Zeit auf", sagt sie. Damit der Bruch zwischen dem gewohnten häuslichen Umfeld und der neuen Umgebung in der Pfarrscheune nicht zu intensiv empfunden werde, haben Angehörige und Bewohnerinnen die Möglichkeit, bei allem mitzuentscheiden. Ebenfalls hätten die Angehörigen das Hausrecht, und könnten somit flexibel vorbeikommen. Manche kämen, um die Wäsche zu machen, gemeinsam Kuchen zu backen oder die betreute Angehörige für einen Spaziergang mit nach draußen zu nehmen.

Die selbstbestimmte Wohngruppe biete dementsprechend nicht nur praktische Unterstützung im Alltag, sondern auch emotionale. Denn wenn eine Seniorin Besuch bekomme, würden sich die anderen meist dazugesellen. Auch für die Angehörigen sei das schön, denn man könne weiterhin ein Stück Alltag miteinander teilen.

Info: Das kostet's

Die finanzielle Selbstbeteiligung für ein Zimmer im Wohnprojekt der Pfarrscheune liege bei etwa 2500 Euro pro Monat und damit leicht unter den Kosten für ein Zimmer in einem gewöhnlichen Pflegeheim, so Gruninger.

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