Seelbach Klopapier für den "Löwen"

Äpfel, Kartoffeln, Desinfektionsmittel und Klopapier – diese kuriose Mischung gab es am Mittwoch auf dem Schönberg zu kaufen. Es war jedoch kein Geschäft mit Corona, sondern ein Werbegag für das Gasthaus Löwen, das bald wieder eröffnen soll.

Seelbach. Klopapier und Desinfektionsmittel sind in den Zeiten von Corona rar – also wird ein Stand, der so etwas anbietet, sicher Neugier erregen. So der Gedankengang von Jens Haas und Dietmar Rombach. Tatsächlich dürfte ihr Stand, auf dem außerdem noch Küchentücher, Kartoffeln und Äpfel angeboten wurden, am Mittwoch die Attraktion auf dem Schönberg-Parkplatz gewesen sein – und rief sogar die Polizei auf den Plan.

Die kuriose Verkaufsmischung war aber legal, wie ein Anruf bei der Stadt Seelbach zeigte. Die beiden Männer haben das Grundstück rund um das Gasthaus Löwen, auf dem sie ihre Waren verkauften, gepachtet und auch ein Gewerbe angemeldet. Auch die Preise hielten sich im Rahmen: vier Euro für die Flasche Desinfektionsmittel und 3,50 Euro für einen Zehnerpack vierlagiges Toilettenpapier. Das Ziel des Verkaufsstands war es nämlich nicht, Gewinn zu machen, sondern Aufmerksamkeit zu erregen, dass "sich am Löwen was tut". Aktuell befindet sich die Gaststätte noch im Dornröschenschlaf, doch das wollen die beiden ändern – sobald die Corona-Krise vorbei ist. Schon jetzt vermieten die zwei Geschäftsleute, die hauptberuflich bei einer Baufirma arbeiten, dort Wohnungen. Nach dem Ende der Krise sollen dort noch weitere renoviert werden und auch rund um den Gasthof soll einiges geschehen. Haas will aus diesem wieder ein richtiges Schmuckstück machen, den schönen Innenhof wieder herzurichten, die Gastzimmer gemütlich einzurichten und eine gutbürgerliche Küche anzubieten. "Wir werde zivile Preise verlangen, damit viele sich das leisten können", erklärt er.

Noch zuvor soll rund um das Gasthaus ein Streichelzoo entstehen und jeden Samstag ein Wochenmarkt stattfinden, wo Bauern regionale Produkte wie Weine oder Meerrettich anbieten können. Kurzum: Rund um das Gasthaus soll ein richtig schönes Ambiente entstehen, das zum Verweilen einlädt und ein Anziehungspunkt in der Region werden soll.

Hat den beiden Pächtern ihre kuriose Werbeaktion dabei geholfen, die nötige Aufmerksamkeit zu erregen? "Die Leute waren zwar neugierig, aber die meisten seien nur langsam mit dem Auto vorbeigefahren, ohne anzuhalten", berichten sie. Gespräche hätten sich keine ergeben. Nichtsdestotrotz wollen die beiden am Samstag aber wieder Äpfel und Kartoffeln verkaufen. Ob sie dazu aber nochmals Toilettenpapier und Desinfektionsmittel anbieten werden, müssten sie sich noch schwer überlegen.

Der "Löwen" in Seelbach wirbt damit das älteste Gasthaus Deutschlands zu sein. Es wurde 1231 von den Gerold­eckern erbaut, um die Arbeiter, die damals die Burg Hohengeroldseck erbauten, zu beherbergen. Seite mehreren Jahren ist die Traditionsgaststätte jedoch geschlossen.

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