Seelbach Großer Unmut beim Seelbacher Trainer

Seelbachs Trainer Domenico Bologna kritisiert den Beschlussvorschlag des Verbands, der keine Relegation vorsieht. Foto: Künstle

Seelbach - Wäre Domenico Bologna ein Handballtrainer, dann hätte er sich am Dienstagabend wohl mit einem möglichen Aufstieg beschäftigt. Da er jedoch seit Jahrzehnten kickt, musste er am Mittwochvormittag folgendes sagen: "Ich bin richtig niedergeschmettert." Grund ist die Empfehlung der drei baden-württembergischen Landesverbände, die Saison zum 30. Juni zu beenden und dabei nur den Meister aufsteigen zu lassen.

Spitzenreiter ist enteilt

In der Bezirksliga wäre das der SV Niederschopfheim, der nach 18 Partien bereits zwölf Punkte Vorsprung auf den Zweiten aus Seelbach hat. Daran, dass der SVN in dem Fall, dass der außerordentliche Verbandstag am 20. Juni den Abbruch beschließt, aufsteigt, stört sich keiner. Bologna kritisiert vielmehr den Vorschlag, keine Aufstiegsspiele stattfinden zu lassen: "Das ist für uns katastrophal, wir haben so viel investiert."

Handball regelt es anders

Die Begründung des Verbands für diesen Weg: "Während die SBFV-Spielordnung vorsieht, dass alle Meister von der Verbandsliga bis zu den Kreisligen C aufsteigen, bedeutet eine Platzierung, die zur Teilnahme an Relegations- oder Aufstiegsspielen berechtigt, nur eine Aufstiegschance. Ob aus dieser Aufstiegschance ein Aufstiegsrecht erwächst, kann sportlich nicht ermittelt werden. Zudem ist auch nicht ersichtlich, wie anhand anderer sportlicher Kriterien einem von mehreren Vereinen daraus resultierend ein Aufstiegsrecht zugesprochen werden könnte."

Im südbadischen Handball hat man jedem Relegationsteilnehmer das Aufstiegsrecht zugesprochen, die Fußballer wählen den gegenteiligen Weg. So will man verhindern, dass zu viele Teams nach oben kommen. "Wir wissen, dass das ein Punkt ist, der zu Diskussionen führt", sagte SBFV-Präsident Thomas Schmidt dazu am Dienstag.

Mentaler Rückschlag

Und diese Diskussion lässt dann auch nicht lange auf sich warten. "Ich fühle mich absolut falsch behandelt", sagt Bologna. Schon am Dienstag habe er einen Anruf des Rastatter (Zweiter der Bezirksliga Baden-Baden und damit potenzieller Relegationsgegner des FSV) Trainers erhalten, so Bologna. Auch sein Kollege sei mit der Beschlussvorlage des Verbands unzufrieden. Bologna werde daher nun versuchen, weitere Trainer von Tabellenzweiten zu kontaktieren.

Auch rechtliche Schritte könne er sich vorstellen, wobei er erst prüfen müsse, welche Mittel er als Trainer habe und wie die Haltung des Vereins sei. Klar ist für ihn aber, dass die verpasste Aufstiegschance "mental ein Riesenrückschlag" für seine Elf und auch für ihn wäre. "Mit dieser Entscheidung würde der Verband vieles kaputt machen. Das wird meine Einstellung zum Fußball ändern."

Es gibt keinen Königsweg

Dass es nicht nur Jubel bei den Vereinen – vor allem jenen, die wie der FSV an der Schwelle zum Aufstieg standen – geben wird, dürfte auch den Verbänden klar sein. Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident und Präsident des Badischen Verbands, sagte am Dienstag: "Die eine perfekt Wunschlösung gibt es einfach nicht." Das ist auch Bologna klar. "Ich weiß, dass die Situation schwierig ist", sagt er. Die nun auf den Weg gebrachte Entscheidung bezeichnet er jedoch als "inakzeptabel" und schlägt vor: "Wenn der Pokal stattfindet, können auch Relegationsspiele stattfinden."

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