Seelbach Gesichter erinnern an Leid

Seelbach - Kamal Ismael macht aus Seelbacher Erde Charakterköpfe, die an Menschen aus Syrien erinnern. Der Künstler will damit auf das Leid aufmerksam machen, was immer noch sein Land heimsucht und dem er selbst entkommen konnte.

Ein Gesicht für das Grauen und den Verlust 

Mit Seelbacher Erde dem Grauen und dem Verlust der eigenen Heimat ein Gesicht geben – das hat sich der Künstler Kamal Ismael zur Aufgabe gemacht. Er gestaltet Büsten von Männern, die an Menschen aus seiner alten Heimat in Syrien erinnern. Seine Erinnerungen sind getragen von Verlust und Trauer, aber auch Hoffnung auf ein neues Leben in Seelbach.

Von Falten zerfurcht sind die Gesichter männlicher Köpfe. Eine Gestalt hält sich die Hände vor das Gesicht. Die Symbolik stehe für ein "nichts mehr Sehen wollen und können", sagt Ismael und beschreibt damit, dass die Menschen vor dem Leid in Syrien am liebsten die Augen verschließen würden. Im Winter stellt er die Figuren in seinem kleinen Badezimmer her.

Seit diesem Sommer gestaltet er Charakterköpfe. Abbildungen von Männern, die alterslos erscheinen und doch schon so viel erlebt und gesehen haben, als würde dieses eine Leben dafür nicht ausreichen. Für Ismael sind seine Figuren ein Spiegelbild des Schmerzes und der Trauer seines Volkes. Er lebt seit fünf Jahren in Seelbach und seit drei Jahren in der Kirchstraße. Ein paar Meter vom Haus entfernt bearbeitet er ein Gartengrundstück. Obst und Gemüse sind zwischenzeitlich geerntet.

Seelbacher sind zu neuen Freunden geworden

Die Erde im Garten hat ihm Erinnerungen an seine eigene Kindheit in Syrien zurückgebracht. "Als kleiner Junge habe ich immer mit der Erde gespielt und Figuren geformt", erzählt der 52-Jährige, der im Restaurant Schwarzwaldhof arbeitet, zumindest dann, wenn dieses nicht wie aktuell aufgrund des Lockdowns geschlossen bleiben muss. Flucht und Angst um das nackte Überleben hätten bei ihm damals viele schöne Erinnerungen überlagert.

Die Erde seines Gartens erinnert ihn an die Jahre seiner Jugend, bevor er im Hotel Meridian in Aleppo als Hausmeister gearbeitet hat, in der Stadt, die er liebte und die zerbombt worden ist. Ismael war zuhause erfüllt von seiner Arbeit im Hotel, als Taxifahrer oder als Maler. Stolz erzählt er von seinen drei Berufen, die seiner Familie ein gutes Einkommen gesichert haben. Der Krieg in Syrien und die Flucht hätten alles zerstört.

Beklagen will sich Ismael trotzdem nicht. In der Kirchstraße lebt er mit seiner Familie, Ehefrau Yuksel und dem 19-jährigen Sohn. Die 23-jährige Tochter ist mittlerweile verheiratet und wohnt in München. Zur gesamten Nachbarschaft pflege er ein gutes freundschaftliches Verhältnis. Franz Munz, seinen Nachbarn gegenüber, bezeichnet er als seinen Freund. Ihm hat er dann auch seine ersten Skulpturen geschenkt.

In Seelbach erlebt Ismael ein Stück Heimat, Frieden und Freundschaft. Nicht weit weg wohnt auch Herbie Wickertsheim, der Gründer der Band "The Wordlerers". Ismael ist ebenfalls Gründungsmitglied und spielt seit fünf Jahren in der Band die Saz Tambur, ein Saiteninstrument, das ebenfalls an seine Heimat erinnert.

Ausstellung beim Nachbarn zu sehen 

Zwei Figuren sind im Garten von Franz Munz zu besichtigen. In der Kirchstraße 11 in Seelbach können Schaulustige die Tonköpfe mit den Abbildern von syrischen Gesichtern begutachten.

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