Seelbach Freude über Verjüngung im Forst

In der Forstwirtschaft wird in größeren Zeiträumen geplant. Bei einer Waldbegehung auf Seelbacher Gemarkung ging es darum, was dort in den nächsten zehn Jahren passieren soll – und wie sich der Wald in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat.

Seelbach. Ausgangspunkt war am Montag im Wald unterhalb der Burg Lützelhardt, wo sich Bürgermeister Thomas Schäfer und einige Gemeinderäte mit Revierleiter Hans-Jörg Fries und Forstrat Konstantin Straub trafen. Mit den Bussen von Feuerwehr und des DRK wurden die Teilnehmer in den Forst gebracht, um dort "Waldbilder" zu begutachten. Die Forstbeamten zeigten anhand von Übersichtskarten die Baumarten und das Alter der Bäume. Straub hatte Zahlen und Maßnahmen für den neuen Forsteinrichtungszeitraum (FEZ), der von 2020 bis 2029 dauert, zusammengestellt.

Die Exkursion führte an Stellen vorbei, an denen geplante Vorhaben gezeigt wurden, die den Wald auch in Zeiten des Klimawandels zu einem ökologisch hochwertigen Ort machen sollen. Der Wald dient eben nicht nur dem Erlös durch Holzverkäufe, sondern hat auch eine Erholungsfunktion für die Menschen. Seine Aufgabe als Wasserspeicher darf ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden, wobei die Fläche im Bereich Lützelhardt wegen der sandigen Böden diesem Anspruch nur wenig gerecht wird.

Revierleiter Fries schilderte, dass man weg von der Monokultur und den Forst als Mischwald aufbauen will. Deshalb sollen nicht mehr riesige Flächen abgeerntet, sondern gezielt wirtschaftlich nutzbare Bäume dem Verkauf zugeführt werden. So erhalte jeder Baum eine fast individuelle Entwicklungsmöglichkeit. Vielen ist beispielsweise nicht bekannt, dass sich bei Neupflanzungen eine Eiche nicht gegen die Buche durchsetzen kann und daher besondere Pflege nötig ist, um die Vielfalt im Forst zu erhalten.

Monokultur soll durch Mischwald ersetzt werden

Immer wieder zeigten die Vertreter der Forstverwaltung, dass alles versucht wird, dem Klimawandel zu begegnen. Leider würden dazu Ergebnisse aus der Forschung fehlen, da ein Baum zig Jahre brauche, bevor sein Holz genutzt werden kann. Deshalb ist die Forstwirtschaft auf Beobachtungen und Versuche angewiesen, um reagieren zu können. Im Seelbacher Gemeindewald ereigneten sich in den vergangenen zehn Jahren keine größeren Schadensfälle, sodass die Planzahlen am Ende des Forsteinrichtungszeitraums 2010 bis 2019 fast zu 100 Prozent erreicht werden konnten.

So manch einer freute sich, als bei der Waldbegehung Regen einsetzte, der für den Wald sehr wichtig ist. Als sehr gut bewertete Forsteinrichter Straub die Naturverjüngung, die der weiteren Entwicklung des Waldes und damit auch dem Ertrag diene. Hans-Jörg Fries ergänzte mit den Worten: "Mit Vorhandenem so lange wie möglich wirtschaften." Die Naturverjüngung sei auch eine Chance für den Wald, sich ein Stück weit selbst zu helfen, was aber ohne eine geschickte Hand des Revierleiters nicht funktionieren wird. Daher gab es Anerkennung für die Arbeit von Fries seitens seines Kollegen. Im den nächsten FEZ sollen vermehrt Douglasien, Weißtannen und Traubeneichen gepflanzt werden

Straub kommt aus dem Raum Waldshut, in dem große Dürreschäden zu verzeichnen sind, die nicht absehbare Folgen für die dortigen Waldbesitzer haben werden, wie er erzählte. Gerade trockene Böden seien nichts für die Buche, die bei Trockenheit sehr schnell Schaden nehme und instabil werde.

Oberhalb des Campingplatzes ging es über den Fichtendobelweg an mehreren Stellen vorbei, in denen durch Naturverjüngung neuer Wald entsteht. Dank lichter Waldstrukturen sollen dort Nutzinsekten einen Platz finden.

Forstrat Straub erwartet höheren Holzertrag

Der Weg führte auch an einer Fläche vorbei, die 1999 durch den Orkan Lothar verwüstet worden war. Dort können schon erste Ernteergebnisse erzielt werden. Damals wurden im Gemeindewald Seelbach insgesamt 30 Hektar Wald zerstört.

Im Gruppenraum der Feuerwehr Wittelbach stellte Straub anschließend die vergangenen und die kommenden zehn Jahre des Gemeindewaldes in Zahlen dar. Bis 2019 sind 17 229 Festmeter eingeschlagen worden –­ bis 2029 sollen 23 967 Festmeter geerntet werden. Der höhere Ertrag beim Einschlag liegt daran, dass die Erntefestmeter pro Jahr und Hektar mit 9,7 angesetzt waren, für die nächsten zehn Jahre jedoch auf 12,5 festgesetzt worden sind. Von den 260 Hektar Gemeindewald sollen insgesamt 16,2 Hektar verjüngt werden, davon 11,8 Hektar als Naturverjüngung und 4,4 Hektar durch Pflanzmaßnahmen. Es sollen keine neuen Waldwege gebaut werden, dafür sind etwa 2300 Meter Maschinenwege geplant.

Im Ergebnis dieser Waldbegehung wurde der Zustand des Gemeindewalds als positiv beurteilt, sodass die Gemeinde auch weiter auf Gewinne aus dem Forst hoffen darf. In der Sitzung am 18. November kommt das Forsteinrichtungswerk als Beschlussvorlage in den Gemeinderat.

Der Seelbacher Gemeindewald hat eine Fläche von 260 Hektar, die zu 26 Prozent von Laub- und zu 73 Prozent von Nadelbäumen bedeckt wird. Das Bild wird sich im nächsten, zehnjährigen Forsteinrichtungszeitraum etwas zugunsten der Laubbäume verändern, deren Anteil auf 29 Prozent steigen soll.

  • Bewertung
    2