Seelbach Theater: Ein Stück zu Ehren von Bruno Thost

Seelbach - Im kommenden Jahr wird "Jedermann" erneut bei den Freilichtspielen im Seelbacher Klostergarten gespielt. Das Stück wird als Erinnerung an den verstorbenen Bruno Thost aufgeführt, der 2004 "Jedermann" in Seelbach inszeniert hatte.

Diese Wahl ist nicht so überraschend, wie es scheinen mag. Mit "Jedermann" unter der Regie von Bruno Thost begannen die Freilichtspiele im Jahr 2004. Nach dem Ende der letzen Vorstellung der Freilichtspiele wird traditionsgemäß bekannt gegeben, welches Theaterstück im kommenden Jahr hier gespielt wird. Der Titel, der bis zum Schluss geheim ist, wird vom Seelbacher Publikum jedes Jahr von Neuem mit Spannung erwartet.

Am späten Sonntagnachmittag verkündigte Bürgermeister Thomas Schäfer schließlich nach der letzten Aufführung von "Der Sturm", dass "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal im Jahr 2020 gespielt wird. Diese Wahl ist zweifelsohne eine gewollte Überraschung. Mit "Jedermann" haben die Freilichtspiele im Jahr 2004 – damals im Hof des Schlosses Dautenstein – ihren Anfang genommen. Es war das erste Stück, das sich aus Schauspielern um Bruno Thost (Burgtheater Wien) und Darstellern aus dem Schuttertal zusammensetzte. Und ist somit auch ein Gedenken an den ehemaligen Intendanten. Thost, der seine Jugend in Seelbach verbracht hatte und mit dem Ort sehr verbunden gewesen war, legte den Grundstein für die Freilichtspiele Seelbach. Er selbst war bis zum Jahr 2015 Intendant, danach übergab er die Verantwortung ganz in die Hände seiner Tochter Katja Thost- Hauser. Sie spielt, führt Regie und ist für die Inszenierung und das Drehbuch verantwortlich.

Die Handlung ist zeitlos und auch heute noch aktuell

Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" feierte am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann seine Uraufführung. Seit 1920 wird das Stück jedes Jahr bei den von Hofmannsthal begründeten Salzburger Festspielen aufgeführt und zählt zu den meistgespielten Bühnenklassikern.

Die Handlung ist zeitlos und auch heute noch sehr aktuell: Jedermann ist reich. Auf dem Weg zu seiner Buhlschaft verweigerte er aber den armen Nachbarn eine milde Gabe. Den Schuldknecht ließ er ins Gefängnis bringen. Die Mahnungen seiner kranken Mutter hört er nicht. Auf einem Bankett ängstigen ihn plötzlich Todesahnungen.

Als der Sensenmann mitten im Trubel den verängstigten Jedermann zu seiner letzten Reise aufruft, bittet er Freunde, Verwandte und zuletzt seinen Besitz um Begleitung. Doch es sind nur seine guten Taten, die bei ihm bleiben. In seiner Verzweiflung muss Jedermann erkennen, dass er in seiner Gier nach Reichtum und durch seinen unsteten Lebenswandel die wahren Werte vernachlässigt hat. Als der Teufel schließlich Jedermanns Seele mit sich nehmen will, begnadigt ihn Gott, von Jedermanns innerer Wandlung überzeugt, in letzter Minute.

Stück biete viele Möglichkeiten zur Interpretation

Die spannende Handlung bietet viele Möglichkeiten zur Interpretation. Die Regisseurin Thost-Hauser, die gerne den Vorlagestoff mit aktuellen Themen und modernen Elemente verknüpft, wird dem Publikum mit der Inszenierung bestimmt wieder ein unvergessliches Theatererlebnis bescheren.

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