Seelbach Ein Stück Schweiz in Seelbach

Wer die Schutterbrücke in Seelbach überqueren möchte, kommt an einem blauen Hinweisschild nicht vorbei: Klein Basel, Zollbezirk steht dort. Aber warum eigentlich? Walter Vetterer, der selbst jahrelang in Klein-Basel gewohnt hat, kennt die Hintergründe.

Seelbach. Die Geschichte hinter dem markanten blauen Schild ist fast 100 Jahre alt. Damals hatte es in Seelbach noch die Wirtschaft "Grüner Baum" in der Streingrabenstraße gegeben, das Gebäude wird heute als Wohnung genutzt.

Die beiden Söhne des damaligen Seelbacher Wirts arbeiteten einige Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs unter der Woche in der Schweiz, genauer gesagt in Basel. Mit dem Bähnle fuhren sie von Seelbach nach Lahr und anschließend mit dem Zug nach Basel, wo sie den Rhein überqueren mussten, erzählt Vetterer. Kamen sie am Wochenende wieder in Seelbach an, mussten sie um in die Steingrabenstraße zu gelangen ebenfalls ein – wenn auch deutlich schmaleres – Gewässer überqueren. Die Schutter.

Besagte Steingrabenstraße ist die Verlängerung der Steinbachstraße. Letztere Straße bildet auch das Gebiet Klein-Basel. Zwischen beiden Straßen bildet die Schutter also die Grenze, so wie der Rhein Deutschland und die Schweiz trennt. Wenn die beiden Brüder also die Brücke überquerten, verkündeten sie spaßhaft: "Wir kommen jetzt nach Klein-Basel". So entstand der inoffizielle Name des Ortsteils. In Basel selbst gibt es ebenfalls ein Klein-Basel, ob die beiden Brüder jedoch dort arbeiteten, ist unklar.

Der heute 72-jährige Walter Vetterer hat selbst jahrelang neben der ehemaligen Gaststätte "Grüner Baum" im Viertel Klein-Basel gewohnt. Um 1989 habe er sich schließlich entschlossen das besagte Schild, das heute die Steingraben-Straße schmückt, aufzustellen. Das Schild gestaltete er genauso wie die Ortsschilder in der Schweiz: Blauer Hintergrund, weiße Schriftfarbe. Und so ist es heute beinahe ein Stückchen Schweiz mitten in Seelbach.

Passanten werden nach Passieren der Schutterbrücke vom Schild "Klein Basel, Zollgrenzbezirk" begrüßt. Scherzhaft sei dort früher von den Anwohnern an Fastnacht Brückenzoll erhoben worden, schreibt der gebürtige Seelbacher Heinrich Bohnert in seinem Werk "Bevor’s rum isch."

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