Seelbach Ein Leben für die Katzen

Astrid Wandel betreibt in Seelbach ein Katzenhaus. Dort pflegt und versorgt sie seit mehr als zehn Jahren Katzen, die ausgesetzt wurden, krank sind oder um die sich niemand sonst kümmert.

Seelbach. Ein stattlicher weißgrauer Kater liegt auf dem Bürostuhl im Flur. Fast in Zeitlupentempo gähnt er und reißt dabei seine Kiefer weit auseinander. Rambo hat ein stolzes Alter von gut zwölf Jahren und nur noch einen Reißzahn.

Astrid Wandel kennt jede ihrer 33 Katzen beim Namen, weiß um die Eigenarten und meist auch von der Herkunft. In der Regel bekommt sie Katzen, die sonst niemand mehr will. 25 Stubentiger genießen bei ihr den Altersruhesitz und das Gnadenbrot. Erst vor kurzem habe sie noch vier ältere Katzen aus Zell bekommen, erzählt Wandel. Eine 86-jährige Frau habe sie um die Aufnahme der Tiere gebeten. Die Frau hatte insgesamt sieben Katzen, stellte dann jedoch fest, dass ihr die Pflege über den Kopf hinauswuchs. Die vier Katzen kamen bei Wandel unter, wie sie viele vor ihnen. 200 Euro habe sie dafür bekommen. Dieser Betrag deckt für die Zukunft aber nur einen Bruchteil der zu erwartenden Tierarztkosten.

Von den vier Samtpfoten ist ein Katerchen besonders verschmust. Sein Name ist Programm, denn er ist schwarz wie die Nacht. Wandel nimmt Blacky auf den Arm. "Keine einzige Kralle zeigt dieser Schmusekater", informiert die Seelbacherin über den sechsjährigen Kater mit den schönen Augen und dem glänzenden Fell. Schnurrend schmiegt er sein Köpfchen in die Hand seiner "Pflegemutter." Wandel hofft, dass sie ihn vermittelt bekommt.

Über die Vorgeschichte ihrer "Ziehkinder" will sie nicht viel wissen

Aber nicht nur Blacky wartet auf ein neues Zuhause. Aus Altenheim hat ihr eine Frau eine Mutterkatze mit vier schwarzen Katzenbabys gebracht. Mutter und Kinder wurden aufgepäppelt. Über die Vorgeschichte ihrer "Ziehkinder", will Wandel nichts groß wissen. Wichtig ist, dass es ihnen gut geht. Dafür hat sie unlängst den Speicher renoviert.

"Ein Leben für die Katzen und kein Leben ohne Katzen", das scheint Wandels Motto zu sein. Sanft streichelt sie einem Kätzchen über den Kopf. Felix gehörte einem Ehepaar. Neben dem Baby war kein Platz mehr für den kleinen Tiger. Glücklich ist sie über die Vermittlung eines kleinen Katers, dem der Tierarzt ein Bein abnehmen musste. "Gott sei Dank ist ein junger Mann gekommen und hat darauf bestanden, einem Tier mit Handicap ein neues Zuhause zu schenken", erklärt die 65-Jährige. Jetzt hofft sie auf die Vermittlung der weiteren Katzen.

Dass ihr die Fürsorge einmal über den Kopf hinauswächst oder sie gar einmal nein sagt, das gibt es nicht. Sie fühlt sich als Anwältin der Tiere.

Im Flur stehen ihre Fangkörbe. Am Morgen fährt sie zum Edeka-Markt. Dort hat jemand eine Katze ausgesetzt. Über den Menschen an sich macht sie sich längst keine Gedanken mehr. Wichtig ist ihr, dass es den Tieren gut geht.

Vor 17 Jahren hat Astrid Wandel mit ihrer privaten Katzenrettung begonnen. In Hornberg hat sie sich ehrenamtlich bei der Tierrettung Pro Animale eingebracht und Patenschaften für einige Katzen übernommen. Streuner, Fundkatzen, kranke und alte Tiere hat sie seitdem bei sich aufgenommen. Seit 2008 lebt sie wieder in ihrer alten Heimat Seelbach. Finanziell kommt sie gerade so über die Runden. Allein Tierarztrechnungen, Katzenfutter, Katzenstreu und Flohmittel kosten monatlich 800 Euro.

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