Seelbach "Der Sturm" wirbelt schon in Seelbach

Wie sieht ein Schiffbruch im Klostergarten aus? Die Antwort liefern die Proben zu "Der Sturm", die Anfang der Woche begonnen haben. Überschattet wurden sie von der Nachricht, dass Bruno Thost nach einer OP nicht mehr zur Verfügung steht.

Seelbach. Der Ehrenintendant wurde am Dienstag am Darm operiert. Er wird nicht, wie geplant, als Alonso, König von Neapel, auf der Bühne stehen. "Das Risiko ist nach der OP zu groß", erklärt seine Tochter, die die Rolle mit der Seelbacherin Verena Rohkohl neu besetzt hat. Das gesamte Ensemble hat bereits eine Videobotschaft mit Genesungswünschen gedreht und drückt die Daumen, dass es Bruno Thost bald wieder besser geht. Dies berichtet Daniela Armbruster vom Orgateam der Freilichtspiele.

Nun zum Probenbesuch unserer Zeitung. Die Darsteller aus dem Schuttertal, die am ersten Abend den Auftakt des Stücks proben, fallen gewissermaßen "mit der Tür ins Haus": Besatzung des Schiffs und Passagiere purzeln auf der Treppe ordentlich durcheinander. Sigrid Schnurr ist Steuermann, bei der ersten Probe noch ohne Steuerrad. Im Chaos, das Regisseurin Katja Thost-Hauser sehen möchte, steht dann Lia Franke am Steuer – und die wichtigsten Protagonisten des Dramas stapfen über den Sandstrand. Der Sand fehlt derzeit noch. Dafür sind Ölfässer zu sehen und ein moderner Container, der auf der Insel des Zauberers Prospero (Christian Hauser) gestrandet ist.

Drei Handlungsstränge beschreibt Shakespeare in den ersten zwei Szenen. Nach dem von Prospero heraufbeschworenen Sturm und dem – vermeintlichen – Schiffbruch in der ersten Szene erklärt der Zauberer seiner Tochter Miranda (Shania Bohy) die Vorgeschichte des Dramas: Er ist von seinem Bruder Antonio (Klaus Meile) vor zwölf Jahren als rechtmäßiger Herrscher von Mailand vertrieben worden.

Die Proben im Klostergarten sind derzeit zweigeteilt. Die Massenszenen mit vielen Kinder aus dem Schuttertal werden am frühen Abend geprobt. Trotz der Ferien haben alle dafür Zeit – auch die Eltern. Hier geht es um richtige Choreografie, darum, wer wie und wo wann zu stehen hat. Das erfordert bei allen Darstellern ordentlich Disziplin, vor allem wenn eine kleine Szene immer wieder gespielt wird. Es sind aber alle mit Ernst und Eifer dabei.

Die größeren Rollen proben die Schauspieler – neben Katja Thost-Hauser (Regie und die Rolle des Caliban) und Christian Hauser sind das Gernot Kogler (als eine "Hälfte" des Luftgeistes Ariel) und Klaus Meile. Von den Darstellern aus der Region hat Shania Bohy mit der Miranda das erste Mal eine größere Rolle übernommen.

Bei den Proben am Nachmittag ist an einem Detail gut zu erkennen, warum Shakespeares Geschichten nach mehr als 400 Jahren immer noch so präsent sind: Prospero wird bei der Schilderung des Verrats sehr langatmig. Da gehört dann der Vorwurf des Vaters an die Tochter "Hörst du mir überhaupt zu" unbedingt dazu. Miranda lächelt den Vorwurf bereits bei der ersten Probe – wunderbar kokett und einen Tick vorwitzig – weg.

Bei den Proben am dritten Abend sind die Darsteller immer noch mit dem Schiffbruch beschäftigt. Nachdem alle zweimal nacheinander und jetzt auch genau synchron die Treppe herunter gestolpert sind, sagt Naemi Franke endlich auch "Bravo": "Das war jetzt richtig gut". Das Kompliment der Fünfjährigen, die als einer der Geister auftritt und am Rande zugesehen hat, kommt bei allen an. Die Proben gehen weiter.

Eine Besonderheit der Freilichtspiele ist die Zusammenarbeit von ausgebildeten Schauspielern und Darstellern aus der Region. Unter den mehr als 20 Darstellern aus dem gesamten Schuttertal und darüber hinaus hat sich eine große Kontinuität entwickelt. So spielen einige seit Jahren große Rollen. Auch ein Wechsel von einer Hauptrolle zu einer Statistenrolle im Jahr darauf ist möglich. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind seit Jahren immer weniger zu erkennen.

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