Seelbach Geroldseck: Burgfräulein grüßen mit Kusshand

Schönberg - Das mittelalterliche Spektakel auf der Hohengeroldseck hat sich wieder als Publikumsmagnet erwiesen. Dem Augenschein nach waren es wieder die erwarteten 2500 Besucher, die sich auf der Burgruine unterhalten lassen wollten.

Um die Mittagszeit waren – ein dickes Lob an alle Besucher – freie Parkplätze unterhalb des Burgbergs vorhanden. Was nicht heißt, dass es weniger Gäste als sonst waren. Vielmehr hatten zahlreiche Gäste die Busse, die sonntags über den Schönberg verkehren, genutzt oder auf der Passhöhe geparkt, um das letzte, steile Stück des Weges zu Fuß zurückzulegen. Außerdem gab mehr als genug Wanderer aus dem Schuttertal oder Kinzigtal, die ganz ohne Fahrzeug gekommen waren. So war der Weg hinauf mittags stark frequentiert

Auf der Burg empfingen traditionell die Ratsversammlung der Schönberger und der Statthalter des Seelbacher Schultes die Besucher mit einem zünftigen Vesper. Mit anderen Worten: Die Mitglieder des Ortschaftsrats und Ortsvorsteher Albert Himmelbach reichten zur Ankunft Speckbrot und Most.

Der Seelbacher Schultes trug eine schwere Last: Beim Lager der "Geroldsecker Ritterschaft" glänzte Bürgermeister Thomas Schäfer – im silbern schimmernden Kettenhemd. Es stammte nicht aus dem Mittelalter, war aber von Hand ordentlich gefertigt, sodass es sein Gewicht hatte. Gattin Sigrid wusste es genau: 20 Kilogramm. Zur Bestätigung durfte der Berichterstatter das Gewicht erproben – an einem anderen Kettenhemd. Fazit: Es dürfte stimmen. Dafür, ergänzte die Frau des Bürgermeisters, trugen die Ritter darunter ein weiches Wams. Zusammen dürften Wehr und Waffen dann mehr als 30 Kilogramm gewogen haben. Daher sind heutige Vorstellungen oder Filme, die tollkühne Haudegen im schnellen Kampf zeigen, eine ausgemachte Mär. "Die haben damals höchsten zehn Minuten Kampf durchgehalten."

Bürgermeister Schäfer glänzt im Kettenhemd

Beim Aufgang zur Burg gab es die passende Bestätigung. Seit Jahren bevölkern Mitglieder des Vereins "Communis considere" den Vorhof unterhalb des eigentlichen Burghofs. Einer der Recken zeigte den Gästen, wie man ein Schwert führte. "Die Klingen dienten nur zum Hauen oder Schlagen." Zum Stechen oder Schneiden taugten die Waffen nichts. Wer den Panzer des Gegners durchdringen wollte, griff an die Klinge und schlug mit dem Griff zu. Die massiven Streben, die eigentlich die eigene Hand schützen sollten, waren – aufgrund des Hebels – vielleicht in der Lage, die Kettenhemden oder Panzer zu durchdringen. Es gab aber, nebenbei bemerkt, im echten Kampf Alternativen: Streitäxte oder Morgensterne. Im Spätmittelalter machten Ritter dann auch gelegentlich sehr schlechte Erfahrungen mit Dreschflegeln, die wütende Bauern einsetzen.

Außerhalb des martialischen Gebarens gab es viel Unterhaltung auch für Kinder. Ein Karussell und viele Spielangebote sorgten für gute Unterhaltung bei den Jüngeren. Ein anderes Beispiel, wie sich alle Besucher amüsieren konnten, bot Sigrid Schäfer: Sie zeigte zwei Herren eine Karte mit einem Bild. Dazu gab sie den Hinweis, dass die begleitenden Damen raten sollen, was dargestellt wird. Einzige Bedingung: Die Gesten müssen stumm erfolgen, per Pantomime. Die Darsteller gaben sich Mühe, die Damen rieten daneben. Irgendwann funkte es: "Affen!" Was stimmte. Die Frage der "Geroldseckerin" Sigrid war dann passend, warum sich die Herren nicht einfach auf den Brustkorb getrommelt hatten? Das wäre wohl verständlicher gewesen als Gesten, die auf dem Baum klettern, Bananen pflücken und schälen darstellen sollten.

Umgekehrt hatten die Damen das besser Los: Die Gesten mit Kusshänden deuteten die Partner sofort richtig. Das Spiel habe es übrigens schon im Mittelalter geben. Damals wird man die Kusshand wohl bereits gekannt haben.

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