Seelbach Beeindruckt von Spuren des Kriegs

Vor 35 Jahren haben Seelbach und Zillebeke eine Gemeindepartnerschaft geschlossen, ein Anlass, der jetzt in dem belgischen Ort gefeiert worden ist. Foto: privat Foto: Lahrer Zeitung

Eine Delegation aus Seelbach hat die belgische Partnergemeinde Zillebeke. Anlass war das dortige Dorffest, bei dem das 35-jährige Bestehen der Gemeindepartnerschaft gefeiert wurde.

Lahr (red/sl). Am Freitagabend angekommen, bezogen die Seelbacher gleich Quartier bei den schon wartenden Gastfamilien. Der Samstagvormittag begann mit einer Wanderung entlang der Frontline des Ersten Weltkriegs, an der Gäste und Gastgeber teilnahmen.

Wolfgang Himmelsbach, Sprecher des Zillebeke-Komi-tees aus Seelbach, erläuterte einleitend die heute kaum vorstellbaren Ereignisse, die den Krieg bis nach Zillebeke und Ypern brachten. Auf dem vier Kilometer langen Weg versuchte er das unsägliche Leiden und Sterben zu beschreiben, das dort vor hundert Jahren alltäglich war, hüben und drüben. "Angriff, Gegenangriff, Gas, Minen, Trommelfeuer, das sind Worte, deren Bedeutung man erst erfassen kann, wenn man die Verlustziffern kennt", so Himelsbach. Die da sterben mussten, vor Zillebeke, das waren auf deutscher Seite insbesondere auch elsässische und badische junge Männer, ergänzte der Seelbacher. Nach mehr als drei Stunden, bei einem vorzüglichen flämischen Mittagessen, lockerte sich die durch das Gehörte bis dahin eher gedrückte Stimmung unter den Teilnehmern wieder auf.

Danach begab sich die Gruppe in die Stadt Ypern. Ein Besuch im Merghelynck-museum stand an. Das Herrenhaus ist eine perfekte Rekonstruktion eines Gebäudes aus dem Jahr 1774, das im Ersten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. In schön dekorierten Salons und Boudoirs kann man originale französische Möbel, Gemälde und Silberwaren sehen, die noch rechtzeitig, Anfang 1915, evakuiert worden waren.

Jeden Abend wird an Kriegsopfer gedacht

Nach einer Stippvisite in den Ratssaal von Ypern ging die Delegation zum Menentor, um an der Zeremonie "Last Post" teilzunehmen. Das Menentor ist ein Ehrenmal für mehr als 52 000 in den Schlachten um Ypern gefallenen Soldaten Großbritanniens und des Commonwealth, die nicht identifiziert werden konnten und somit kein individuelles Grab gefunden haben. Seit dem 2. Juli 1928 wird jeden Abend um 20 Uhr die "Last Post" zum Gedenken an diese Gefallenen geblasen. Zwei Zillebeker und zwei Seelbacher legten gemeinsam einen Kranz der Gemeinde Seelbach nieder.

Das Zillebeker Dorffest am Sonntag stand ganz im Zeichen der 35-jährigen Partnerschaft mit Seelbach. Im Zillebeker Kulturzentrum begrüßte die Vorsitzende des Seelbach-Komitees, Antoinette Leroy, insbesondere auch die Seelbacher Gäste. Anschließend ließ sie die 35 Jahre Revue passieren und würdigte Hans-Peter Martin und Winfried Fautz als Gründerväter der Partnerschaft auf Seelbacher Seite. Sie machte auch deutlich, an wie vielen Stellen in Zillebeke man durch kleine Monumente immer wieder an Seelbach erinnert werde.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Ypern, Jef Verschoore, dankte im Namen der Stadt bei den Akteuren der Partnerschaft. Städtepartnerschaften seien ein Zeugnis für ein Europa, das es seit 73 Jahre ermögliche, in Frieden zu leben.

Weitere Informationen: www.seelbach-zillebeke.de

Zillebeke ist ein ländlich geprägter Ortsteil der Stadt Ypern mit etwa 1700 Einwohnern, der rund 65 Kilometer von der belgischen Nordseeküste entfernt liegt. Ypern war im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft. 1915 wurde die flämische Stadt in Trümmer gelegt. Nach dem Krieg wurde der mittelalterliche Stadtkern originalgetreu wiederaufgebaut.

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