Schweinepest am Kaiserstuhl Überwachungszone reicht bis in südliche Ortenau

Marco Armbruster
Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Forchheim ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Die Landesregierung habe bereits Maßnahmen vor Ort eingeleitet, informiert das Ministerium für Ländlichen Raum am Donnerstag. Foto: Schuldt

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Emmendingen ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Die Schutzmaßnahmen wirken sich auch auf die südliche Ortenau aus, wie Minister Peter Hauk am Donnerstag erläuterte.

Ortenau/Emmendingen. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest Baden-Württemberg erreicht", erklärte Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, bei einer kurzfristig anberaumten digitalen Pressekonferenz am Himmelfahrtstag. Das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) habe das Virus am Mittwochabend in Proben aus einem Mastschweinebestand in Forchheim bei Endingen am Kaiserstuhl nachgewiesen. Von Donnerstag vergangene Woche bis Mittwochmorgen seien dort 16 der 35 Schweine verendet. Die übrigen Tiere hat das Landratsamt Emmendingen am Mittwoch töten lassen.

Auch Rust und Ringsheim gehören zur Überwachungszone

Die Behörden richten um den betroffenen Betrieb nun eine Sperrzone mit einem Mindestradius von drei Kilometern und eine sich daran anschließende Überwachungszone mit einem äußeren Radius von mindestens zehn Kilometern ein. Diese Restriktionsgebiete erstrecken sich auf die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald – und auch den Ortenaukreis. Die Überwachungszone schließt im Norden die Gemeinden Rust und Ringsheim ein.

In dem gesamten Gebiet gilt für die Schweinehaltung nun kompletter Stillstand. "Kein Schwein rein, kein Schwein raus", konstatierte Hauk. Gleiches gelte für Fleisch und Fleischerzeugnissen. Tierische Nebenprodukte und Gülle, Mist und Einstreu von Schweinen dürften ebenfalls nicht aus den Betrieben verbracht werden. Für Betriebe mit Freiland- oder Auslaufhaltung gilt nun eine Aufstallpflicht. Ausnahmen von den Regeln seien nur unter strengen Auflagen möglich. Da die Seuche bei Hausschweinen ausgebrochen sei, seien pflanzliche Produkte, wie Futtermittel, Stroh oder andere landwirtschaftliche Produkte wie Rindfleisch, Obst und Gemüse von den Beschränkungen nicht betroffen. Im Untersuchungsgebiet – Sperr- und Überwachungszone auf der deutschen Rheinseite – leben laut Ministerium insgesamt 1020 Hausschweine.

Behörden prüfen, ob auch Wildschweine befallen sind

Wie der Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in den Bestand in Forchheim gelangen konnte, ist noch unklar. Der Betrieb sei jedoch vorbildlich, die Absicherungsmaßnahmen – etwa bis in den Boden reichende Doppelzäune um den Kontakt zu Wildschweinen zu vermeiden – seien sehr gut gewesen. "Aber gegen menschliches Versagen ist niemand gefeit", erklärte der Minister und nannte kontaminiertes Futtermittel als möglichen Auslöser des Ausbruchs.

"Nun gilt es zu prüfen, ob auch Wildschweine befallen sind", erläuterte Hauk. Derzeit gebe es allerdings noch keine Hinweise darauf. Teams bestehend aus zwei Menschen und einem Hund sollen in der Region nach verendetem Schwarzwild suchen. "Flankiert werden die Suchteams außerhalb von Waldflächen durch Drohnen-Einsatzteams mit Wärmebild-Kameras", erklärte der Minister.

Im Laufe der kommenden Woche sollen die Wälder in dem betroffenen Gebiet "durchgescannt" werden. Darüber hinaus werden in den drei betroffenen Landkreise alle künftig erlegten und verunfallten Wildschweine untersucht. Finden sich keine an oder mit der Schweinepest verendeten Tiere, seien dies gute Nachrichten, so Hauk. "Ich bin verhalten optimistisch, dass wir die Seuche unter Kontrolle bekommen."

Bauernpräsident appelliert an Verbraucher, besonnen zu reagieren

Bernhard Bolkart, Präsident des Badischen Bauernverbands BLHV, blickt indes mit Sorge auf die Entwicklung. "Es ist furchtbar, aber vielleicht händelbar", konstatierte er im Nachgang der Pressekonferenz im Gespräch mit unserer Zeitung. Er befürchtet, dass der Markt für Schweineprodukte und dadurch die Erzeuger aus der Region weiter unter Druck geraten. "Es ist entscheidend, dass der Konsument jetzt nicht hysterisch wird", betonte Bolkart. "Für uns die wichtigste Botschaft: Die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist nicht gegeben." Das hatte auch Minister Hauk betont und an die Verbraucher appelliert, aber vor allem auch an den Handel, die Schweinebauern zu unterstützen und Schweinefleisch zu kaufen.

Sollte das Virus bei hiesigen Wildschweinen nachgewiesen werden, könnte es noch deutlich schlimmer kommen. Denn dann könne es auch verschärfte Auflagen für andere Erzeugnisse – etwa Sonderkulturen wie Spargel oder Erdbeeren – geben, erläuterte der Badische Bauernpräsident. "So wie es aber derzeit aussieht, handelt es sich lediglich um einen einzelnen Ausbruch – alles andere ist nur Spekulation."

Schweinepest ist für Menschen ungefährlich

Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Wild-  und Hausschweine betrifft. Sie verläuft fast immer tödlich und ist unheilbar. Für den Menschen oder für andere Tierarten ist die Krankheit ungefährlich. Zunächst hatte sie sich in Osteuropa verbreitet. 2019 wurden kranke Wildschweine auch in Deutschland festgestellt. Schwere wirtschaftliche Schäden werden befürchtet, falls die Krankheit in Zuchtbetriebe eingeschleppt wird. Mitte Juli 2021 wurde die Tierseuche erstmals in einem Betrieb in Deutschland registriert.

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