Schwanau Wendemanöver tief im Untergrund

Die Maschinen "Wanda" und "Sibylle" – beide mit einem Durchmesser von rund elf Metern – sollten zeitgleich mit nur wenigen Metern Abstand zueinander im engen Startschacht montiert werden. Foto: Herrenknecht Foto: Lahrer Zeitung

Vier Tunnelbohrmaschinen von Herrenknecht haben in fünf Jahren fast 50 Kilometer Tunnel für das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm gebaut. So entstanden in schwierigem Baugrund drei Schlüsselbauwerke des Jahrhundertprojekts.

Schwanau (red/ma). Den Schlusspunkt für das Großprojekt setzte die Tunnenbohrmaschine (TBM) "Wanda" mit einem Durchmesser von rund elf Metern bereits Ende Oktober (wir berichteten). Es war der vierte und letzte Projektabschluss des Herrenknecht-Bohrquartetts für Filder-, Albvorland- und Boßlertunnel.

Das Schwanauer Maschinenbauunternehmen Herrenknecht blickt nun in einer Pressemitteilung auf das Großprojekt zurück – das Fazit fällt positiv aus: Die Maschinen hätten ihre Untergrundmissionen "zielsicher und flott" gemeistert. Neben "Wanda" waren auch die TBMs "Suse" und "Sibylle" (beide rund elf Meter Durchmesser) sowie die etwas größere "Käthchen" im Einsatz.

Schneidemaschine wiegt alleine 1400 Tonnen

Im Herbst 2014 fiel für "Suse" (kurz für "Stuttgart–Ulm schneller erreicht") der Startschuss für den Vortrieb von der Filderebene hinunter in Richtung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Über dieses Startportal wickelte die Baustelle während der Bohrarbeiten die komplette Logistik ab. "Diese Lösung ersparte der Stadt Stuttgart im Talkessel Tausende von Lkw-Fahrten mit Staub- und Lärmbelästigung", erläutert das Unternehmen. Ende Juli 2018 hatte "Suse" in der Weströhre von der Filderebene kommend eine unterirdische Kaverne erreicht. Hier galt es, die 120 Meter lange TBM um 180 Grad zu drehen für den anschließenden Vortrieb der Oströhre. Die 1400 Tonnen schwere Schildmaschine mit dem Schneidrad wurde zuerst gedreht, sechs Nachläufer folgten – das Wendemanöver in der Tiefe gelang. Im September erfolgte nach rund 15 Kilometern Tunnel schließlich der finale Durchbruch.

Für den Albvorland-Tunnel zwischen Kirchheim unter Teck und Wendlingen am Neckar kamen zwei baugleiche Maschinen – eine für jede der beiden Röhren – zum Einsatz. Ein Team aus 20 Herrenknecht-Mitarbeitern montierte die TBMs bei Kirchheim. Rund acht Kilometer der Nordröhre des Albvorlandtunnels fuhr die auf den Namen "Sibylle" (nach der Sagengestalt Sibylle von der Teck) getaufte Herrenknecht-Maschine von Januar 2018 bis Anfang August 2019 auf. "Wanda" ("Wendlingen am Neckar durchs Albvorland") legte die Strecke in der parallelen Südröhre zurück.

Firmenchef freut sich über Projektabschluss

Der fast neun Kilometer lange, zweiröhrige Boßlertunnel ist das dritte Tunnelbauwerk auf der Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Ulm, für das Herrenknecht Vortriebstechnik lieferte. Am Startportal bei Aichelberg fand die Taufe von TBM "Käthchen" im November 2014 statt. Der Bohrstart erfolgte im April 2015. "Bereits nach nur gut zwei Monaten war die 1000-Meter-Marke geknackt", heißt es von Herrenknecht. Die Bohrarbeiten seien so schnell vorangekommen, dass die Entscheidung fiel, mit der TBM weitere Abschnitte aufzufahren, die ursprünglich konventionell gebaut werden sollten.

"Ich gratuliere allen, die auf den Baustellen zwischen Stuttgart und Ulm mit angepackt und dieses wichtige Großprojekt vorangetrieben haben, zu ihrem großartigen Erfolg", sagte Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG.

Das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm liegt auf der europäischen Ost-West-Magistrale Paris–Bratislava und unterteilt sich in die beiden Großprojekte "Stuttgart 21" mit dem Bau des neuen Hauptbahnhofs und der Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens sowie die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Mit dem Bau des Hauptbahnhofs als Durchgangsbahnhof und der Anbindung an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz verkürzen sich die Reisezeiten im Regional- und Fernverkehr signifikant, erläutert Herrenknecht in einer Pressemitteilung.

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