Schwanau Schwanauer Wald durchforstet

Den Wald haben Revierförster, das Amt für Waldwirtschaft und der Gemeinderat ganz genau unter die Lupe genommen. Nach nun zehn Jahren wurde erneut beschlossen, wie die Planung der Forsteinrichtung weitergehen soll.

Schwanau. Wie sieht es derzeit im Gemeindewald aus und was soll dort in den kommenden zehn Jahren erreicht werden? Das Amt für Waldwirtschaft des Ortenaukreises sowie die Gemeinde Schwanau – allen voran Revierförster Klaus Niehüser – haben gemeinsam eine Planung zur Fortschreibung der Forsteinrichtungserneuerung erarbeitet. Für den öffentlichen Wald ist eine solche Überplanung alle zehn Jahre vorgesehen –­ "und äußerst wichtig. Es kann dabei nämlich die Entwicklung des Waldes durch genaue Betriebsdaten im Detail aufgezeigt werden und daraus dann gegebenenfalls eine neue Strategie für die kommenden zehn Jahre entwickelt werden", erklärte Hans-Georg Pfüller, Leiter des Amts für Waldwirtschaft im Kreis, in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Gemeinsam mit Förster Niehüser erläuterte er im Anschluss nochmals den aktuellen Zustand des 814,8 Hektar großen Waldes: Insgesamt habe dieser an Betriebsfläche leicht zugenommen und erfüllt eine Vielzahl an Funktionen. "Neben der Holzproduktion ist der Wald vor allem für die Erholungsfunktion – auf nahezu gesamter Waldfläche – sowie in Teilen für die Klimaschutzfunktion bedeutsam", erläutert Pfüller. "Ein Schatzkästchen, auf das sie stolz sein können", fügte er an.

Unter anderem konnte festgehalten werden, dass der Schwanauer Wald sehr viele junge Bestände hat. "Diese sind zwar sehr pflegeintensiv, bieten aber gleichzeitig viel Potenzial", sagte Pfüller. Die Waldverjüngung erfolgte auf insgesamt 111 Hektar – deutlich mehr als geplant. Ein Drittel der Verjüngungsfläche stammt aus Naturverjüngung, zwei Drittel der Fläche aus ergänzender Pflanzung.

Das Baumarten-Verhältnis setzt sich zu 99 Prozent aus Laubbäumen und zu einem Prozent aus Nadelbäumen zusammen. Die Hauptbaum-Arten sind der Bergahorn (19 Prozent), die Esche und die Hainbuche (jeweils 13 Prozent) sowie Stieleiche und Schwarzpappel mit weiteren Laubbaumarten (zwischen drei und 10 Prozent). Vor allem das Eschentriebsterben wirke sich enorm auf den Wald aus, alles andere seien "Kleinigkeiten", so das Fazit des Forstamtsleiters: "Das langfristig angestrebte Ziel ist ein Laubbaummischwald ohne Nadelbaumanteile." In den vergangenen zehn Jahren seien im Schwanauer Wald 196 Hektar zu einem guten Zustand gepflegt worden.

Für das kommende Jahrzehnt ist für den Gemeindewald eine Nutzung von 33 000 Festmeter geplant. "Die Nutzungen führen zu einer anspruchsvollen Verjüngungsplanung", erklärte Pfüller. Die Waldverjüngung soll auf 70,4 Hektar geschehen, zu 28 Prozent auf natürlichem Wege und dazu 50,9 Hektar ergänzendem Anbau insbesondere von Stieleiche, Schwarzpappel, Flatterulme, Hainbuche, Roterle und Schwarznuss.

"Ziel wird die schwarze Null sein", sagte Revierförster Niehüser. Das Eschentriebsterben sei bereits eingerechnet, es sollte in den nächsten zehn Jahren "keine bösen Überraschungen geben", ist er sich sicher. Außerdem war es dem Förster ein Anliegen ausdrücklich zu betonen, dass die Planungen gemeinsam erarbeitet wurden und "ganz im Sinne der Gemeinde sind".

"Ein Viertel der Schwanauer Gemarkung ist Wald. Es ist wirklich beeindruckend, wie sich ein solch vielfältiger Wald darstellen lässt. Unsere Planungen erlauben, optimistisch in die Zukunft zu blicken", sagte Ratsmitglied Patrick Fertig. Dieser Meinung schlossen sich die weiteren Räte an. "Es freut mich, dass der Wald so durchstrukturiert ist", sagte Hartmut Läßle. Ingrid Scharff wollte wissen, ob es denn einen "Ersatzbaum" für die Esche gebe. "Die Esche war ein ›Brotbaum‹ und wuchs sowohl in den feuchten als auch trockenen Bereichen. Für jeden Bereich ist aber ein Ersatzbaum eingeplant worden", versicherte Niehüser. Nicht nur beim Beschluss waren sich die Räte einig, sondern auch darin , dass der Wald in den besten Händen ist, wie mehrfach betont wurde.

Die Gemeinderäte waren am Freitag vor der Sitzung zu einer Waldbegehung eingeladen. "Das war nun meine dritte, aber jedes Jahrzehnt ist aufs Neue interessant" sagte Sven Kehrberger. Auch die weiteren Räte waren vom Vor-Ort-Termin beeindruckt. Bürgermeister Wolfgang Brucker ging sogar so weit, dass er diese Begehung als "die Beste, die er erleben durfte," bezeichnete und im Namen aller nochmals dem Forstamt und Revierförster Klaus Niehüser dankte.

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