Schwanau Polder geht in Betrieb – Kritik bleibt

Politiker und Behördenvertreter haben mit einem Knopfdruck den Polder Elzmündung geflutet. Neben dem Einlassbauwerk wurde auch eine Fischtreppe in Betrieb genommen. Fotos: cb Foto: Lahrer Zeitung

Nach rund drei Jahren Bauzeit ist das Einlassbauwerk zum Hochwasserschutz am Rhein bei Kappel in Betrieb genommen worden. Wanderfischen soll zudem durch eine Fischtreppe freier Zugang zum Rhein gewährt werden.

Rhinau/Kappel-Grafenhausen. Auf Kommando haben der Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne), die Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (CDU) und Johannes Fechner (SPD), die Landtagsabgeordnete Marion Gentges (CDU), Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Nikolas Stoermer, Erster Landesbeamter sowie die Bürgermeister Jean-Paul Roth (Rhinau), Jochen Paleit (Kappel-Grafenhausen) und Wolfgang Brucker (Schwanau) gemeinsam den roten Knopf gedrückt und damit die Flutung des Rückhaltebeckens in der Nähe der Rheinfähre gestartet.

Es war ein historisches Ereignis, das es wohl so kaum noch einmal gibt: In Betrieb genommen wurde ein Bauwerk, das von Bund und Land finanziert rechtsrheinisch auf französischem Boden gebaut wurde, um nördlich liegende Städte und Gemeinden vor Hochwasser zu schützen. "Es ist im Moment ein bisschen kompliziert, auf die andere Rheinseite zu kommen", sagte Roth und bezog sich damit auf den momentan stillgelegten Fährbetrieb. Doch sehe er das Projekt als wichtig und gelungen an. Bereits 2006 habe die Gemeinde Rhinau dem Bau des Einlassbauwerks und der Einrichtung des Polders zugestimmt, um deutsche Gemeinden zu schützen.

Hochwasser lasse sich nicht verhindern oder aufhalten, sagte Schäfer in ihrer Begrüßung. Doch könne es durch gezielte Steuerung ausgebremst und entschärft werden. Durch den Fischpass seien Rhein und Altrhein besser verbunden. "Wanderfische haben bald wieder freie Bahn", betonte Schäfer. Das Einlassbauwerk ist aber nur ein Teil des gesamten Programms. Bis 2020, so die Regierungspräsidentin, soll alles abgeschlossen sein. Erfreulich sei, dass die gesamte Bauzeit unfallfrei verlaufen sei.

Den Bürgerinitiativen "Polder Elzmündung" und "Trockene Keller" dankte sie für ein offenes und faires Miteinander. Das Hochwasser von 2013 in Elbe und Donau habe Schäden in Höhe von sechs bis sieben Millionen Euro angerichtet, berichtete Untersteller. "Wir hatten damals Glück." Auch nach der Einweihung des Einlassbauwerks bestehe immer noch Handlungsbedarf, wie Hochwasserflächenkarten zeigten. Auch Baden-Württemberg müsste ohne das Integrierte Rheinprogramm (IRP) mit Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe rechnen. "Das Dammertüchtigungsprogramm wird in den kommenden Jahren umgesetzt", versprach der Minister. Dafür würden rund eine halbe Milliarde Euro kalkuliert.

Gemeinden wollen kritisch begleiten

Der Polder, der sich dem Einlassbauwerk anschließt, sei kontrovers und emotional diskutiert worden und damit auch ein Stück Dorfgeschichte, sagte Paleit, der für seine Kollegen sprach. Das Ergebnis sei schön und "Schmerzen vergehen". Dennoch gebe es nach wie vor inhaltliche Konflikte. "Wir übernehmen Verantwortung für die Einwohner anderer Gemeinden nördlich von Iffezheim. Trotzdem gibt es Bedenken wegen nasser Keller und verschmutztem Trinkwasser, vor allem in Schwanau", so Paleit weiter. "Wir werden den Prozess weiterhin kritisch begleiten", versprach der Bürgermeister.

Nach der Fertigstellung werde auf eventuelle Mängel geachtet und bei Bedarf darauf vertraut, dass nachgebessert werde.

Das Bauwerk ist Teil des Integrierten Rheinprogramms (IRP). Damit sind rund 45 Prozent des erforderlichen Rückhaltevolumens bereitgestellt.

Zwischen Basel und Worms soll ein Gesamtrückhaltevolumen von 273 Millionen Kubikmeter geschaffen werden.

Baden-Württemberg trägt zu dem 1996 international vereinbarten Ziel mit 13 Hochwasserrückhalteräumen und einem Gesamtvolumen von 167,3 Millionen Kubikmeter bei. Gleichzeitig werden die Rheinauen geschützt und renaturiert.

Die Kosten für das IRP sind auf rund 1,47 Milliarden Euro veranschlagt, denen die zu erwartenden Schäden von sieben Milliarden Euro gegenüberstehen. Nach Umsetzung des IRP sollen die Schäden nahezu vollständig verhindert werden.

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